Br­ex­it­macht­kampf spitzt sich zu

Pre­mier­mi­nis­te­rin in Not. Un­ge­re­gel­ter Eu­aus­tritt kos­tet Deutschland 4,2 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Neue Presse - - Nachrichten -

LON­DON. Kurz vor der ent­schei­den­den Br­ex­it-ab­stim­mung nimmt der Macht­kampf zwi­schen der bri­ti­schen Re­gie­rung und dem Par­la­ment an Schär­fe zu. Die Op­po­si­ti­on um La­bour-chef Je­re­my Cor­byn er­höh­te den Druck auf Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May und droh­te er­neut mit ei­nem Miss­trau­ens­vo­tum.

Soll­te das Ab­kom­men bei der Ab­stim­mung am Di­ens­tag durch­fal­len, wä­re das „ein ka­ta­stro­pha­ler und un­ver­zeih­li­cher Ver­trau­ens­bruch in un­se­rer De­mo­kra­tie“, schrieb May im „Sun­day Ex­press“, „es ist an der Zeit, die Spie­le zu ver­ges­sen und das zu tun, was für un­ser Land rich­tig ist.“May be­ton­te, das Ab­kom­men brin­ge Lon­don die Kon­trol­le über die ei­ge­nen Gren­zen, Ge­set­ze, Han­dels­po­li­tik und Küs­ten­ge­wäs­ser zu­rück. Auch die Kon­trol­le über das Geld wer­de wie­der­er­langt, weil kei­ne Rie­sen­sum­men mehr nach Brüs­sel ge­schickt wer­den müss­ten.

Die Ab­stim­mung über das Br­ex­it-ab­kom­men zwi­schen Lon­don und den 27 an­de­ren Mit­glieds­staa­ten ist zwar am Di­ens­tag ge­plant, ei­ne Uhr­zeit steht aber nicht fest. Ei­ne Nie­der­la­ge Mays gilt als wahr­schein­lich. Die Fol­ge könn­te ein un­ge­re­gel­ter Eu-aus­tritt am 29. März sein. In dem Fall droht Cha­os in der Wirt­schaft und vie­len an­de­ren Be­rei­chen.

Auch die ver­blei­ben­den Eumit­glie­der und de­ren Wirt­schaft wür­de ein sol­cher „No De­al“mit zu­sätz­li­chen Mil­li­ar­den­kos­ten be­las­ten. Bis En­de kom­men­den Jah­res müss­te al­lein Deutschland bis zu 4,2 Mil­li­ar­den Eu­ro zu­sätz­lich in den Eu-haus­halt ein­zah­len, be­rich­te­te die Fun­ke­me­di­en­grup­pe un­ter Be­ru­fung auf Be­rech­nun­gen des re­nom­mier­ten Brüs­se­ler Brue­gel-for­schungs­in­sti­tuts.

Dies wä­re der deut­sche An­teil zum Aus­gleich ei­ner Lü­cke von ins­ge­samt 16,5 Mil­li­ar­den Eu­ro, die im Eu-haus­halt von April 2019 bis En­de 2020 bei ei­nem bri­ti­schen Eu-aus­tritt oh­ne Ab­kom­men ent­ste­hen wür­de, heißt es in ei­nem Schrei­ben des Brue­gel-in­sti­tuts an den Bun­des­tag. Den Mehr­kos­ten für Deutschland stün­den nur et­wa 200 Mil­lio­nen Eu­ro Er­lö­se aus den Zoll­ein­nah­men ge­gen­über. Die deut­sche Wirt­schaft rech­net bei ei­nem un­ge­re­gel­ten Br­ex­it mit ho­hen Be­las­tun­gen durch Zöl­le. Der Deut­sche In­dus­trie­und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) kal­ku­liert mit jähr­lich drei Mil­li­ar­den Eu­ro an Zöl­len, die deut­sche Un­ter­neh­men für Ex­por­te nach Groß­bri­tan­ni­en vor­aus­sicht­lich ent­rich­ten müss­ten, schrieb die Fun­ke-me­di­en­grup­pe. Hin­zu kä­men wei­te­re rund 200 Mil­lio­nen Eu­ro für Zoll­for­ma­li­tä­ten.

Auch in Groß­bri­tan­ni­en lie­gen mit Blick auf die Wirt­schaft die Ner­ven blank. Arz­nei­mit­tel­eng­päs­se, Pro­ble­me bei der Zu­lie­fe­rung wich­ti­ger Tei­le für die Au­to­in­dus­trie oder der Man­gel an be­stimm­ten Le­bens­mit­teln wer­den bei ei­nem „No De­al“nicht aus­ge­schlos­sen. Die eng­li­sche Ha­fen­stadt Do­ver könn­te beim Trans­port von Wa­ren schnell zum Na­del­öhr wer­den – we­gen nö­ti­ger Kon­trol­len wür­den dort Pro­gno­sen zu­fol­ge bin­nen kur­zer Zeit 50 Ki­lo­me­ter lan­ge Staus ent­ste­hen. Gro­ße Kühl­la­ger­räu­me sind in En­g­land schon längst aus­ge­bucht.

Das Par­la­ment in Lon­don ist in Sa­chen Br­ex­it heil­los zer­strit­ten. La­bour-chef Cor­byn setzt auf ei­ne Neu­wahl. Das for­der­ten auch De­mons­tran­ten am Sonn­abend in Lon­don, die dort nach dem Vorbild der fran­zö­si­schen Gelb­wes­ten-be­we­gung ge­gen die Re­gie­rung pro­tes­tier­ten. Die Ver­an­stal­ter spra­chen von meh­re­ren Tau­send Teil­neh­mern.

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