Mor­ri­co­nes Musik wirft das Kopf­ki­no an

Neue Presse - - Kultur - VON ALI­NE WEST­PHAL

HAN­NO­VER. Die Mund­har­mo­ni­ka scheint er­fun­den wor­den zu sein, um ex­akt die­se ei­ne Me­lo­die zu spie­len. Ei­ne Me­lo­die, die so­fort Bil­der im Kopf er­zeugt und wie ei­ne Scha­blo­ne auf ein ge­sam­tes Gen­re ge­legt wer­den kann: „Spiel mir das Lied vom Tod“. En­nio Mor­ri­co­ne, mitt­ler­wei­le 90 Jah­re alt, hat es ge­schrie­ben – und da­zu wei­te­re mehr als 500 Film­mu­si­ken. Ein „Best of“war nun im Kup­pel­saal zu hö­ren.

Das gut 100-köp­fi­ge Orches­ter der Mi­la­no Fes­ti­val Ope­ra un­ter Lei­tung von Dirigent Mar­cin Wol­niew­ski wid­met dem Ma­e­s­tro ei­nen Abend vol­ler Emo­tio­nen und Mei­lens­tei­le. Lein­wand-ani­ma­tio­nen mit at­mo­sphä­ri­schen Film-stills und Ori­gi­nal-film­sze­nen er­set­zen zwar das Kopf­ki­no, er­schaf­fen aber den­noch ei­ne in­ten­si­ve Stim­mung, die mit der hand­werk­lich na­he­zu per­fek­ten mu­si­ka­li­schen Dar­bie­tung zu ei­nem gro­ßen Gan­zen ver­schmilzt: dar­un­ter die „Lo­ve The­me” aus „Ci­ne­ma Pa­ra­di­so”, die auf der Lein­wand mit Stumm­film­küs­sen un­ter­malt wird, oder „Chi Mai“aus „Der Pro­fi“.

Die Ti­tel­me­lo­die des fran­zö­si­schen Gangs­ter­strei­fens „Der Clan der Si­zi­lia­ner“(mit Alain De­lon) kommt düs­ter und bit­ter­süß da­her, die Stü­cke aus Ser­gio Leo­nes „Es war ein­mal in Ame­ri­ka“sind me­lan­cho­lisch, trau­rig und in Ver­bin­dung mit den ge­zeig­ten Film­sze­nen bei­na­he un­er­träg­lich in­ten­siv. Auch für Re­gis­seur Qu­en­tin Ta­ran­ti­no hat Mor­ri­co­ne kom­po­niert. Büh­ne und Lein­wand schim­mern blut­rot, als die Me­lo­di­en aus „Djan­go Un­chai­ned“und „Ha­te­ful 8“er­klin­gen.

Doch der Name Mor­ri­co­ne wird vor al­lem mit Ita­lowes­tern und Ser­gio Leo­ne in Ver­bin­dung ge­bracht. So schrieb er Film­ge­schich­te. Die Ti­tel­me­lo­die aus „Zwei Glor­rei­che Ha­lun­ken” so­wie „The Ecs­ta­sy of Gold“wer­den mit Bra­vo­ru­fen be­lohnt. Und dann kommt end­lich. „Spiel mir das Lied vom Tod“– dra­ma­tisch, span­nungs­ge­la­den, be­täu­bend, ir­gend­wie bru­tal, aber doch ge­ni­al ein­fach. Das Orches­ter läuft zur Höchst­form auf – mit Mund­har­mo­ni­ka und Wes­tern­gi­tar­re. Der Abend vol­ler un­sterb­li­cher Kunst­wer­ke en­det mit ste­hen­den Ova­tio­nen und ei­nem Kopf­ki­no auf dem Heim­weg, bei dem der Mann mit der Mund­har­mo­ni­ka die Haupt­rol­le spielt. ★★★★★

En­nio Mor­ri­co­ne

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