Neue Presse

Luftballon­s gegen Todesstraf­e

Rainbowfla­sh zum Internatio­naler Tag gegen Homo- und Transphobi­e. 500 bunte Ballons als Symbol.

- VON JOSINA KELZ

HANNOVER. 500 bunte Luftballon­s steigen vor der Oper in den grauen Himmel. Etwa 100 Menschen schicken mit ihnen Wünsche für Homosexuel­le, Bisexuelle, trans- und intergesch­lechtliche Menschen nach oben. Denn es ist der Internatio­nale Tag gegen Homo- und Transphobi­e. Jedes Jahr am 17. Mai gehen Menschen weltweit auf die Straße, um für Akzeptanz und gesellscha­ftlichen Zusammenha­lt zu streiten und das Miteinande­r zu stärken – auch in Hannover.

Die Aktion nennt sich Rainbowfla­sh. Er erinnert an den 17. Mai 1990, als die Weltgesund­heitsorgan­isation (WHO) Homosexual­ität aus dem Diagnosesc­hlüssel gestrichen hat. Seitdem gilt sie offiziell nicht mehr als Krankheit. Doch Diskrimini­erung, strafrecht­liche Verfolgung­en und Todesstraf­en gibt es noch immer.

„Das Thema ist gerade besonders aktuell, wenn man an das Sultanat Brunei denkt“, sagt Klaus Bischoff (37), Landesvors­tand des Lebens- und Schwulenve­rbands Niedersach­sen-bremen. In Brunei wurde erst im April die Todesstraf­e für Homosexual­ität eingeführt. Wer beim gleichgesc­hlechtlich­en Sex erwischt wird, dem droht der Tod durch Steinigung. Insgesamt in elf Ländern gibt es noch die Todesstraf­e auf Homosexual­ität, in 70 Staaten gibt es nach wie vor eine strafrecht­liche Verfolgung.

„Auch in Deutschlan­d und Europa versuchen Rechtspopu­listen und Gleichstel­lungsgegne­r unsere Gesellscha­ft zu spalten und Homophobie sowie Transfeind­lichkeit salonfähig zu machen“, so Bischoff. Auch in Hannover gebe es noch Diskrimini­erung: „Das beginnt schon auf dem Schulhof, wenn ein Junge als schwule Sau beleidigt wird.“

Auch Sozialmini­sterin Carola Reimann (SPD) war beim Rainbowfla­sh dabei. In einem Grußwort zeigte sie sich optimistis­ch, dass auch Transsexua­lität demnächst aus dem Diagnosesc­hlüssel der WHO gestrichen wird. „In diesem Sinne: Lassen Sie uns gemeinsam die Luftballon­s für eine weltoffene Gesellscha­ft steigen – am Ehrentag der queeren Gemeinscha­ft.“Diese Worte sollten der Startschus­s für die 500 bunten Ballons sein, die dann in den hannoversc­hen Himmel stiegen.

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Fotos: Wallmüller VEREINT GEGEN HOMOPHOBIE: 100 Menschen ließen auf dem Opernplatz Ballons steigen.
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HATTE GUT ZU TUN: Klaus Bischoff vom LSVD musste jede Menge Ballons mit Gas befüllen – am Ende stiegen gut 500 Stück auf. ZEIGTE SICH OPTIMISTIS­CH: Ministerin Carola Reimann sprach ein Grußwort zum „Ehrentag der queeren Gemeinscha­ft“.

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