Bau­stel­len: Auf­stand im Be­zirks­rat

Rick­lin­gen und Wett­ber­gen kla­gen über Ver­kehrs­cha­os. Ob-ver­tre­te­rin Tegt­mey­er-det­te ent­schärft die Si­tua­ti­on.

Neue Presse - - Hannover - VON SI­MON POLREICH

HAN­NO­VER. Höh­ni­sche Bra­vo-ru­fe, sar­kas­ti­sches La­chen, iro­ni­scher Ap­plaus. Die Stim­mung im Müh­len­ber­ger Stadt­teil­zen­trum Wei­ße Ro­se ist ge­la­den. Et­wa 100 An­woh­ner aus Rick­lin­gen und Wett­ber­gen sind ge­kom­men, um end­lich Lö­sun­gen zu be­kom­men für das Bau­stel­len­wirr­warr, das den mor­gend­li­chen und abend­li­chen Ar­beits­weg in die Län­ge zieht. Auf­grund der für vie­le un­trag­ba­ren Si­tua­ti­on hat der Be­zirks­rat ei­gens ei­ne au­ßer­plan­mä­ßi­ge Sit­zung an­be­raumt. Doch be­reits kurz nach de­ren Be­ginn steht sie schon wie­der vor dem Aus.

„Wir ha­ben ein Pro­blem“, ver­kün­det Sit­zungs­lei­ter Micha­el Det­te. Da nur die Hälf­te der Orts­rats­mit­glie­der an­we­send ist, kann die Sit­zung wo­mög­lich gar nicht statt­fin­den. Als dies ein Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter mit Ver­weis auf die Ge­schäfts­ord­nung be­stä­tigt, schlägt die Stim­mung im Saal voll­ends um. „Un­ver­schämt­heit“und lau­te „Buh“-ru­fe sind zu hö­ren.

Denn nicht nur mit der Ver­kehrs­si­tua­ti­on im bau­stel­len­ge­plag­ten Süd­wes­ten der Stadt sind die rund 100 an­we­sen­den Bür­ger nicht ein­ver­stan­den. Auch von der Ver­wal­tung füh­len sie sich in ih­ren Nö­ten nicht ernst ge­nom­men. In der vo­ri­gen Be­zirks­rats­sit­zung wa­ren Ver­tre­ter des Bau­amts gar nicht erst er­schie­nen. Und das, ob­wohl sich in Wett­ber­gen und Rick­lin­gen be­reits ei­ne Bür­ger­initia­ti­ve ge­grün­det hat, Tau­sen­de Un­ter­schrif­ten ge­gen das Bau­stel­len­cha­os ge­sam­melt wur­den.

Am Don­ners­tag­abend woll­te man nun Ver­trau­en schaf­fen. Nicht nur Tief­bau­amts­lei­ter Andre­as Bo­de, son­dern auch Ob-ver­tre­te­rin Sa­bi­ne Tegt­mey­er-det­te (Grü­ne) hat­ten sich ex­tra nach Müh­len­berg auf­ge­macht. Und jetzt soll­te das al­les um­sonst sein? Die Men­ge koch­te.

Wäh­rend sich Ver­wal­tung und Po­li­tik recht rat­los an­sa­hen, griff die Ob-ver­tre­te­rin Tegt­mey­er-det­te kurz ent­schlos­sen zum Mi­kro­fon. „Ih­re Fra­gen kön­nen wir auch oh­ne or­dent­li­che Sit­zung be­ant­wor­ten“, sag­te sie un­ter Ap­plaus.

Und der Re­de­be­darf war groß. Vie­le An­woh­ner klag­ten ihr Leid. Denn nicht nur die Sper­rung des Aus­fall­tors „In der Reh­re“er­schwert das Rein­und Raus­kom­men aus dem Be­zirk. Zu­sätz­lich ver­schärf­ten die „Ver­pol­le­rung“des Be­reichs um den Grü­nen Ha­gen, die Üs­tra-bau­stel­le auf der Göt­tin­ger Chaus­see und die Bau­ar­bei­ten im Zu­ge der Orts­um­ge­hung Hemmingen die Si­tua­ti­on. Hin­zu kom­men Bau­stel­len am Land­wehr­krei­sel und auf der Süd­schnell­weg­brü­cke (Hil­des­hei­mer Stra­ße). Das Er­geb­nis: „Ab 6 Uhr mor­gens steht man im Stau“, sagt ein Wett­ber­ger. Nicht nur er wirft der Stadt pla­ne­ri­sches Ver­sa­gen vor.

Bei dem be­tont ru­hi­gen Tief­bau­amts­lei­ter Bo­de traf dies je­doch auf we­nig Mit­ge­fühl. Er ha­be ei­ne zeit­li­che Ver­zö­ge­rung für den Ver­kehr von le­dig­lich zehn bis fünf­zehn Mi­nu­ten fest­ge­stellt, äu­ßert er un­ter hef­ti­gem Wi­der­spruch von CDU-MANN Erdem Win­ni­cki. Zu­dem sei „die ein­zi­ge Bau­stel­le, die mit der Sper­rung In der Reh­re kol­li­diert, die Göt­tin­ger Chaus­see“, ließ er wis­sen.

Auch über die Ver­kehrs­be­ru­hi­gung im Grü­nen Ha­gen ge­hen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der. Von Au­to­ge­drän­ge wis­se Bo­de nichts. Nach Er­he­bun­gen sei dort nur Schleich­ver­kehr in „nicht nen­nens­wer­ter Zahl“vor­han­den.

Das se­hen nicht nur vie­le Wett­ber­ger an­ders, auch vie­le Be­zirks­rats­po­li­ti­ker ha­ben ih­re Mei­nung in­zwi­schen re­vi­diert und for­dern nun die Auf­he­bung der Sper­run­gen. Dem wol­le man sich gern fü­gen, so Bo­de. „Wenn der Be­zirks­rat dies in der nächs­ten Sit­zung be­schließt, wer­den wir das auch um­set­zen. Al­ler­dings ver­zich­ten wir dann end­gül­tig auf wei­te­re Maß­nah­men – auch wenn das krass klingt.“

Die Äu­ße­rung Bo­des kommt nicht von un­ge­fähr, denn vie­le di­rek­te An­woh­ner des „Grü­nen Ha­gens“kämp­fen wei­ter­hin für die Ver­kehrs­be­ru­hi­gung. Auch am Don­ners­tag un­ter­mau­er­ten dies ei­ni­ge Red­ner. „Vie­le von uns sind sehr, sehr zu­frie­den, wie es jetzt ist“, so ei­ne An­woh­ne­rin. Vor der Ver­pol­le­rung hät­ten Rad­fah­rer und Schul­kin­der un­ter dem Ver­kehr ge­lit­ten.

Vor der nächs­ten Be­zirks­rats­sit­zung am 7. No­vem­ber wol­len sich des­halb Ak­ti­vis­ten der Bür­ger­initia­ti­ve aus Wett­ber­gen mit An­lie­gern des Grü­nen Ha­gen um ei­nen al­ter­na­ti­ven Kom­pro­miss be­mü­hen. Auf ei­ne „krea­ti­ve Lö­sung“des Kon­flikts durch die Ver­wal­tung hat­ten sie am Don­ners­tag zu­min­dest ver­geb­lich ge­hofft.

Fo­to: Zim­mer

UN­ÜBER­SICHT­LI­CHE LA­GE: Auch an der Göt­tin­ger Chaus­see wird zur­zeit ge­baut – für vie­le An­woh­ner ist die Viel­zahl der Bau­stel­len ei­ne Zu­mu­tung.

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