„Sa­bi­ne“reißt Strand weg

Rie­si­ge Men­ge Sand auf Wan­ge­roo­ge weg. Wei­te­re Sturm­flu­ten er­war­tet. Au­to­bah­nen ge­sperrt.

Neue Presse - - Nachrichte­n -

HAN­NO­VER. Or­kan­ar­ti­ge Bö­en, Sturm, Re­gen, Ha­gel – al­les hat­te „Sa­bi­ne“da­bei Der hef­ti­ge Win­ter­sturm rich­te­te aber nach ei­ner ers­ten Bi­lanz in Nie­der­sach­sen we­ni­ger Schä­den als be­fürch­tet an. Wäh­rend sich der Ver­kehr auf Stra­ße und Schie­ne zu­nächst weit­ge­hend nor­ma­li­sier­te, stell­ten sich Küs­ten und In­seln auf Sturm­flu­ten ein.

Auf Wan­ge­roo­ge riss das auf­ge­peitsch­te Meer ein rie­si­ges Stück Strand mit. Die Ab­bruch­kan­te sei teil­wei­se bis zu zwei Me­ter hoch und er­stre­cke sich am Hauptstran­d über ei­ne Län­ge von et­wa ei­nem Ki­lo­me­ter, sag­te der Vi­ze-rats­vor­sit­zen­de der In­sel, Pe­ter Ku­chen­buchHan­ken (Grü­ne). Wan­ge­roo­ges Bür­ger­meis­ter Mar­cel Fang­ohr (par­tei­los) sag­te, der Schei­tel­punkt der Flut sei hö­her als vor­aus­be­rech­net ge­we­sen. „Wenn das drei Ta­ge so an­hält, dann wer­den wir viel­leicht nach­her gar kei­nen Strand mehr ha­ben.“

Auf Wan­ge­roo­ge hal­ten sich laut Fang­ohr der­zeit nur we­ni­ge Tou­ris­ten auf, die die In­sel auch oh­ne Fäh­ren ver­las­sen könn­ten. Wäh­rend vom Flug­platz Nord­deich we­gen ho­her Wind­ge­schwin­dig­kei­ten kei­ne Ma­schi­nen mehr nach Juist und Nor­der­ney star­te­ten, wur­de Wan­ge­roo­ge bis Mon­tag­nach­mit­tag bei­na­he stünd­lich an­ge­steu­ert.

Nach An­ga­ben des Nie­der­säch­si­schen Lan­des­be­triebs für Was­ser­wirt­schaft, Küs­ten- und Na­tur­schutz wer­den nach der leich­ten Sturm­flut am Mon­tag­mit­tag noch vier wei­te­re bis Mitt­woch er­war­tet. Da­nach wer­de man den Scha­den be­gut­ach­ten, so ein Spre­cher. Auch die Hä­fen be­rei­te­ten sich auf Über­flu­tun­gen vor. We­gen hef­ti­gen Bö­en an der El­be in Ham­burg gab es zwar Ver­kehrs­be­hin­de­run­gen, aber nur we­ni­ge grö­ße­re Sach­schä­den. Der Fluss stieg um kurz nach 17 Uhr auf 2,70 Me­ter über dem mitt­le­ren Hoch­was­ser, wie das Bun­des­amt für See­schiff­fahrt und Hy­dro­gra­phie mit­teil­te. Das Was­ser über­schwemm­te den Fisch­markt.

Der Fähr­ver­kehr von und zur In­sel Bor­kum wur­de ein­ge­stellt. In­su­la­ne­rin Eri­ka Ams­hoff muss­te bei ei­ner

Freun­din auf dem Fest­land über­nach­ten. „Wir sind das ge­wohnt. Wir sa­gen dann im­mer: So‘n biss­chen Wind.“Die 47-Jäh­ri­ge er­in­nert sich, wie ihr Va­ter einst im Sturm raus muss­te, um den Deich zu re­pa­rie­ren; da sei­en die Aus­wir­kun­gen von „Sa­bi­ne“harm­los. In­sel-leucht­turm­wär­ter Hans-jür­gen Clau­sing nennt Wind­stär­ken neun bis zehn wie am Vor­tag eben­falls harm­los: „Wir sind an­de­re Stür­me ge­wohnt.“

Bei den Fäh­ren wer­de es zu den nord­frie­si­schen

In­seln und Hal­li­gen we­gen der Hoch­was­ser­stän­de zu Fahr­plan­än­de­run­gen und Aus­fäl­len kom­men, teil­te die Wy­ker Dampf­schiffs-ree­de­rei mit. Auch der Sylt Shut­tle und der „Blaue Au­to­zug Sylt“wer­den bei ent­spre­chen­den Wind­ge­schwin­dig­kei­ten nicht mehr je­des Fahr­zeug trans­por­tie­ren.

Auf der Au­to­bahn 29 wur­de ein Lkw mit An­hän­ger durch den Wind auf der Brü­cke über den Fluss Hun­te um­ge­ris­sen. Das Fahr­zeug lag qu­er auf der Fahr­bahn, der Fah­rer wur­de laut Po­li­zei ver­letzt. Der Lkw ha­be dem Wind ei­ne zu gro­ße An­griffs­flä­che ge­bo­ten, so ein Spre­cher. We­gen Sturm­schä­den ge­sperrt war in der kom­plet­ten Nacht und am Mor­gen die zen­tra­le Nord-süd-ver­bin­dung, die Au­to­bahn A7 zwi­schen Hil­des­heim und dem Drei­eck Salz­git­ter. Mit­hil­fe von Ket­ten­sä­gen ent­fern­ten Stra­ßen­meis­ter ei­ni­ge um­ge­stürz­te Bäu­me. Die A1 und A39 muss­ten zur Räu­mung kurz­fris­tig ge­sperrt wer­den.

Viel zu tun hat­ten die Feu­er­wehr­leu­te und Po­li­zis­ten im Land. Ins­ge­samt gab es in Nie­der­sach­sen bis zum frü­hen Mon­tag­mor­gen rund 1000 Po­li­zei­ein­sät­ze. Um­ge­stürz­te Bäu­me führ­ten zu Dau­er­ein­sät­zen, vie­le Stra­ßen wa­ren blo­ckiert.

In Thü­rin­gen ist ein Mann vom Dach sei­nes Hau­ses ge­weht wor­den. Er sei schwer ver­letzt, sag­te ei­ne Spre­che­rin des Land­ra­t­am­tes des Ilm-krei­ses. Der Mann ha­be ver­sucht, das Dach zu si­chern.

Fo­tos:dpa

„SA­BI­NE“WÜ­TET: Ho­he Wel­len schla­gen an den Strand von Wan­ge­roo­ge (links). In Wil­helms­ha­ven wur­de ein Park­platz über­flu­tet, und die A7 bei Hil­des­heim (un­ten) muss­te von Bäu­men be­freit wer­den.

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