Sin­gen fürs Unesco-welt­er­be

Ei­ne wei­te­re Stär­kung für die Mu­sic-ci­ty Han­no­ver: Sy­nago­gal­chor setzt sich vor­bild­lich für Tra­di­ti­on ein

Neue Presse - - Kul­tur - VON HENNING QUE­REN

HAN­NO­VER. Ei­ne gro­ße Eh­re für den Sy­nago­gal­chor: Das was er macht, ge­hört ab so­fort zum im­ma­te­ri­el­len Kul­tur­er­be der Mensch­heit, die Unesco hat ihn aus­ge­zeich­net.

„Das ist für uns schon ei­ne un­glaub­li­che Aus­zeich­nung“, so Chor­ma­na­ger Ra­fa­el Har­ten. „Wir wa­ren schon im­mer von der be­son­de­re Pfle­ge der Tra­di­ti­on der syn­ago­ga­len Mu­sik über­zeugt.“Sie­ben Jah­re und drei im­mer mo­di­fi­zier­te An­trä­ge hat es ge­dau­ert, bis ei­nen die Deut­sche UnescoKom­mis­si­on an­nahm.

Die Eh­re ist nicht nur ei­ne Stär­kung der Mu­sic-ci­ty Han­no­ver, son­dern auch ei­ne be­son­de­re Her­vor­he­bung als Chor­stadt – ei­ne der ganz be­son­de­ren Stär­ken Han­no­vers. Denn nur hier war so et­was wie die­ses En­sem­ble mög­lich.

Seit sei­nen An­fän­gen im Jah­re 2004 wid­met sich der han­no­ver­sche Chor aus­schließ­lich jü­di­scher Mu­sik. Erst als „En­sem­ble für Sy­nago­ga­le Mu­sik“, dann als „Eu­ro­päi­scher Sy­nago­gal­chor“– im­mer ver­bun­den mit der Vil­la Se­lig­mann und dem Ch­or­grün­der An­dor Iz­sák. „Wir wer­den ihm im­mer dank­bar sein“, so Ra­fa­el Hart­mann. Ob­wohl das Ver­hält­nis mit dem Wech­sel an der Spit­ze der Vil­la Se­lig­mann ent­schei­dend ab­ge­kühlt ist. „Es wä­re schön, wenn man wie­der zu­ein­an­der fin­den könn­te.“Her­vor­ge­gan­gen ist der Sy­nago­gal­chor ur­sprüng­lich aus Mäd­chen- und Kn­a­ben­chor.

Bei Eliah Sa­ka­kus­hev von Bis­marck, dem neu­en Di­rek­tor der Vil­la Se­lig­mann, hofft Ra­fa­el Har­ten auf Un­ter­stüt­zung:

„Wir sind in Ge­sprä­chen, es gibt un­ser An­ge­bot, und nun muss man se­hen, wel­che Mög­lich­kei­ten sich für uns er­öff­nen.“

Und wie sieht es in Co­ro­na-zei­ten für die Chö­re aus? „Schwer, sehr schwer“, so Ra­fa­el Har­ten, man ha­be kei­ne Mög­lich­kei­ten zum Pro­ben. Auf­trit­te bis in den Ju­ni auch bei den Chor­ta­gen wur­den ge­can­celt.

Wo­bei es auch un­ter nor­ma­len Be­din­gun­gen nie ein­fach ist. Was an der Stär­ke der Chor­stadt Han­no­ver liegt, denn so gut wie al­le Mit­glie­der des Sy­nago­gal­cho­res sind auch in an­de­ren En­sem­bles ak­tiv – und de­ren Ter­mi­ne ge­hen in der Re­gel dann vor. „Es ist schon schwer, al­le Sän­ger und Sän­ge­rin­nen gleich­zei­tig zu be­kom­men.“

Han­no­vers Sy­nago­gal­chor steht nun im bun­des­wei­ten Ver­zeich­nis des Im­ma­te­ri­el­len Kul­tur­er­bes – mit dem et­was um­fas­sen­den Punkt: „Re­vi­ta­li­sie­rung syn­ago­ga­ler Chor­mu­sik des 19. und 20. Jahr­hun­derts Mit­te­lund Ost­eu­ro­pas” – als gu­tes Pra­xis­bei­spiel für die Er­hal­tung des Kul­tur­er­bes. Die syn­ago­ga­len Ge­sän­ge, die in den li­be­ra­len, meist mit Or­geln aus­ge­stat­te­ten Sy­nago­gen ent­stan­den, sind da­bei Haupt­an­lie­gen die­ses be­son­de­ren Cho­res.

Den Er­folg hat der han­no­ver­sche Chor zu­sam­men mit dem Leip­zi­ger Sy­nago­gal­chor – der die­se Tra­di­ti­on be­reits seit 1962 pflegt – er­reicht. Die Unesco-kom­mis­si­on lobt vor al­lem, dass der Chor die­se Mu­sik so au­then­tisch be­wahrt, die mit der Macht­er­grei­fung der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten und der dar­aus fol­gen­den Zerstörung der Sy­nago­gen und Ver­fol­gung der Ju­den ver­schwand.

Fo­to: Schus­ter

AUS­GE­ZEICH­NET: Der Sy­nago­gal­chor be­wahrt ein kul­tu­rel­les Welt­er­be der Mensch­heit.

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