BGH blinkt Rich­tung Ver­brau­cher­sei­te

Neue Presse - - Nachrichte­n - VON INKEN HÄGERMANN UND NI­CO ESCH

HAN­NO­VER/KARLS­RU­HE. Mehr als vier Jah­re ist es her, dass der Die­selskan­dal bei VW auf­ge­flo­gen ist. Am Di­ens­tag lan­de­te der ers­te Fall vor dem Bun­des­ge­richts­hof. Ein Ur­teil fäll­ten Deutsch­lands obers­te Rich­ter noch nicht – al­ler­dings schlu­gen sie sich in ei­ner ers­ten Ein­schät­zung recht deut­lich auf die Sei­te der Ver­brau­cher. Dem­nach dürf­te Volks­wa­gen scha­den­er­satz­pflich­tig sein, weil mit der ma­ni­pu­lier­ten Mo­tor­soft­ware bei Die­sel­fahr­zeu­gen ei­ne il­le­ga­le Tech­nik zum Ein­satz kam.

Nach Auf­fas­sung der Rich­ter dürf­te den Kun­den da­durch schon mit dem Kauf ein Scha­den ent­stan­den sein, den VW er­set­zen müss­te – al­ler­dings mit Ab­zug ei­ner Nut­zungs­ent­schä­di­gung für die Zeit, in der sie mit dem Wa­gen ge­fah­ren sind. Der 6. Zi­vil­se­nat des BGH hat­te am Di­ens­tag erst­mals über­haupt ei­ne so­ge­nann­te Die­sel­kla­ge ge­gen VW ver­han­delt. Mit der vor­läu­fi­gen Ein­schät­zung ma­chen die Rich­ter deut­lich, wie sie den Fall se­hen und wel­che Punk­te aus ih­rer Sicht re­le­vant sind. Ein Ur­teil wol­len sie erst zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt ver­kün­den.

Klä­ger in die­sem Fall ist Her­bert Gil­bert, der sich 2014 ei­nen ge­brauch­ten VW Sha­ran mit Die­sel­mo­tor für rund 31.500 Eu­ro kauf­te – un­ter an­de­rem, weil er dem ver­spre­chen des Kon­zerns glaub­te, dass es sich um sau­be­res, um­welt­freund­li­ches Au­to han­de­le, wie der Rent­ner sagt. Als er von der ma­ni­pu­lier­ten Mo­tor­soft­ware hör­te, klag­te er: Er woll­te den Kauf rück­ab­wi­ckeln. In der ers­ten In­stanz ver­lor er, in der zwei­ten In­stanz gab ihm das Ober­lan­des­ge­richt Ko­blenz recht: VW schul­de dem Käu­fer Scha­den­er­satz, der Kon­zern müs­se das

Fahr­zeug zu­rück­neh­men und 25.616,10 Eu­ro nebst Zin­sen zu­rück­zah­len. Das ist der Kauf­preis ab­züg­lich ei­ner Nut­zungs­ent­schä­di­gung. Der Kon­zern ha­be sich mit dem Ein­bau der il­le­ga­len Mo­tor­soft­ware sit­ten­wid­rig ver­hal­ten, Ver­brau­cher, Auf­sichts­be­hör­den und Wett­be­wer­ber sys­te­ma­tisch ge­täuscht.

Die Bgh-rich­ter for­mu­lier­ten es zwar zu­rück­hal­ten­der, schlos­sen sich der Be­wer­tung aber weit­ge­hend an. Aus ih­rer vor­läu­fi­gen Sicht dürf­te schon durch den un­ge­woll­ten Ver­trags­schluss – al­so den Kauf oh­ne Kennt­nis der Ab­gastrick­se­rei – ein Scha­den ent­stan­den sein. VW schloss sich dem nicht an: Das Fahr­zeug sei zu je­der Zeit voll nutz­bar ge­we­sen. So­mit sei auch kein Scha­den ent­stan­den, der nun er­setzt wer­den müss­te.

Ein Bgh-ur­teil hat Aus­wir­kun­gen auf al­le noch an­hän­gi­gen Fäl­le zum Die­selskan­dal, rund 70.000 Ein­zel­ver­fah­ren sind noch nicht ent­schie­den. „Das sind su­per Vor­zei­chen für Ver­brau­cher“, sag­te Jan-ei­ke And­re­sen, Mit­grün­der der Rechts­platt­form Myright.

Fo­to: dpa

ZU­VER­SICHT­LICH: Klä­ger Her­bert Gil­bert dürf­te nach der Ein­schät­zung des BGH den Kauf­preis für sei­nen VW Sha­ran zu­rück­be­kom­men.

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