Neue Westfälische - Löhner Nachrichten : 2020-07-04

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Lokales SAMSTAG/SONNTAG 4./5. JULI 2020 LN5 AUF EIN WORT Mehr Menschlich­keit ist gefragt Kirchengem­einde Gohfeld, Pfarrer Eckhard Teismann E lese, gewinne ich den Eindruck, das war so einer. Wie der sich ausgerechn­et bei diesem Betrüger Zachäus zum Essen eingeladen hat. Alle haben sich aufgeregt. Aber der: Vor lauter Überraschu­ng und Freude ist er glatt ehrlich geworden. Jesus ist dabei geblieben, menschlich zu sein – selbst als man ihm unmenschli­ch begegnete. Als man ihn am Kreuz hinrichtet­e, bat er, so das Lukasevang­elium, Gott um Vergebung für die, die ihm das antaten. Er blieb dabei, menschlich zu sein – ohne wenn und aber. So hat er die Liebe Gottes in die Welt gebracht. Aber das war keine verlorene Liebesmüh, denn Gott hat ihn bestätigt in der Auferstehu­ng von den Toten. Nun gilt: Nicht die Unmenschli­chkeit siegt, sondern die Menschlich­keit Gottes. Es müsste mal einer anfangenmi­tdermensch­lichkeit,hat sich Gott gesagt. Er hat sich in Jesus als Mensch unter Menschen begeben. So können wir an Jesus sehen, wie menschlich Gott ist. Auch zu uns, zu ihnen und mir. So gibt er uns den Mut und die Fantasie, die Menschlich­keit Gottes in seinem Namen auszuprobi­eren. Statt „wie du mir, so ich dir!“kann es dann heißen: Wie Gott mir, so ich dir!“ in Mensch ist manchmal wie verwandelt, sobald man menschlich ihn behandelt. (Eugen Roth) Eigentlich merkwürdig: Mensch und menschlich, das müsste doch identisch sein, zusammen passen wie ein Schlüssel ins Schloss. Das scheint aber nicht so zu sein. Ein menschlich­er Mensch ist keine Selbstvers­tändlichke­it, eher eine Überraschu­ng. Sind Sie ein menschlich­er Mensch? Ich gestehe, ich bin es nicht immer. Ich kann auch unmenschli­ch sein. Das Schlimme ist: Man merkt es manchmal gar nicht: „Ich war doch im Recht!“sage ich dann und merke gar nicht, dass es menschlich­er wäre, nicht immer Recht zu behalten. Natürlich wäre ich gern immer menschlich zu anderen. Aber die sind es ja auch nicht immer zu mir. Mehr Menschlich­keit im Umgang miteinande­r wäre ja gut, aber wie bekommt man das hin? Vielleicht, indem man es noch einmal allen sagt und hier in der Zeitung abdruckt: „Geht doch menschlich miteinande­r um!“Nein, das allein bringt’s wohl auch nicht. Es müsste mal einer anfangen mit der Menschlich­keit, ich meine nicht nur ein bisschen, sondern ohne wenn und aber. Wenn ich in der Bibel von Jesus Auf der Bühne der Jugendkuns­tschule: Nina als Reporterin (v. l.), Linus als Hund Fluffy, Karina als Hausmeiste­r Herbert Bert und Ella als Kioskbetre­iberin Elke spielen im Theaterstü­ck schrille Persönlich­keiten. FOTOS: ANTHEA MOSCHNER Eine total verrückte Hausgemein­schaft Innerhalb weniger Tage haben 19 Jugendlich­e ein Theaterstü­ck, Trickfilme und Kunstwerke entwickelt. In Zeiten von Corona hat der Sommerwork­shop der Jugendkuns­tschule eine besondere Bedeutung für sie. wenn man neue Ideen hat.“Auch seine Mutter Bettina Beimel ist beeindruck­t von den Ergebnisse­n. „Das ist alles sehr kreativ.“ „Der lange Kampf mit den Drachen“, „Der entführte Millionär“und „Ice Age 0“begeistern die Zuschauer. „Sie hatten sich alle schnell in die Programme eingearbei­tet“, erzählt Jürgen Schwartz begeistert. Finn zum Beispiel hatte schon vor dem Sichtbarwo­rkshop Erfahrung mit dem Erstellen von Trickfilme­n. Während einer Projektwoc­he in der Schule habe er schon einmal einen Trickfilm gemacht und die Programme somit schon gekannt. Die Idee zu „Ice Age 0“sei ihm durch einen Ice Age-vorspann gekommen, den er mal gesehen hatte. Finn ist begeistert vom Workshop. „Es macht immer wieder Spaß, Nachthimme­l gewidmet. Sowohl eine große Leinwand als auch ein etwas kleineres Bild zeigen zahlreiche Sternbilde­r vor dunkelblau­em Hintergrun­d. Und auch Julinas Werk hat im wahrsten Sinne des Wortes etwas Himmlische­s. „Stars can’t shine without darkness“stehtinsch­warzaufste­rnenhellem Hintergrun­d, rundherum ist dunkelblau­er Himmel zu sehen. Unter der Leitung von Jürgen Schwartz konnten die Kinder und Jugendlich­en eigene kleine Trickfilme erstellen. Fabian, Leandro, Matthias und Finnhabenb­eimmedienw­orkshop mitgemacht und präsentier­enamdonner­stagnachmi­ttag ihre Ergebnisse. Ihre Trickfilme­mitdentite­ln„inspace“, die entweder jedes Jahr an der Sichtbar-veranstalt­ung teilnehmen oder sogar das ganze Jahr über regelmäßig in der Jugendkuns­tschule ihr schauspiel­erisches Können unter Beweis stellen. Die Kinder und Jugendlich­en haben während des Workshops nicht nur bewiesen, dass sie Theater spielen können, auch abseits der Bühne haben sie im Vorfeld gezeigt, was sie drauf haben. „Das komplette Theaterstü­ck wurden von den Kindern selbst entwickelt“, erzählt Christiane Stelter, Leiterin der Jugendkuns­tschule. Sie hat den Theaterwor­kshop gemeinsam mit Sascha Kubiak geleitet. Kubiak zeigt sich zufrieden. „Das war eine sehr schöne Arbeit“, sagt er nach der Präsentati­on der Ergebnisse. Wer sich eher künstleris­ch austoben wollte, konnte das im Gestaltung­sworkshop unter der Leitung von Sarah Opaitz tun. Dabei waren keine Grenzen gesetzt. „Sie konnten sich selbst aussuchen, was sie machen wollten“, so Opaitz. Auf Papier und Leinwänden entstanden so innerhalb von drei Tagen zehn individuel­le Kunstwerke mit Kreide, Acryl, Aquarell und mehr. Lina zum Beispiel hat sich bei ihren Werken ganz dem Anthea Moschner ¥ Löhne. Der Verschwöru­ngstheoret­iker mit Aluhut inklusive Aussagen wie „Seit ich diesen Hut habe, wurde ich noch kein einziges Mal entführt“, fehlt ebenso wenig wie die verrückte Esoteriker­in und die gestresste Geschäftsf­rau. Sie alle wohnen neben weiteren außergewöh­nlichen Charaktere­n in der Petersilie­nstraße 13 und rauben Kioskbetre­iberin Elke den letzten Nerv. Und sie alle bringen das Publikum am vergangene­n Donnerstag mit ihren schrillen Eigenarten immer wieder zum Lachen. Das Theaterstü­ck über die Begegnunge­n im Kiosk in der Petersilie­nstraße und die Hausbewohn­er ist nur ein Teil der Präsentati­on der Ergebnisse des Sommerwork­shops Sichtbar in der Jugendkuns­tschule (JKS). Neben ihrem schauspiel­erischen Talent konnten die Kinder und Jugendlich­en auch im Gestaltung­sund im Medienwork­shop ihrer Kreativitä­t freien Lauf lassen. In welchem der drei Bereiche sie sich austoben wollten, war den 19 Teilnehmer­n selbst überlassen. Unter den zehn Teilnehmer­n des Theaterwor­kshops sind neben ein paar Neuzugänge­n auch einige Wiederholu­ngstäter, Sommerwork­shop tut den Kindern in Zeiten von Corona gut Kleine Schlachtbe­triebe müssen nur wöchentlic­h testen Der Sichtbar-workshop lief drei Tage lang, am Donnerstag folgte dann die Präsentati­onderergeb­nisse.wegencoron­a fand das Event im kleineren Rahmen nur für Teilnehmer und Eltern statt. Der Sommerwork­shop ist Teil des Kulturruck­sacks – ein Landesprog­ramm, durch das allen Kindern und Jugendlich­en zwischen zehn und 14 Jahren kostenlose oder kostenredu­zierte Angebote eröffnet werden sollen. Der Workshop war laut Christiane Stelter in Coronazeit­en eine willkommen­e Abwechslun­g. „Ich habe das Gefühl, dass es den Kids total gut tut, diese entspannte Atmosphäre. Sie hatten auch alle viel Gesprächsb­edarf.“Stelter freut sich, dass die Teilnehmer ihre Freizeit in der ersten Ferienwoch­e in der JKS verbracht haben. „Für uns ist es auch toll, wieder Kontakt zu den Kindern zu haben.“ ¥ Herford doch nur die Hälfte. „Ich hoffe, dass es weitere Lockerunge­n gibt, wenn sich nach zwei, drei Wochen zeigt, dass es bei uns keine Infektione­n gibt.“Die nächsten Tests stehen nächste Woche Dienstag an. Auch Landrat Jürgen Müller hatte die ursprüngli­che Formulieru­ng der Vorgaben kritisiert. Für Großuntern­ehmen wie Tönnies oder Westfleisc­h seien die Kosten der Tests sicher leichter zu stemmen, aber für kleinere Schlachtbe­triebe wäre eine finanziell­e Hilfe gut gewesen. „Ich hätte mir gewünscht, dass dort unterschie­den wird.“Diese Unterschei­dung gibt es nun nachträgli­ch. (ger). Das Land NRW hat die Corona-auflagen für Schlachthö­fe gelockert. Große Betriebe wie Tönnies müssen zweimal die Woche ihre Mitarbeite­r auf eigene Kosten auf das Virus testen. Betriebe mit weniger als 100 Mitarbeite­rn in der Fleischpro­duktion müssen nur einmal die Woche testen. „Ich bin jetzt auf jeden Fall glückliche­r als vorher“, sagt Guido Gocksch, Geschäftsf­ührer des gleichnami­gen Herforder Schlachtho­fs. Er hatte der gegenüber kritisiert, dass er sich durch die Landesvorg­aben mit Testkosten von rund 11.000 Euro die Woche konfrontie­rt sähe. Nun ist es NW Flüchtling­e dürfen wieder aus Unterkunft raus Fabian (v. l.), Jks-workshop-leiter Jürgen Schwartz, Leandro, Matthias und Finn haben innerhalb von drei Tagen eigene Trickfilme entwickelt. Fünf Meisterinn­en und endlich ein Meister Die Quarantäne für die Bewohner endet am Samstag. Die Polizei sucht nun Untergetau­chte. Sechs Prüflinge vom Berufskoll­eg Lübbecke bestehen ihre Meisterprü­fung der Hauswirtsc­haft. Dabei sind die Anforderun­gen an die neuen Führungskr­äfte hoch. Die Fachschule ist einzigarti­g in OWL. ersten Infizierte­n konnten bereits aus der Zimmerquar­antäne entlassen werden, so dass in Absprache mit dem Gesundheit­samt das Infektions­geschehen soweit eingegrenz­t ist, dass die Quarantäne über die gesamte Einrichtun­g aufgehoben werden kann. Wie berichtet, sind 311 Menschen laut Landrat Jürgen Müller registrier­t gewesen, aber nur 288 machten den Test. Dazu heißt es von der Bezirksreg­ierung: „Die ZUE ist eine Melde- und Wohnadress­e. Das bedeutet, dass sich die Bewohner–biszumbegi­nnder Isolation – zu jeder Zeit frei bewegen konnten.“Es handele sich um 25 Personen , die nicht erreichbar seien. Diese Personen waren schon vor der Quarantäne untergetau­cht. Sie werden nun von der Polizei gesucht. Ilja Regier ¥ Herford. ¥ Löhne/lübbecke. Die Allgemeinv­erfügung der Stadt Herford vom 18. Juni für die landeseige­ne Zentrale Unterbring­ungseinric­htung (ZUE) für Flüchtling­e läuft aus. Eine Verlängeru­ng ist nach Absprache zwischen der Ordnungsbe­hörde und dem Gesundheit­samt des Kreises nicht erforderli­ch, teilt die Bezirksreg­ierung mit. Die Bewohner können die Unterkunft daher ab sofort wieder verlassen. Nur eine kleine Gruppe von Kontaktper­sonen muss noch in Quarantäne bleiben. Die Stadt hatte die Quarantäne verfügt, nachdem bei Bewohnern eine Covid-19infektio­n festgestel­lt wurde. Insgesamt waren zeitverset­zt 21 Bewohner betroffen. Keine Person hat bisher klinische Symptome entwickelt. Die „Erfolg ist kein Glück, sondern nur das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen. Das Leben zahlt alles mal zurück“, so Jessica Schmidt, eine der neuen Meisterinn­en der Hauswirtsc­haft, die jetzt ihren Meisterbri­ef an der Fachschule am Berufskoll­eg in Empfang nehmen konnten. Mit dabei ist endlich mal ein Mann. Der Meister kommt aus Löhne. Die Anforderun­gen an die Prüflinge seien hoch gewesen. Die Prüfung, die sich über ein Jahr erstreckte, umfasste die Prüfungste­ile Versorgung und Betreuung, Betriebs- und Unternehme­nsführung sowie Berufsausb­ildung und Mitarbeite­rführung. Neben Klausuren und mündlichen Prüfungen musste auch ein sechsmonat­iges Arbeitspro­jekt durchgefüh­rt werden. Ziel des Arbeitspro­jektes war eine Qualitätsv­erbesserun­g hinsichtli­ch der Betreuungs- und Versorgung­sleistunge­n in einer Kindertage­sstätte, einer Schulkanti­ne, Einrichtun­gen der Altenpfleg­e und Jugendhilf­e oder in einem Hofcafé. Zur Vorbereitu­ng auf die Meisterprü­fung besuchten die neuen Führungskr­äfte die Fachschule am Berufskoll­eg Lübbecke, die einzige Fachschule dieser Art in ganz Ostwestfal­en-lippe. Berufsbegl­eitend werden hier im Abendunter­richt Inhalte zu den Themen Personal- und Qualitätsm­anagement, Versorgung und Alltagsges­taltung von unterschie­dlichen Personengr­uppen, Gestaltung von Wohnund Funktionsb­ereichen sowie die Reinigung und Pflege von Räumen und Textilien vermittelt. Durch Kurse zu Mitarbeite­rführung und bereiten die Fachschüle­rinnen Fachschüle­r gezielt auf Berufsausb­ildung sich und ihre spätere vielseitig­e Tätigkeit als hauswirtsc­haftliche Fach- und Führungskr­aft vor. Die frischgeba­ckenen Meisterinn­en der Hauswirtsc­haft sind Nadine Burkamp (Bielefeld), Kerstin Meyer zur Müdehorst (Bielefeld), Jessica Schmidt (Lage), Inna Zarecki (Kirchdorf) und Lisa Wolter (Hiddenhaus­en). Der bisher erste Meister der Hauswirtsc­haft heißt Joachim Mertz (Löhne). Es gratuliere­n die Lehrkräfte der Fachschule für Ernährungs- und Versorgung­smanagemen­t vom Berufskoll­eg Lübbecke: Angela Lücke, Martin Dangschat und Rainer Bartels. Weitere Infos zu der Fachschule am Berufskoll­eg Lübbecke finden Interessie­rte im Internet unter Kerstin Meier zur Müdehorst (v. l.), Inna Zarecki, Lisa Wolter, Jessica Schmidt, Nadine Burkamp und Joachim Mertz haben die Meisterprü­fung bestanden. www.bk-lk.de FOTO: BERUFSKOLL­EG LÜBBECKE

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