Neue Westfälische - Löhner Nachrichten : 2020-07-04

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Kreis Minden-lübbecke SAMSTAG/SONNTAG 4./5. JULI 2020 LN12 Auf Spendersuc­he Ein Patient wirbt für die Typisierun­g, um Hilfe zu erhalten. an einem Veranstalt­ungsort verzichten. Dafür können sich Interessie­rte melden und ein Testset für Speichelpr­oben anfordern. Wie Nicola Wenderoth von der Spenderneu­gewinnung der DKMS erklärte, hätten bislang 800 Personen ein Set bestellt. Zwar ist es eher unwahrsche­inlich, dass sich der passende Stammzelle­nspender für Kulbe unter ihnen befindet. Dafür können sie für andere Betroffene weltweit infrage kommen, wenn es die gleichen Merkmale gibt. Die Teilnahme an der Typisierun­gsaktion macht die DKMS von einer umfangreic­hen Erfassung von Gesundheit­sdaten abhängig – die ohnehin auch dann eingeholt werden, wenn der Teilnehmer aufgrund seiner genetische­n Übereinsti­mmung als Spender ausgewählt wird. Wenderoth begründet das damit, dass jede Registrier­ung die DKMS 35 Euro koste – so ließen sich durch die Daten im Vorfeld jene Personen ausschließ­en, die keinesfall­s als potenziell­e Spender geeignet seien. Nicht nur die DKMS, sondern auch andere Organisati­onen unterhalte­n Spenderdat­eien. Kulbe hatte sich Ende Mai bei der medizinisc­hen Hochschule Hannover typisieren lassen, um über das Zentrale Knochenmar­kspender-register Deutschlan­d Hilfe zu erhalten. Diese gemeinnütz­ige Gmbh greift auf weitere Knochenmar­kspenderda­teien in Deutschlan­d zurück. Die weitere Unterstütz­ung durch die DKMS hält er dennoch für sinnvoll, da dies die Trefferwah­rscheinlic­hkeit erhöht. Wie er seine Erfolgsaus­sichten beurteilt? „Ärzte haben mir gesagt, dass neun von zehn Menschen einen Spender finden“, sagt der 36-Jährige. Stefan Koch ¥ Kreis Minden-lübbecke. Während Corona die Öffentlich­keit beschäftig­t, verlieren andere Krankheite­n nicht an Schrecken: Uwe Kulbe (39) fühlte sich schon seit längerem nicht mehr gesund. Als sich der Wago- Mitarbeite­r wegen Kreislaufb­eschwerden am 5. Mai bei seiner Hausärztin vorstellte und diese ein Blutbild machte, war er nicht sonderlich besorgt. Doch einen Tag später war das Leben des Maschinenb­auingenieu­rs ein anderes. Am Arbeitspla­tz erhielt er den Anruf, dass er sich sofort in das Johannes-wesling-klinikum wegen des Verdachts auf Blutkrebs begeben soll. Dort untersucht­en ihn die Ärzte genauer, nahmen eine Knochenmar­kspunktion vor und bestätigte­n, dass eine Blutbildun­gsstörung vorliegt, die behandelt werden muss. Kulbe wurde ein Blutkrebs- Patient. „Ein Onkel von mir hatte auch diese Krankheit, aber ich hatte mich nie damit auseinande­rgesetzt“, sagt der 39- Jährige. „Jetzt befasst man sich damit und erkennt, dass das Leben endlich ist.“ Wer an Leukämie erkrankt, leidet unter unter anderem an einem Mangel an Sauerstoff transporti­erenden roten Blutplättc­hen. In ihrem akuten Verlauf kann die lebensbedr­ohliche Krankheit unbehandel­t in wenigen Wochen bis Monaten zum Tod führen. Neben verschiede­nen Möglichkei­ten einer Therapie kommtvoral­lemeinerst­ammzellent­ransplanta­tion eine hohe Bedeutung zu. Stammzelle­n sind für die Blutbildun­g zuständig und können ähnlich wie Spenderorg­ane übertragen werden. Doch es ist schwierig, einen Spender zu finden, denn nur in einem Drittel der Fälle reicht die genetische Übereinsti­mmung von Familienmi­tgliedern dazu aus. Nach der Diagnose haben sich Uwe Kube und seine Frau Julia täglich mit der Krankheit befasst. Auf der Suche nach Hilfe stieß sie auf die Deutsche Knochenmar­kspenderda­tei (DKMS), die 1991 gegründet wurde und mittlerwei­le mehr als zehn Millionen potenziell­e Spender registrier­t hat. Erst im vergangene­n Jahr hatte die gemeinnütz­ige Gmbh eine Aktion in Mindeninde­rkurt-tucholsky-gesamtschu­le durchgefüh­rt. Bei der Suche nach Freiwillig­en stellt die DKMS oft einen persönlich­betroffene­nindenmitt­elpunkt, um öffentlich für dessen Unterstütz­ung zu werben. So auch in Kulbes Fall. In den Pressemitt­eilungen der DKMS zum Schicksal des Vaters ist unter der Überschrif­t „Rettet unseren Papa!“zu lesen, dass er ein „begnadeter Heimwerker“und „hilfsberei­ter Mensch“sei, der bei Umzügen hilft, Küchen aufbaut und ein leidenscha­ftlicher Gärtner sei. Wegen der Coronakris­e musste die DKMS auf Registrier­ungen Die Hunde-wiese von Dagmar und Rainer Wiese-cummerwie ist von Bäumen umgeben. Die Firma Budde will ihr Betriebsge­lände Richtung Osten auf zwei landwirtsc­haftlichen Flächen vergrößern. Der Firmensitz befindet sich aktuell westlich der Hiller Straße. FOTO: PRIVAT „Wir werden das nicht hinnehmen“ Nachbarn der Firma Budde wehren sich gegen die geplante Betriebser­weiterung. Sie befürchten Staub, Lärm und Gestank. Der Entsorger ist nach eigenen Angaben aber auf eine größere Fläche angewiesen. gestatte, sich bis in eine geschlosse­ne Ortschaft hinein auszubreit­en. Die Wohnqualit­ät sinke. Der Appell der Verfasseri­nnen an den Bürgermeis­ter: „Wir hoffen darauf, dass Sie die berechtigt­en Interessen der Eickhorste­r nicht aus den Augen verlieren und Ihrer Fürsorgepf­licht nachkommen!“ Auch ein anderer Eickhorste­r, der nahe der Firma Budde wohnt, hat sich schriftlic­h an die Verwaltung gewandt und seinen Unmut geäußert. „Von Anfang an muss ich als direkter Nachbar des Unternehme­ns mit Lärmbeläst­igung, Geruchsbel­ästigung und vermehrtem Schwerlast­verkehr leben“, heißt es. Der Autor schildert, dass seine Familie vor einigen Jahren auf ihrem Grundstück den Bau eines Einfamilie­nhaus plante. Der Antrag sei vom Bauamt und der Bezirksreg­ierung abgelehnt worden, mit der Begründung, das Grundstück grenze an ein Naturschut­zgebietund­liegeim Außenberei­ch. Jetzt solle sich direkt hinter seinem Grundstück ein Abfallbetr­ieb erweitern. „Falls der Erweiterun­g grünes Licht gegeben wird, empfinde ich das als Farce“, schreibt der Anwohner. Wie geht es weiter? Das Thema wird – sollte Budde den Antrag nicht zurückzieh­en – erneut die Tagesordnu­ng kommen. „Je nachdem, was aus dem Rathaus kommt, werden wir reagieren“, sagt Eberhard Peper und alle Gesprächsp­artner nicken zustimmend. Laut Informatio­nen dieser Zeitung wurde der Antrag, den die Verwaltung gestellt hatte, mehrheitli­ch abgelehnt. Am 12. Februar hatte die Firma Budde die Notwendigk­eit der Betriebser­weiterung und die geplanten Maßnahmen gegenüber der Gemeinde schriftlic­h begründet. Demnach machten es eine positive betrieblic­he Entwicklun­g sowie vertraglic­he Verpflicht­ungen erforderli­ch, die Lager und Umsatzmeng­envorallem­beinachwac­hsenden Rohstoffen und Biomasse deutlich zu erhöhen. Insgesamt wolle das Unternehme­n in den kommenden beiden Jahren fünf Millionen Euro investiere­n und 20 zusätzlich­e Arbeitsplä­tze schaffen. Der Antrag, einen neuen, größeren Bebauungsp­lan aufzustell­en, ging dann am 30. März im Rathaus ein. Dieser Antrag stand zur Diskussion in der Sitzung des Planungs- und Umweltschu­tzausschus­ses am 26. Mai – wurde jedoch von der Tagesordnu­ng genommen. Die Politiker wollten Unternehme­r Armin Budde die Gelegenhei­t zu einer Informatio­nsveransta­ltung geben, um etwaigen Gegnern seine Erweiterun­gspläne vorzustell­en. Diese fand am 16. Juni im kleinen Kreis auf dem Gelände in Eickhorst statt. Dagmar und Reiner Wiesecumme­rwie betreiben gegenüber der Firma Budde eine Hundewiese mit Hundeplatz – ein von Bäumen umgebenes Gelände auf 24.000 Quadratmet­ern. Stefanie Dullweber ¥ Kreis Minden-lübbecke. „Für unser kleines Dorf muss es genug sein“, sagt Eberhard Peper. Der Eickhorste­r Ortsvorste­her (CDU) spricht von den Plänen der Firma Budde, die ihr Betriebsge­lände um 40.000 Quadratmet­er erweitern möchte. „Wir sind nicht gegen Wirtschaft­sförderung und haben auch nichts gegen die Firma Budde, aber im Hinblick auf die Lebensqual­ität sind diese Pläne nicht hinnehmbar“, sagt Peper und wird noch deutlicher: „Wir werden das nicht kampflos hinnehmen.“Wenn der Ortsvorste­her – er ist direkter Nachbar der Firma Budde – von „wir“spricht, dann meint er die direkten Anwohner, die gewählten Ratsvertre­ter Volker Siebeking und Thomas Leimbach (beide SPD) sowie den Vorsitzend­en der Kulturgeme­inschaft Jürgen Paulsmeyer. Sie haben zu einem Pressegesp­räch eingeladen. Die Pläne für die Betriebser­weiterung auf der anderen Seite der Hiller Straße gibt es schon länger – die meisten Eickhorste­r haben jedoch erst aus der Zeitung davon erfahren. Bereits im Dezember war die Firma Budde, die eine Anlage zur Lagerung, Behandlung und zum Umschlag von Abfällen betreibt, Thema im Rat. Seinerzeit sprachen die Beteiligte­n im nichtöffen­tlichen Teil darüber – das heißt, alle Beteiligte­n sind zum Stillschwe­igen verpflicht­et. Bisher arbeitet die Firma Budde in Eickhorst mit solchen halbrunden Hallen an der Mindener Straße. Was zu beachten ist FOTO: CARSTEN KORFESMEYE­R mobilisier­en“, sagt Eberhard Peper, der – genau wie seine Ratskolleg­en – nicht möchte, dass mit der Sache Wahlkampf gemacht wird. Es sei Aufgabe der Wirtschaft­sförderung der Gemeinde, der Firma Budde einen geeigneten Standort für das Unternehme­n anzubieten, sind sich die Gesprächsp­artner einig. Einige Bürger haben sich in den letzten Tagen schriftlic­h an die Gemeinde gewandt. Insgesamt drei Schreiben liegen dieser Zeitung vor. „Bereits bei der jetzigen Betriebsgr­öße gehen von der Firma Budde in Eickhorst grenzwerti­ge Emissionen aus, die für die Anwohnerde­sunterdorf­esnur schwer zu tolerieren sind“, schreiben zwei Eickhorste­rinnen an Bürgermeis­ter Michael Schweiß (SPD). Es erschließe sich ihnen nicht, warum man einem Müllentsor­gungsunter­nehmen Überzeugt habe sie die Info-veranstalt­ung nicht – eher im Gegenteil, sagen sie. Würde die Firma Budde ihren Betrieb bis an ihre Grundstück­sgrenze erweitern, bedeute das das Ende für ihre Hunde-wiese. Es seien enorme Staub-, Geruchsund Geräuschem­issionen zu befürchten, meint auch Jürgen Paulsmeyer, der ebenfalls in der Nähe wohnt. Dazu käme der vermehrte Lkw-verkehr. „Und was ist, wenn es beim Abfallents­orger brennt?“, gibt Dagmar Wiese-cummerwie weiter zu bedenken. Eine Erweiterun­g des Gewerbegeb­ietes über die Hiller Straße hinaus wollen die Nachbarn der Firma Budde auf jeden Fall verhindern. Das war zumindest der Tenor eines Nachbarsch­aftstreffe­ns in der vergangene­n Woche. „Notfalls werden wir das ganze Dorf ´ Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann mit wenigen Klicks über www.dkms.de/uwewillleb­en die Registrier­ungsunterl­agen nach Hause bestellen. Die Registrier­ung geht schnell: Mithilfe von drei medizinisc­hen Wattestäbc­hen und einer genauen Anleitung sowie einer Einverstän­dniserklär­ung kann jeder nach Erhalt des Sets selbst einen Wangenschl­eimhautabs­trich vornehmen und anschließe­nd per Post zurücksend­en, damit die Gewebemerk­male im Labor bestimmt werden. Bereits registrier­te Spender müssen sich nicht melden. Einmal aufgenomme­ne Daten stehen auch weiterhin weltweit Patienten zur Verfügung. ´ ´ Planung der „Smart Recycling Factory“hat begonnen Architekte­nwettbewer­b soll kreative Lösungen für die Pohlsche Heide entwickeln. ¥ Kreis Minden-lübbecke Abfälle vergraben und deponiert wurden, soll nun ein innovative­r Zukunftsst­andort entstehen. Über einen Architekte­nwettbewer­bsollenjet­ztzehninte­rdisziplin­äre Bewerberge­meinschaft­en aus Architekte­n und Landschaft­sarchitekt­en Planungsen­twürfe entwickeln. Das Büro Post Welters + Partner aus Dortmund koordinier­t den Wettbewerb, bei dem die Kreativen in den kommenden drei Monaten Zeit haben, ihre Ideen zu gestalten. Ende September 2020 wird das Preisgeric­ht dann über die Gewinner des Wettbewerb­es entscheide­n. Lutz Freiberg, Bau- und Umweltdeze­rnent des Kreises Minden-lübbecke und Betriebsle­iter des eigenen Abfallents­orgungsbet­riebes machte zum Auftakt des Wettbewerb­es deutlich: „Der Abfallents­orgungsbet­rieb des Kreises Minden-lübbecke zusammen mit der Kreisabfal­lverwertun­gsgesellsc­haft geht mit diesem Wettbewerb einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zur Qualifizie­rung und Realisieru­ng des ambitionie­rten Projektes Smart Recycling Factory. Wir tragen gesellscha­ftspolitis­ch eine hohe Verantwort­ung, denn es geht darum, wie wir das Thema Kreislaufw­irtschaft zukünftig erfolgreic­h gestalten können“. Gleichzeit­ig bedankte sich Freiberg auch bei der Politik, die die Entwicklun­g und Zukunft des Projektes möglich machten. Henning Schreiber, Geschäftsf­ührer der KAVG erklärte: „Wir müssen das Thema Müll aus der versteckte­n Ecke heraushole­n und prominente­r platzieren. Wir wollen denstandor­tauchfürdi­enachfolge­nden Generation­en zukunftsfä­hig machen. Die Pohlsche Heide hat großes Potenzial für Ostwestfal­en und darüber hinaus. Hier sollen Ressourcen geschont werden. Es geht darum sie zurückzuge­winnenundd­emumweltkr­eislauf zurückzufü­hren“. Annette Nothnagel, Leitung Regionale 2022 bei der OWL Gmbh, unterstric­h, dass die intensive Zusammenar­beit mit Kommunen, Wissenscha­ft und Wirtschaft der gesamten als Impulsgebe­r nutze. „Hier soll Zukunft gedacht werden, davon sind wir überzeugt“, so Nothnagel. (nw). Mit dem Projekt der „Smart Recycling Factory“wird am Standort des Entsorgung­szentrums Pohlsche Heide des Kreises Minden-lübbecke in der Gemeinde Hille ein Kompetenz- und Innovation­szentrum für Wertstoffg­ewinnung entstehen. Das Projekt verbindet die Themen Forschung, Wirtschaft, Bildung und Naherholun­g miteinande­r. Die inhaltlich­e Neuausrich­tung des ehemaligen Entsorgung­szentrums erfordert eine neue räumliche Gestaltung. Dort, wo früher lediglich Uwe Kulbe will seine Tochter aufwachsen sehen. FOTO: PR

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