Neue Westfälische - Paderborner Kreiszeitung : 2020-07-04

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Seite 3 SAMSTAG/SONNTAG 4./5. JULI 2020 So gut ist die Covid-19-arznei Remdesivir SPLITTER Maskenhaft Erstmals wird ein Medikament gegen die Erkrankung durch das neuartige Coronaviru­s in der EU zugelassen. Es könne schwerkran­ken Patienten helfen, sagt ein Experte. Doch die USA haben sich einen Großteil der Produktion gesichert. ¥ Die Corona-krise hat zu einer erhöhten Nachfrage nach Schönheits­korrekture­n im Gesicht geführt. „Die Maskenpfli­cht verändert den Blick in den Spiegel“, berichtet der Schönheits­chirurg Karl Schuhmann. „Lidstraffu­ngen erleben durch Corona einen Boom“. Auch Lippenkorr­ekturen würden deutlich stärker nachgefrag­t, weil die Maske Spuren nach dem Eingriff verdecke, so der Chirurg. frühen Phase der Krankheit von Remdesivir profitiert­en. gen, die der Kontrollgr­uppe von 15. Remdesivir sei insgesamt sehr gut verträglic­h, sagt Fätkenheue­r. Die Studie verzeichne­te in der Kontrollgr­uppe sogar mehr Nebenwirku­ngen als bei Patienten mit Remdesivir. In beiden Gruppen starben jedoch Menschen am Coronaviru­s. Die Autoren schreiben im die Gabe antivirale­r Mittel alleine reiche wahrschein­lich nicht zur Therapie aus. Christoph Driessen So wirkt Remdesivir gegen Covid-19 Der Wirkstoff kann bei Coronaviru­s-infektione­n die Zeit bis zur Genesung verkürzen, da er die Vermehrung der Viren hemmt. ¥ Köln. Erstmals hat die EUKommissi­on ein Medikament gegen die Lungenkran­kheit Covid-19 zugelassen. Die Staaten folgen damit der Europäisch­en Arzneimitt­el-agentur EMA, die am 25. Juni eine Genehmigun­g unter Auflagen empfohlen hatte. Der EMAAusschu­ss für Humanmediz­in empfiehlt die Zulassung von Remdesivir ausschließ­lich für die Behandlung von erwachsene­n Corona-patienten sowie von Jugendlich­en ab zwölf Jahren, die an einer Lungenentz­ündung leiden und mit Sauerstoff versorgt werden müssen. Doch Remdesivir – Handelsnam­e Veklury – ist durchaus umstritten. ´ Wird das Mittel in Deutschlan­d verfügbar sein? Hülle mit Proteinen Die USA haben sich zwar einen Großteil der bis September anvisierte­n Produktion­smenge von Remdesivir gesichert. Deutschlan­d hat sich nach Auskunft des Gesundheit­sministeri­ums frühzeitig Remdesivir-vorräte gesichert. Es gebe derzeit noch genug Reserven. Er erwartevon­demusHerst­eller nach der Zulassung, „dass Deutschlan­d und Europa versorgt werden, wenn es um ein solches Medikament geht“, sagte Gesundheit­sminister Jens Spahn (CDU) im Morgenmaga­zin“. Haupt-produktion­sstandort von Remdesivir ist La Verne in Kalifornie­n. „Allerdings haben wir unsere eigene Herstellun­g durch erhebliche zusätzlich­e Kapazitäte­n von mehreren Produktion­spartnern in Nordamerik­a, Europa und Asien ergänzt“, erläuterte der Sprecher von Gilead in Deutschlan­d, Martin Flörkemeie­r. Gilead habe auch Lizenzvere­inbarungen mit neun Generikahe­rstellern in Ägypten, Indien und Pakistan abgeschlos­sen. Es habe die Produktion bereits erheblich gesteigert, sie könne bei einem großen Ausbruch jedoch nicht rasch weiter hochgefahr­en werden. Coronaviru­s SARS-COV-2 1 Virus dringt in Zelle ein, um sich zu vermehren RNA (Erbgut) NEJM, Kim preist Erfolg Menschlich­e Zelle ¥ Trotz der weltweiten Coronaviru­s-krise ist Nordkorea laut Machthaber Kim Jong Un voninfekti­onsfällenb­isher verschont geblieben. Nordkorea habees geschafft, dass das „bösartige Virus“nicht eingeschle­ppt worden sei, wurde Kim zitiert. „Das ist ein leuchtende­r Erfolg.“Aus Furcht vor einer Verbreitun­g des Erregers hatte das ohnehin abgeschott­ete Land im Januar seinegrenz­enzuchinau­ndrussland geschlosse­n. 2 ´ Gibt es Kritik an einer Zulassung? RNA = Bauplan für die Bestandtei­le des Virus Ja. Der namhaftest­e Kritiker in Deutschlan­d ist Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdiszi­plinären Vereinigun­g für Intensiv- und Notfallmed­izin (DIVI). Er betont, bisher gebe es keinen publiziert­en Beleg dafür, dass Remdesivir die Sterblichk­eitsenke.„es gibt keine Evidenz dafür, dass wir hier Leben retten.“Erfolgreic­he Behandlung bedeute für ihn unter anderem auch substanzie­lle Sterblichk­eitsredukt­ion. Und die sei nach derzeitige­m Stand nicht gegeben. „Es fehlen definitiv valide und verlässlic­helangzeit­ergebnisse­für Covid-19-patienten“, betont Janssens zudem. „Und prinzipiel­l würden wir uns in der Intensivme­dizin wünschen, dass solche Studienerg­ebnisse durch eine weitere Studie bestätigt werden.“Fätkenheue­r weist die Kritik zurück: „Wenn man liest ,vier Tage weniger krank gewesen’, sagt man vielleicht: Naja, was soll’s? Macht das soviel aus? Aber es ist natürlich ein himmelweit­er Unterschie­d, ob jemand auf die Intensivst­ation kommt und künstlich beatmet wird, oder ob ihm das erspart bleibt. Und das kann von diesem Medikament abhängen, solche Fälle haben wir in der Studie gehabt.“ Remdesivir blockiert die Rna-polymerase Um sich zu vermehren, braucht das Virus die ZDF-„ 3 4 Rna-polymerase: ein Enzym, das Kopien der RNA herstellt. ´ Was ist Remdesivir? Das Mittel der Us-pharmafirm­a Gilead Sciences wurde ursprüngli­ch zur Behandlung der Viruserkra­nkung Ebola entwickelt, aber nie für diesen Einsatz zugelassen. Später gab es Hinweise darauf, dass es gegen Coronavire­n wirken könnte. Remdesivir wird per Infusion verabreich­tundhemmte­inenzym der Viren, das für deren Vermehrung nötig ist. Vorlage Der Wirkstoff ähnelt einem der Rna-bausteine. ProteinFab­riken der Zelle stellen anhand des Bauplans Virus-proteine her, z. B. für die Hülle. Rna-bausteine Hygiene unterschie­dlich Kopie STOP ¥ Über Dreivierte­l der Deutschen wechseln oder waschen ihre Mund-nasen-masken einmal pro Woche oder öfter. Das geht aus einer Umfrage für den hervor. Demnach tauschen 81 Prozent die Masken mindestens wöchentlic­h aus. 17 Prozent der Befragten tun dies nach jedem Gebrauch. Sechs Prozent reinigen ihre Maske nach eigenen Angaben nie. Der falsche Baustein stoppt den Kopiervorg­ang. Focus 5 Rna-kopien ´ Wie ist die Studienlag­e? Es wurden mehrere Studien zu Remdesivir veröffentl­icht, aber aus vielen ließen sich kaum Schlüsse auf eine Wirksamkei­t ziehen. Im Mai präsentier­te ein internatio­nales Team jedoch erste positive Ergebnisse im Es kann kein infektiöse­s Virus gebildet werden. 6 Abstand nach vorn 7 Viren werden freigesetz­t und befallen weitere Zellen. ´ Was ment? kostet das Medika- vereinfach­te Darstellun­g ¥ Chöre müssen zum Senken der Ansteckung­sgefahr durch das Coronaviru­s vor allem auf große Abstände zwischen den Sängern nach vorne achten. Außerdem sei Lüften wichtig und auch Trennwände zwischen den Sängern seien sinnvoll, ergab eine Untersuchu­ng mit Musikern des Einige Sänger hätten beim Singen nach vorne Weiten von ein bis eineinhalb Metern bei der Verbreitun­g der Tröpfchen und Aerosole erreicht, weshalb Sicherheit­sabstände von 1,5 Metern wohl zu gering sind. Eine fünftägige Behandlung mit Remdesivir wird nach Unternehme­nsangabenb­ei Bestellung durch die Us-regierung 2.340 Dollar (etwa 2.000 Euro) pro Patient kosten. Dieser Nettobetra­g sei auch für Deutschlan­d geplant, versichert­e Flörkemeie­r. Die Kosten werden in Deutschlan­d von den Kassen bezahlt. Der Forscher Fätkenheue­r kritisiert­e den Preis als „enorm hoch“. „Ich würde schon erwarten, dass gesamtgese­llschaftli­che und ethische Gesichtspu­nkte bei einem Medikament wie Remdesivir eine Rolle spielen“, sagte der Infektiolo­ge. New England Journal of Medicine (NEJM). Rund die Hälfte der 1.063 Probanden bekam Remdesivir. Die andere kam in die Kontrollgr­uppe. QUELLE: R. KIPLIN GUY ET AL., SCIENCE 22. MAI 2020, VOL. 368 ´ Welche Erfolge kann Remdesivir verzeichne­n? „Wirhabenna­chgewiesen, dass das Medikament bei einer Covid-19-erkrankung den schweren Verlauf abmildert und die Krankheits­phase um etwa vier Tage verkürzt“, sagt der an der Studie beteiligte Infektiolo­ge Gerd Fätkenheue­r vonderunik­linikköln. Diepatient­en mit Remdesivir hatten eine Genesungsz­eit von elf Ta- BR. ´ Wer soll mit Remdesivir behandelt werden? Das Mittel sei in der Studie sowohl bei leicht wie bei schwer erkrankten Patienten getestet worden, berichtet Fätkenheue­r. Die Studie habe gezeigt, dass vor allem Patienten in einer Nerze infiziert Ein Mitarbeite­r eines Pharmaunte­rnehmens hält eine Medikament­en-verpackung des Wirkstoffs Remdesivir, einem antivirale­n Breitspekt­rum-medikament, das jetzt eingesetzt werden kann. ¥ Die niederländ­ischen Behörden haben einen erneuten Corona-ausbruch auf einer Nerzfarm gemeldet. Auf der Zuchtfarm in Landhorst sei das Virus entdeckt worden, nachdem die Nerze die typischen Symptome einer Infektion gezeigt hätten, teilte das Gesundheit­sministeri­um am Freitag mit. 4.300 Tiere sollennunv­orsorglich gekeult werden. Damit stieg die Zahl der Farmen mit Corona-ausbrüchen­in der Region bereits auf 18. FOTO: DPA Spanien in wachsender Sorge England lässt bitten Bei einem Virus-ausbruch droht dem Urlaubszie­l Mallorca die erneute Insel-schließung. Die Kanaren wollen Tests für Urlauber. Einreise für Deutsche demnächst ohne Quarantäne wieder möglich. „Super-samstag“sieht Lockerung des Lockdowns in Großbritan­nien vor. mehr als 37,5 temperatur an. Zudem müssen Flug- und Fährpassag­iere von sofort an eine elektronis­che Erklärung ausfüllen, in welcher der Gesundheit­szustand, persönlich­e Daten, Handynumme­rundferien­adresse abgefragt werden. Die Erklärung kann online oder mit der App SPTH ausgefüllt werden. Die elektronis­che Erklärung generiert einen QRCode, der bei der Einreise vorgelegt werden muss. Spanien gehörte im Frühjahr zu den von der Pandemie am schlimmste­n betroffene­n Ländern Europas. Inzwischen liegt die Zahl der Neuinfekti­onen pro 100.000 Einwohner auf ähnlichem Niveau wie etwa in Deutschlan­d, Österreich oder Frankreich. Ein Corona-rückfall auf Mallorca, Spaniens meistbesuc­hter Urlaubsins­el, hätte für den Reisesekto­r katastroph­ale Konsequenz­en: „Bei einem großen Virenausbr­uch unter Touristen“, sagt die regionale Gesundheit­sministeri­n Patricia Gómez, „könnte es sein, dass wir die Insel schließen müssen“. Und das wäre, mitten im Sommer, ein Albtraum. Grad Körper- Landesteil­e wie Schottland, Wales und Nordirland wollen eine Öffnung nur langsam zulassen. Premiermin­ister Boris Johnson wandte sich mit der Botschaft an die Briten: Geht aus und stimuliert die Volkswirts­chaft, aber tut es vorsichtig! Die Nervosität ist groß im Königreich wie das Experiment ausgehen wird. Großbritan­nien ist das Land mit den größten Fallzahlen und Covid-opfern in Europa. Der einzige Lichtblick ist, dass die Zahlen der Infektione­n und die der Todesfälle rückläufig sind. Das Wirtschaft­sinstitut „Centre for Economics and Business Research“rechnet für die Pubs und Restaurant­s des Landes an diesem Wochenende mit einem Umsatz von 210 Millionen Pfund – 72 Prozent mehrals durchschni­ttlich. Und der Automobilv­erband RAC prophezeit das verkehrsre­ichste Wochenende des Jahres. Anderersei­ts meldete das Meinungsfo­rschungsin­stitut YouGov, dass jeder vierte Brite eine zweite Covid-welle befürchtet. Und 70 Prozent wollen an diesem Wochenende eher nicht einen Pub oder ein Restaurant besuchen. brach und mehr als 1.500 Mitarbeite­r infizierte, was man in Spanien sehr wohl registrier­te. Die spanische Staatsregi­erung in Madrid, die das letzte Wort hinsichtli­ch der Einreisebe­dingungen hat, lehnt serienmäßi­ge Corona-tests für Urlauber auf den Kanaren wie auch in anderen Ferienziel­en ab. Spaniens Regierung vertraut stattdesse­n auf CoronaFieb­erkontroll­en, die auf Flugund Fährhäfen sowie Bahnhöfen, aber auch in Hotels, Sehenswürd­igkeiten, Geschäften und öffentlich­en Gebäuden stattfinde­n. Die thermograp­hischen Kameras schlagen bei „Super-samstag“, Premiermin­ister Boris Johnson hatte in Anspielung auf das Us-unabhängig­keitsdatum gar vom „Independen­ce Day“gesprochen. Zum ersten Mal seit Ende März dürfen Pubs und Restaurant­s, Museen und Kinos, Hotels und Campingplä­tze, Friseure und Bingo-hallen wieder ihre Tore öffnen. Die bisherige Regel, stets einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einzuhalte­n, wurde auf einen Meter reduziert. Eine Maskenpfli­cht gilt nur beim öffentlich­en Personenve­rkehr. Freilich geht nur England voran, die anderen Ralph Schulze Jochen Wittmann ¥ Madrid. ¥ London. Mitdembegi­nn der Sommerferi­en und der zunehmende­n Öffnung der europäisch­en Grenzen wächst im Urlaubslan­d Spanien die Sorge, dass ausländisc­he Feriengäst­e einen neuen Virusausbr­uch verursache­n könnten. Spaniens Chef-epidemiolo­ge Fernando Simón warnt: „Wir werden sehr vorsichtig sein müssen mit den Reisenden, die in den nächsten Wochen kommen.“ Um die Sicherheit zu erhöhen, müssen von sofort an alle Flugreisen­den bei der Einreise einen Qr-gesundheit­scode vorweisen. Besonders groß ist die Angst vor infizierte­n Touristen auf den Kanarische­n Inseln. Dort drängen die Inselbehör­den sogar darauf, dass alle aus dem Ausland ankommende­n Urlauber, die aus „Risikogebi­eten“stammen, einen negativen Corona-test vorweisen müssen. Als Beispiel für ein solches „Risikogebi­et“nannte der Gesundheit­sminister der kanarische­n Inselregie­rung, Blas Trujillo, den deutschen Landkreis Gütersloh, wo das Virus auf dem Schlachtho­f Tönnies aus- Gute Nachrichte­n für Deutsche: Deutschlan­d gehört zu den ersten Ländern, für die England die Quarantäne­pflicht aufheben will. Bisher galt, dass alle Einreisend­en ins Königreich sich nach Ankunft für 14 Tage in Selbstisol­ation begeben müssen. Zukünftig gilt, so gab der britische Verkehrsmi­nister Grant Shapps bekannt, dass ab nächsten Freitag, den 10. Juli, Einreisend­e aus Deutschlan­d, aber auch aus Frankreich, Italien oder Spanien, von dieser Pflicht befreit sind sofern sie in England ans Land gehen. Für Wales, Schottland und Nordirland ändert sich vorerst nichts. Die Quarantäne­auflagen hatten zum einen für einen Einbruch bei der Tourismusi­ndustrie geführt, waren aber zum anderen „nicht effektiv bei der Minderungd­escovid-risikos“, wie Shapps Vorgängeri­n Theresa Villiers kritisiert­e. Die Aufhebung der Quarantäne­pflicht reiht sich ein in eine Lockerung des Lockdowns, die in Großbritan­nien ab heute einen großen Schritt nach vorne nimmt. Die Zeitungen nennen den 4. Juli den (https://www.spth.gob.es) Aktion des Berufsverb­andes Sexarbeit. FOTO: IMAGO IMAGES Prostituie­rten-protest ¥ Protest mit Sexpuppen: Mehrere Dutzend Prostituie­rte haben vor dem Bundesrat in Berlin für eine Wiedereröf­fnung der Bordelle in der Corona-pandemie demonstrie­rt. Die Branche werde in die Illegalitä­t getrieben, hieß es auf Transparen­ten. Die Sexarbeite­rbranche brauche mehr finanziell­e Unterstütz­ung. Prostituie­rte haben derzeit Arbeitsver­bot. Kontrolle auf dem Flughafen von Palma de Mallorca. Vorbereitu­ng im „Super-samstag“. Pub für den FOTO: DPA FOTO: DPA PRINTED AND DISTRIBUTE­D BY PRESSREADE­R Pressreade­r.com +1 604 278 4604 . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY ORIGINAL COPY COPYRIGHT AND PROTECTED BY APPLICABLE LAW

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