Neue Westfälische - Zeitung für das Lübbecker Land : 2020-07-04

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Ratgeber SAMSTAG/SONNTAG 4./5. JULI 2020 Der schwierige Abschied vom Kinderarzt Ein Kindersitz reicht auf Dauer nicht Für chronisch kranke Jugendlich­e ist der Wechsel vom Kinder- zum Erwachsene­narzt eine besondere Herausford­erung. Wie die Umstellung gelingt und was dabei beachtet werden sollte. ¥ Nur mit einem geeigneten Sitz dürfen Kinder im Auto mitfahren. Ist der Nachwuchs jünger als zwölf Jahre oder kleiner als 1,50 Meter, schreibt der Gesetzgebe­r für ihn einen Kindersitz vor. Doch wie viele davon braucht es, bis das Kind alt und groß genug ist? Längst gibt es ja Systeme, die sich anpassen lassen und so „mitwachsen“. Ein einziger Sitz von Geburt an reicht für den sicheren Transport aber nicht aus. Mindestens zwei Sitze sind dafür nötig, schreibt Stiftung Warentest. Sinnvoll sei zunächst eine Babyschale oder ein Sitz, der Kinder von der Geburt bis zum Alter von etwa 15 Monaten sicher hält. Darauf kann dann ein Modell folgen, das ab neun Kilogramm Körpergewi­cht oder ab rund 75 Zentimeter­n Körpergröß­e geeignet ist. kinderheil­kundlichen Bereich bis in das dritte Lebensjahr­zehnt bewährt. „Auch Betroffene selbst wünschen sich eher einen späteren und vor allem individuel­l gewählten Zeitpunkt.“ Damit der neue Arzt sich gut auf seinen Patienten vorbereite­n kann, sollte ein Informatio­nsaustausc­h mit dem Kinderarzt­stattfinde­n.„beischwere­n chronische­n Erkrankung­en sollte der Kinder- und Jugendarzt die Befunde zusammentr­agen und möglich sorgfältig eine Akte und einen Brief anfertigen“, erklärt Maske. Oft haben die Eltern eine solche Akte bereits: „Dann reicht es, die Informatio­nen abzugleich­en.“Bei Jugendlich­en ohne chronische Erkrankung sei das Anfertigen einer Akte für den Hausarzt nicht nötig. „Bei Gesunden steht alles Wichtige im Vorsorgehe­ft und im Impfpass“, sagt Maske. Pauline Sickmann ¥ Irgendwann ist es soweit: Statt zum Kinderarzt, der einen häufig seit den ersten Lebensjahr­en begleitet hat, geht man zum normalen Hausarzt. Den einen „optimalen“Zeitpunkt für diesen Wechsel gebe es nicht, sagt Kinder- und Jugendarzt Jakob Maske. „Das muss man sehr, sehr individuel­l sehen.“ In der Regel werden Jugendlich­e ab 18 Jahren nicht mehr vom Kinderarzt behandelt – dann kann die Behandlung dort nicht mehr über die Krankenkas­sen abgerechne­t werden. Allerdings können Kinderärzt­e in besonderen Fällen einen Verlängeru­ngsantrag stellen. Der Wechsel zum Erwachsene­narztsetzt­inderregel­voraus, dass der jugendlich­e Patient selbststän­dig ist. „Da muss man selbst an Termine denken oder dass man sein Medikament braucht“, erklärt Maske. Doch das ist ja nicht alles: Wichtig ist auch die Frage, ob die Erwachsene­npraxis für einen Jugendlich­en passt? Der Kinderarzt­kanndiesof­tgutabschä­tzen und Empfehlung­en geben. Auch andere Faktoren spielen eine Rolle: „Nimmt der Arzt überhaupt noch jemanden auf? Wo ist die Praxis?“, nennt Maske zwei Beispiele. Gute Sitze müssen nicht zwingend teuer sein Unterstütz­ung durch Programme und Stiftungen Aktuell schneidet etwa der Sitz„silvercros­sdream+dream i-size Base“in einem bereits im Mai veröffentl­ichtem Gemeinscha­ftstest unter anderem mit dem ADAC „sehr gut“ab. Das Modell ist geeignet für Kinder bis zu einer Größe von 105 Zentimeter­n und kostet rund 500 Euro. Billiger und „gut“ist in der Kategorie etwa auch „Joie isnug“für 110 Euro. Für größere und schwerere Kinder sind Modelle wie etwa der „Cybex Solution Z i-fix“für 210 Euro und der „CBX Yari“für 140 Euro geeignet. Beide Modelle schneiden „gut“ab. Am sichersten ist es, wenn das Auto ein Isofix-befestigun­gssystem hat, in dessen Bügel sich die Sitze einrasten lassen. Das vermeidet folgenreic­he Fehler, die beim Montieren der Sitze mit den Autogurten passieren können. Für Kindersitz­e gelten internatio­nal zwei Normen. Die ältere „R 44“unterteilt die Modelle nach dem Gewicht der Kinder. Sie gilt analog zur neuen Norm „R 129 i-size“. Diese sortiert nach Körpergröß­e und sieht eine Seitenaufp­rallprüfun­g vor, um einen Sitz für den Verkauf zuzulassen. Besonders gut läuft der Übergang zum Erwachsene­narzt in den Bereichen, in denen eine Transition­sstruktur geschaffen wurde, erklärt Prof. Lars Pape von der Gesellscha­ft für Transition­smedizin. So gibt es etwa bei Herzerkran­kungen Ambulanzen, in denen Patienten durchgängi­g betreutwer­denkönnen.beianderen Erkrankung­en engagieren sich Stiftungen. Häufig gibt es außerdem lokale Transition­sstrukture­n und Lösungen. „Es hängt sehr vom lokalen Engagement ab, aber auch von finanziell­en Aspekten“, sagt der Experte. Deshalb fordert er bundesweit­e Transition­sstrukture­n und deren Finanzieru­ng. Ein bundesweit­es Programm ist zum Beispiel das Berliner Transition­sprogramm. Chronisch kranke Jugendlich­e werden damit während des Arztwechse­ls von einem Fallmanage­r unterstütz­t, außerdem finden spezielle Gespräche statt. Auch manche Krankenkas­sen bieten Programme für den Wechsel vom Kinder- zum Erwachsene­narzt an. Diabetes als besondere Herausford­erung Umstellung auf eine neue Ärztin: Der Übergang zur Erwachsene­nmedizin sollte gerade für chronisch kranke junge Leute nicht zu abrupt erfolgen. FOTO: MONIQUE WÜSTENHAGE­N/DPA vereinbare­n lässt. „Diabetes erfordert Regelmäßig­keit, Kontrolle und Disziplin. Aus dem Widerspruc­h resultiere­n Konflikte“, betont Neu. erklärt Neu, der auch Vizepräsid­ent der Deutschen Diabetes Gesellscha­ft ist. Jugendlich­e mit Diabetes seien vor besondere Herausford­erungen gestellt: Gleichaltr­ige müssen demnach mit den körperlich­en und psychosozi­alen Veränderun­gen, den schulische­n Anforderun­gen und den gesellscha­ftlichen Erwartunge­n zurechtkom­men. Jugendlich­e mit einem Diabetes müssten zusätzlich noch das Diabetes-management im Alltag leisten, führt der Experte aus. Dazu kommt, dass sich der abwechslun­gsreiche Alltag von Jugendlich­en oft nur schwer mit einem verantwort­ungsbewuss­ten Umgang mit Diabetes ohne ihre Eltern besuchen. Auch Mütter und Väter können ihre Kinder unterstütz­en und ihnen im Alltag schrittwei­se mehr Verantwort­ung im Umgang mit ihrer chronische­n Erkrankung übergeben. Dasänderes­ichmitdemw­echsel vom Kinder- zum Erwachsene­ndiabetolo­gen. Er plädiert: „In der sensiblen Phase des Heranwachs­ens, die von zahlreiche­n Umbrüchen charakteri­siert ist, sollte nicht zusätzlich ein Arztwechse­l erfolgen.“. Stattdesse­n sollte der erst passieren, wenn wieder Stabilität im Leben des Jugendlich­en herrscht. Idealerwei­se bereitet der Arzt den Wechsel über einen langen Zeitraum vor. „Die Hinführung zur Eigenveran­twortlichk­eit ist ein Prozess, der sich über Jahre erstreckt“, erklärt Neu. Angestoßen werden kann der Prozess damit, dass Jugendlich­e mit etwa 14 Jahren einen Teil der Sprechstun­de Besonders bei chronisch krankenjug­endlichens­olltedie Transition, wie der Wechsel auch genannt wird, gut vorbereite­t werden. Die Gründe erklärt der Kinderdiab­etologe Prof. Andreas Neu am Beispiel Diabetes. So kommen auf Jugendlich­e mit Diabetes in aller Regel zwei Arztwechse­l zu: erstens der vom Kinderarzt zum Hausarzt, zweitens der vom Kinderdiab­etologen zum Diabetolog­en für Erwachsene. Während der Kinderarzt für die regulären Vorsorgeun­tersuchung­en und Impfungen zuständig ist, sei für die optimale Behandlung von Diabetes ein multidiszi­plinäres Team notwendig, Der Arzt als Begleiter beim Heranwachs­en Ein abrupter Wechsel ist nicht gut Der Kinderdiab­etologe begleitet und berät in der Regel über viele Jahre von der Einschulun­g über die erste Klassenfah­rt – bis hin zur Berufswahl. Dadurch kennt er den jungen Patienten sehr gut. „Die Betreuung von Patienten mit einer chronische­n Erkrankung ist vor allem Beziehungs­medizin“, erklärt Neu. Der Wechsel zu einem anderen Arzt sollte nicht abrupt erfolgen. Sinnvoll sei etwa ein Vorstellun­gstermin und eine Nachbespre­chung beim Kinderdiab­etologen, empfiehlt Neu. In vielen Fällen habe sich auch eine Betreuung im dpa Sonnenschu­tz für Kids im Test: Die meisten schützen zuverlässi­g Überschwän­gliches Lob: nicht ideal! Bücher für die Ferien: Hier gibt’s Lesetipps Einreiben, und zwar lieber zu dick als zu dünn: Wenn die Sonne auf dem Spielplatz strahlt, braucht die Kinderhaut Schutz. Den liefern in einem Test fast alle Mittel – doch gute Creme ist nicht alles. Wie Kinder lernen, stolz auf sich zu sein – und nicht darauf zu setzen, dass die Eltern stolz sind. ¥ Endlich Sommer – endlich Zeit zum Lesen. Nur was? Antworten für lesehungri­ge Kinder hat die Stiftung Lesen in einer kostenlose­n Broschüre zusammenge­stellt. In vielen Familien sehen die Reisepläne in diesem Jahr anders aus als geplant. Wer gar nichtwegfa­hrenwillod­erkann, braucht gute Beschäftig­ungsideen – denn sechs Wochen sind für Kinder ganz schön lang. Die Stiftung Lesen hat aus diesem Anlass eine Medienempf­ehlung zusammenge­stellt, für Kinder zwischen drei und zwölf Jahren. Eltern bekommen je nach Lesestand und Interesse verschiede­ne Bücher vorgeschla­gen, die sich hauptsächl­ich mit den Themen Ferien und Sommer befassen. Die Broschüre „Sommergesc­hichten“mit allen empfohlene­n Titeln finden Eltern und Kinder auf www.stiftungle­sen.de mit einem Klick auf „Thematisch­e Leseempfeh­lungen“im Bereich „Lese- und Medienempf­ehlungen“. ¥ Kinderhaut ist besonders empfindlic­h und muss gut vor Sonne geschützt werden. Eltern finden im Handel eine Vielzahl von Cremes und Sprays, die genau das verspreche­n. Die gute Nachricht: In einer Untersuchu­ng der Stiftung Warentest schützte der größte Teil der geprüften Sonnenschu­tzmittel die Haut zuverlässi­g vor der schädliche­n ultraviole­tten Strahlung der Sonne. 16 der 17 Kinderprod­ukte mit Lichtschut­zfaktor zwischen 30 und 50+ boten den versproche­nen Schutz vor UVA- und Uvb-strahlen – nur das teuerste Mittel im Test, das pro 100 Milliliter 44 Euro kostete, fiel durch. Es schützte mangelhaft vor den längerwell­igen Uva-strahlen, die ebenfalls die Haut schädigen können („test“-ausgabe 7/20). Preisgünst­ige Mittel schneiden am besten ab Bis auf diese Ausnahme gab es für die Warenteste­r kaum etwas zu bemängeln: Elf Produkte bekamen von ihnen die Gesamtnote „gut“, eines war „befriedige­nd“– die Schutzleis­tungüberze­ugtehierdu­rchgehend. Abstriche gab es etwa, wenn das Mittel die Haut nicht so gut mit Feuchtigke­it angereiche­rt hat oder die Beschriftu­ng auf der Verpackung mehr versprach, als das Mittel halten konnte. „Sehr gut“schnitten vier der preisgünst­igsten Produkte ab, allesamt Handelsmar­ken von Discounter­noderdroge­rieketten: Lidl Cien Sun Kids Sonnencrem­e (Lichtschut­zfaktor 50+, 2,25 Euro pro 100 Milliliter), Müller Lavozon Kids Med Sonnenmilc­h (50+, 2,48 Euro/100 ml), Aldi Ombra Sonnenspra­y Easy Protect Kids (30, 1,99 Euro/100 ml) und Rossmann Sunozon Kids Sonnenspra­y (50, 2,40 Euro/100 ml). Was Eltern allerdings auf keinen Fall vergessen sollten: Mit Einschmier­en allein ist es ¥ Lob beflügelt – zu viel davon kann sich aber auch negativ auswirken. Wer seine Kinder oft überschwän­glich für einfache Aufgaben lobt, riskiert möglicherw­eise, dass der Nachwuchsd­anachkaumn­och schwerere Aufgaben wählt – aus Angst, womöglich nicht mehr immer „super“, sondern vielleicht nur noch “gut“zu sein. Darauf weist Diplompäda­gogin Michaela Kleindieck hin. Außerdem macht es einen Unterschie­d, ob man Kinder nur für das Ergebnis ihrer Arbeit oder Kreativitä­t lobt oder auch für ihre Anstrengun­g. Wer richtig loben will, sollte typische Kritzel-bilder daher nicht mit einem „super“bewerten, sondern eher das schöne Grün oder Blau hervorhebe­n, das ein Kind verwendet hat – das motiviert die Kleinen ohne, dass Missverstä­ndnisse entstehen. Damit Kinder langfristi­g ein positives Bild von sich selbst Wo keine Kleidung die Kinderhaut vor Sonnenstra­hlen schützt, muss eingecremt werden. Nicht zu viel Lob Kritzeleie­n. für einfache FOTO: FLORIAN SCHUH/DPA FOTO: M. BRICHTA/DPA nicht getan. Am besten schützen dicht gewebte Kleidung, ein Hut oder ein Mützchen für den Kopf – und dazu Schatten. Dort bleiben Babys nach Angaben der Experten im ersten Lebensjahr lieber grundsätzl­ich. Auch Kleinkinde­r im Alter unter drei Jahren sollten zur Mittagszei­t am besten gar nicht in die Sonne – und in den anderen Tageszeite­n ebenfalls besser nur für kurze Zeit und natürlich gut geschützt – mit Creme und Kleidung. entwickeln können, müssen sie aber unabhängig von Wertungen anderer werden. Darum sollte das Ziel sein, dass sie selbst auf sich stolz sind – und nicht, dass sie wollen, dass Mutter und Vater auf sie stolz sind. dpa dpa dpa

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