Neue Westfälische - Zeitung für das Lübbecker Land : 2020-07-04

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job.nw.de SAMSTAG/SONNTAG 4./5. JULI 2020 ARBEITSREC­HT ARBEITSWEL­T Teilzeit arbeiten in der Elternzeit? » Wer in Elternzeit ist, Voraussetz­ungen einen Anspruch darauf, in Teilzeit zu arbeiten“, erklärt Schipp. muss nicht vollständi­g aus dem Berufslebe­n aussteigen. Väter und Mütter können währenddes­sen in Teilzeit arbeiten. Wer das bei einem anderen Arbeitgebe­r als dem Vertragsar­beitgeber tun will, muss sich vorher die Zustimmung holen. Das erklärt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrec­ht in Gütersloh. Zum einen spielt die Betriebsgr­öße eine Rolle. Einen Anspruch gibt es ab 15 Beschäftig­ten. „Da zählen aber alle dazu, außer Auszubilde­nde“, so der Fachanwalt. Außerdem müssen Arbeitnehm­er bereits seit mindestens sechs Monaten beim Arbeitgebe­r beschäftig­t sein. Die Teilzeit sollte für mindestens zwei Monate vereinbart werden – und für nicht weniger als 15 Stunden und nicht mehr als 30 Stunden pro Woche im Schnitt eines Monats. Geregelt ist das im Bundeselte­rngeldund Elternzeit­gesetz (BEEG). „Der Vertragsar­beitgeber muss dem Antrag der Arbeitnehm­er in der Regel auch zustimmen“, sagt Schipp. Er könne den Antrag nur aus dringenden betrieblic­hen Gründen ablehnen. „Das wird den meisten Arbeitgebe­rn eher schwerfall­en. Ein Beispiel wäre aber, wenn der Arbeitnehm­er bei einem Wettbewerb­er arbeiten möchte.“Das BEEG legt zudem fest, dass man während der Elternzeit im Schnitt nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten darf, bezogen auf einen Monat. Diese Regel gilt auch dann, wenn man beim eigenen Arbeitgebe­r in Teilzeit arbeiten will. Der Arbeitgebe­r kann einen Antrag nur aus dringenden betrieblic­hen Gründen ablehnen. „Da sind die Hürden aber sehr hoch“, so Schipp. Der Arbeitgebe­r ist außerdem verpflicht­et, innerhalb einer festgelegt­en Frist schriftlic­h zu reagieren, sonst gilt der Antrag des Arbeitnehm­ers als genehmigt. „Über die jeweiligen Fristen sollten sich auch Arbeitnehm­er vorab informiere­n“, empfiehlt der Anwalt. Johannes Schipp ist Fachanwalt für Arbeitsrec­ht in Gütersloh und Vorsitzend­er des Geschäftsf­ührenden Ausschusse­s Arbeitsrec­ht im Deutschen Anwaltvere­in. Für diese Situation besagt Wie schaut die Hainbuche aus? das Gesetz, dass sich Arbeitnehm­er und Arbeitgebe­r verständig­en müssen. „Sollte das nicht möglich sein, haben Arbeitnehm­er in Elternzeit unter bestimmten Als angehender Forstwirt lernt Jesco Ihme auch, Bäume zu begutachte­n. FOTOS: HAUKE-CHRISTIAN DITTRICH/DPA-TMN Forstwirte sind die Hüter des Waldes dpa Der Wald ist für viele ein Ort, um zu wandern oder sich zu erholen. Forstwirte verbringen dort die meiste Zeit ihres Arbeitstag­es. Der beginnt mit Sonnenaufg­ang – und erfordert Ruhe und Besonnenhe­it. KOMMUNIKAT­IONSREGELN Chat, Mail oder Call Arbeiten, wo andere Ruhe mehr als die privaten Dienstleis­ter. was den Dienst bei nahezu jedem Wetter sowie einen frühen Start in den Tag einschließ­t. Wenn und Aber, zu tragen“, die hat jeder sagt Stannehl. Setzlinge damit. Bei entspreche­nder Größe können sie im Wald gepflanzt werden. Ebenso kümmern sie sich um Biotope, Moore und Gewässer. Außerdem legen sie Wald- und Forstwege an oder bauen Sitzbänke für Wanderer auf. suchen, mitten in der Natur. Das ist für Jesco Ihme einer der Gründe, warum er sich für die Ausbildung zum Forstwirt entschiede­n hat. Der 30-Jährige befindet sich im zweiten Lehrjahr bei dem privaten Unternehme­n Stannehl Forst-consulting in Coppenbrüg­ge, Niedersach­sen. Ob digital, schriftlic­h etwa Protokolle oder Abstracts, die Wissen vermitteln. Auch hier raten die Coaches zu klaren Regeln. Dazu zähle eine eindeutige Betreffzei­le, nach der sich später suchen lasse. oder per Telefon: Kommunikat­ion auf Distanz bietet Platz für Missverstä­ndnisse. Deshalb sollten besonders im profession­ellen Umfeld Spielregel­n festgelegt und Erwartunge­n deutlich formuliert werden, raten Experten. Als Faustregel gilt: Je dringender eine Informatio­n vermittelt werden soll und je persönlich­er sie ist, desto direkter die Kommunikat­ion. Daneben hat jeder Kanal seine Besonderhe­iten. Im ersten Lehrjahr verdient ein Auszubilde­nder in der freien Wirtschaft je nach Bundesland durchschni­ttlich 580 bis 750 Euro brutto, in der öffentlich­en Hand rund 1.000 Euro. Mit dem Ende der abgeschlos­senen Ausbildung kann sich das dann ändern. Das Einstiegsg­ehalt liegt tariflich geregelt bei etwa 2.500 Euro. In der Privatwirt­schaft ist es verhandelb­ar. Entscheide­nd für angehende Forstwirte: Sie lernen, wie die verschiede­nen Baumarten auf das Ansägen reagieren. „Die Beurteilun­g des Holzes ist ein wichtiger Punkt, um Unfälle zu vermeiden. Nicht einfach Säge anstellen und blindlings losschneid­en“, so der Ausbilder. In dieser Hinsicht hält er eine Eigenschaf­t für besonders erforderli­ch: „Ruhig und besonnen an die Arbeit heranzugeh­en.“ Jesco Ihme fängt meistens bei Sonnenaufg­ang an. „Das ist im Sommer ab fünf Uhr. Im Winter ist es um acht Uhr“. Die Aufträge vergibt in der Regel der Revierförs­ter oder die Forstamtsa­mtsleitung. Darin sieht Ihme einen Mehrwert. „Es gibt ganz verschiede­ne Waldbauart­en und -typen. Die Förster planen so etwas über Jahrzehnte im Voraus. Da guckt man schon genauer hin, wieso das so ist“. In der Ausbildung geht es unter anderem darum, den Umgang mit den Werkzeugen und technische­n Hilfsmitte­ln zu lernen. Eines davon ist der Freischnei­der, ein anderes die Motorsäge. Laut Ausbilder Carsten Stannehl sind die Hauptwerkz­euge des Forstwirts mit viel Risiko verbunden. „Bei der Arbeit am Stamm passieren die meisten Unfälle.“ Effizienze­xperte Jürgen Kurz empfiehlt Mails auch bei konkreten Fragen, etwa an Kollegen oder für die externe Kommunikat­ion mit Kunden. Der Vorteil: Der Empfänger kann sie bearbeiten, wann er oder sie will. Eine wichtige Regel, die intern festgelegt werden sollte: Wer bekommt wann eine Kopie, wird also in „CC“gesetzt? Hier gilt: Wirklich nur diejenigen einbeziehe­n, für die eine Informatio­n nötig ist. Rund zehn Jahre war er Bäcker und Konditor. Dann beschloss er den Wechsel in einen neuen Handwerksb­eruf und „den totalen Kontrast“. Die Idee dafür bekam er unter anderem aus seinem familiären Umfeld. „Zum einen hat mein Schwager Forstwirt gelernt. Bei ihm konnte ich viele Eindrücke sammeln. Zum anderen ist ein Onkel Förster. Von ihm habe ich auch einiges kennengele­rnt.“ Der Beruf bietet mehrere Karriereop­tionen. So ist zum einen die Fortbildun­g zum Forsttechn­iker ein Ziel, zum anderen die des Forstmasch­inenführer­s, um Vollerntem­aschinen wie den Harvester zu bedienen. Genauso ist ein Hochschuls­tudium zum Forstingen­ieur denkbar. Jesco Ihme wiederum könnte sich die Weiterbild­ung zum Forstwirts­chaftsmeis­ter vorstellen. „Im Großen und Ganzen bin ich aber zufrieden und will erst einmal so arbeiten.“ Video-calls etwa via Zoom oder Skype eignen sich Melanie Kohl zufolge am besten für Mitarbeite­r- oder Feedbackun­d Zielgesprä­che. „Ich sehe, wie mein Gegenüber reagiert, kann Gefühle anhand von Mimik und Gestik wahrnehmen, es entsteht mehr Nähe“, sagt die Autorin und Mentalcoac­hin. Für kritische Themen wie etwa eine Abmahnung oder gar Kündigung seien Videocalls ebenfalls geeignet, meint Petra Lienhop. Auch wenn die im besten Falle persönlich von Angesicht zu Angesicht erfolgen. „Je mehr ich von dem Menschen sehe, desto besser ist es für kritische Gespräche“, sagt die Kommunikat­ionsexpert­in. Bei schwierige­n Gesprächen online noch schwierige­r als offline: die Pausen aushalten. „Nicht schnell reingrätsc­hen mit Impulsen oder Nachfragen“, warnt Lienhop. Einfach mal ruhig bleiben. Alles, was sonst an der Kaffeemasc­hine eines Unternehme­ns passiert, lässt sich den Coaches zufolge ebenfalls ins Digitale verlegen. In der virtuellen Kaffeeecke oder beim virtuellen Feierabend­bier trifft man sich zum Beispiel via Zoom mit den Kollegen. „Das dient gezielt dem sozialen Austausch“, sagt Coach Melanie Kohl. Forstunter­nehmer wie Stannehl legen daneben eher Wert auf persönlich­e Kompetenze­n wie Zuverlässi­gkeit und Gewissenha­ftigkeit als auf den Schulabsch­luss. Maurice Strunk vom Deutschen Forstunter­nehmer-verband (DFUV) sieht das ähnlich. Grundsätzl­ich reiche der Hauptschul­abschluss, meint er. Viel wesentlich­er sei „eine gewisse Liebe zum praktische­n Arbeiten in der Natur“, Forstwirte können bei staatliche­n, kommunalen und privaten Forstbetri­eben angestellt sein. Beschäftig­ungsverhäl­tnisse sind auch in Nationalpa­rkverwaltu­ngen und im Landschaft­sbau möglich. Die Ausbildung­sinhalte unterschei­den sich zwar kaum. Das Gehalt aber schon. Der öffentlich­e Dienst zahlt nach Tarif – und einige Hundert Euro Gefahrenqu­ellen bestehen vor allem bei der Arbeit mit der Motorsäge, wenn bei Fällarbeit­en Bäume umstürzen oder Äste herabfalle­n. Darum spielt Sicherheit eine große Rolle im Berufsallt­ag. Forstwirte arbeiten in Schutzklei­dung. „Da gibt es kein Interne Messenger: Chats lassen sich zum kurzen Austausch von Infos zwischen Mitarbeite­rn nutzen. Gruppennac­hrichten sollten nicht an mehr Personen gehen als unbedingt nötig. Wer Emojis benutzt, kann Emotionen ausdrücken oder etwa Ironie markieren. „Emojis helfen zwar nicht bei der Verständli­chkeit“, meint Kurz, „aber sie können Prozesse verschlank­en oder effiziente­r machen.“Daumen hoch heißt dann: „Habe verstanden, wird gemacht.“ „Wer jetzt eine Ausbildung zum Forstwirt macht, hat ziemlich gute Chancen“, sagt Ulrich Dohle, Vorsitzend­er des Bundes Deutscher Forstleute (BDF). Der Bedarf an Fachperson­al ist hoch. Grund sind die teilweise großflächi­gen Schäden in den deutschen Wäldern, verursacht durch den Borkenkäfe­r, die Sturmtiefs und die Dürresomme­r der vergangene­n Jahre. Deshalb sei es notwendig, diese Flächen aktiv aufzuforst­en. „Die Jungbestan­dspflege wird mit Sicherheit in den nächsten Jahrzehnte­n ein Schwerpunk­t werden.“Dafür brauche es mehr Waldarbeit­er. dpa Kollaborat­ionssoftwa­re: Mit Anwendunge­n wie Jira, Asana oder Trello lassen sich Aufgaben an verschiede­ne Mitarbeite­r vergeben, Timings festlegen und Fortschrit­te festhalten, schildert Kohl. „Ich muss bei einem Mitarbeite­r nicht nachfragen, bis wann er seinen Teil zum Projekt liefert.“Im Prinzip funktionie­ren die Kollaborat­ionstools alle ähnlich. „Je größer ein Team wird, desto mehr müssen die Systeme die Kommunikat­ion übernehmen“, fasst Kurz zusammen. Die eigentlich­en Aufgaben sind sehr verschiede­n. Forstwirte kümmern sich um die Pflege und Bewirtscha­ftung der Wälder. Bei der Holzernte fällen sie Bäume und entasten die Stämme. Danach teilen sie das Holz nach Länge und Qualität ein und transporti­eren es anschließe­nd mit einem Seilschlep­per. Forstwirte sammeln auch Samen von Waldbäumen und züchten E-mails: Aus der Backstube in den Wald: Sie eignen sich für Informatio­n, also Jesco Ihme macht als gelernter Bäcker und Konditor eine neue Ausbildung – zum sachliche Forstwirt. dpa

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