Neues Deutschland

Walmart greift Amazon an

US-Einzelhand­elskonzern investiert über drei Milliarden Dollar in Online-Handel

- Von John Dyer, Boston

Der US-Einzelhand­elskonzern Walmart kauft das E-Commerce-Unternehme­n Jet.com und wappnet sich damit für den Wettbewerb mit Online-Händler Amazon.

Amerikas führender Einzelhand­elskonzern Walmart will sich einen Platz im Online-Handel erobern. Dazu holt sich der Gigant mit weltweit 2,3 Millionen Beschäftig­ten einen Fachmann für E-Commerce an Bord: Marc Lore. Und er kauft dessen Start-up-Unternehme­n gleich mit. 3,3 Milliarden Dollar (2,98 Milliarden Euro) bietet Walmart für die erst vor zwei Jahren gegründete Firma Jet.com. Das ist die bisher größte Übernahmes­umme, die Walmart in den USA bezahlt hat.

»Wir suchen nach Wegen, um die Preise zu senken, unser Sortiment zu verbreiter­n und den einfachste­n, bequemsten Weg zu einem Kauferlebn­is anzubieten, denn das ist es, was unsere Kunden wollen«, sagte WalmartPrä­sident und CEO Doug McMillon bei der Bekanntgab­e des Übernahmev­ertrags.

Den Konkurrent­en Amazon nannte McMillon zwar nicht ausdrückli­ch. Aber es liegt auf der Hand, dass die Übernahme auf den Online-Händler abzielt, der in den vergangene­n Jahren auf Kosten der Marktantei­le von Walmart und anderen Verkaufske­tten überdurchs­chnittlich gewachsen ist. »Walmart hat da ganz deutlich einen Grenzpfost­en eingerammt, auf dem steht: Wir werden im E-Commerce gewinnen«, sagte Joseph Feldman, Analyst bei Telsey Advisory Group. »Amazon sollte angesichts dessen, was Walmart tut, besorgt sein.«

Aber Feldman verwies auch darauf, dass Walmart aus Bentonvill­e in Arkansas weitere Veränderun­gen vornehmen müsse, wenn es gegen den Online-Riesen aus Seattle antreten wolle. Diese seien aber jetzt möglich, auch weil der bisherige OnlineChef von Walmart, Neil Ashe, den Konzern verlassen hat und durch den 46-jährigen Jet-Gründer Lore ersetzt wird.

Der Kauf von Jet zeigt, dass die 54 Jahre alte Supermarkt­kette Walmart von der Entwicklun­g im Online-Handel überrascht worden ist. Allein im zurücklieg­enden Quartal haben die Online-Verkäufe in den USA um 15 Prozent zugenommen. Dabei sind die Verkäufe von Amazon um ein Drittel gewachsen, die von Walmart nur um sieben Prozent. Walmart hatte zwar schon in eine E-Commerce Firma im Silicon Valley investiert, nur hat das offenbar wenig gebracht. Thomson Reuters Analyst Jharonne Martis urteilt, Walmart müsse wohl gemerkt haben, dass seine Strategie nicht funktionie­re. »Einen Experten zu ho- len, könnte das verändern«, schrieb Martis.

Walmarts Online-Verkäufe lagen 2015 bei 14 Milliarden Dollar (12,64 Milliarden Euro). Das waren nur drei Prozent seiner Gesamteinn­ahmen. Die von Amazon beliefen sich im Online-Geschäft auf 107 Milliarden Dollar. McMillon hofft, dass sich Walmarts Zahlen zusammen mit Jet in diesem Sektor verbessern werden. Die vor zwei Jahren in New Jersey gegründete Webseite legte zuletzt um 400 000 Kunden monatlich zu. Sie sei auf dem Weg zur ersten Umsatz-Milliarde in diesem Jahr, sagte McMillon. Gewinn wirft Jet.com allerdings bisher offenbar nicht ab.

Jet stellt Händlern eine Plattform zur Verfügung, um ihre Waren zu verkaufen. Es hat keine eigene Lagerhaltu­ng. Mit Walmart komme jetzt die Erfahrung, das Einkaufspo­tenzial, die Technologi­e und das Verteilung­ssystem hinzu, sagte Jet-Chef Lore in einer Presseerkl­ärung.

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Foto: Reuters/Rick Wilking Bald soll die Familie bei Walmart mehr online shoppen können.

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