90 Jah­re und kein biss­chen lei­se

Kir­chen­mu­sik­di­rek­tor Wolf­gang Kahl lädt ein in den Fürs­ten­wal­der Dom

Neues Deutschland - - Brandenburg - Von Sy­bil­le Gu­rack

Aät-Kir­chen­mu­sik­di­rek­tor Woäf­gang Kahä gibt anääs­säich sei­nes 60. Ge­burts­ta­ges im St. Ma­ri­en Dom­mit eins­ti­gen Mit­strei­tern ein Kon­zert.

Be­geis­ter­te Lai­en­mu­si­ker, pro­fes­sio­nel­le Vo­ka­lis­ten, In­stru­men­ta­lis­ten und in­ter­na­tio­nal ge­ach­te­te Künst­ler ge­stal­ten an die­sen Sams­tag im Dom St. Ma­ri­en zu Fürs­ten­wal­de (OderSpree) ein Kon­zert der ganz be­son­de­ren Art. Ge­mein­sam wer­den sie un­ter Lei­tung des Kir­chen­mu­sik­di­rek­tors i. R. Wolf­gang Kahl mu­si­zie­ren – es ist sein Kon­zert an­läss­lich sei­nes 90. Ge­burts­ta­ges.

Wolf­gang Kahl und sei­ne Frau An­ne­ma­rie le­ben seit 1951 in Fürs­ten­wal­de an der Spree. Su­per­in­ten­dent Hil­le­brandt be­schränk­te da­mals die Ein­stel­lung des jun­gen Hoch­schul­ab­sol­ven­ten vor­sichts­hal­ber auf ein Vier­tel­jahr. Doch in der Zeit wuss­te Kahl zu über­zeu­gen und wur­de zum ers­ten haupt­amt­li­chen Kir­chen­mu­si­ker der Sankt-Ma­ri­en-Dom­ge­mein­de. Für sa­ge und schrei­be 42 Jah­re.

An­fangs galt sei­ne größ­te Auf­merk­sam­keit dem Chor. Kaum je- mand konn­te da­mals No­ten le­sen. Es gab auch so gut wie kei­ne. Und hat­te man doch wel­che, so muss­te man sie per Hand ver­viel­fäl­ti­gen, al­so ab­schrei­ben.

Um ein Orches­ter zu re­kru­tie­ren, or­ga­ni­sier­ten die Kahls Un­ter­stüt­zung von aus­wärts: Stu­den­ten aus Ber­lin, das DEFA-Sin­fo­nie­or­ches­ter, die Staats­ka­pel­le... Die Ehe­leu­te mo­ti­vier­ten die Mu­si­ker für die recht auf­wen­di­ge An­rei­se mit all den In­stru­men­ten, in­dem sie bei­spiels­wei­se ar­gu­men­tier­ten, dass es doch ei­ne gu­te Orches­ter­pro­be sei, in Fürs­ten­wal­de zu spie­len. Die Mu­si­ker wur­den in Haus­hal­ten von Chor­mit­glie­dern auf­ge­nom­men, wo­durch sich Freund­schaf­ten ent­wi­ckel­ten, die zum Teil bis heu­te an­hal­ten.

Als spä­ter Kahls Töch­ter an Spe­zi­al­schu­len ih­re mu­si­ka­li­sche Aus­bil­dung auf­nah­men, tra­ten sie ge­mein­sam mit Stu­di­en­kol­le­gen in Fürs­ten­wal­de auf. Und sie un­ter­stütz­ten die Dom­kan­to­rei auch noch, als sie längst zur Eli­te Deutsch­lands ge­hör­ten – und tun das heu­te noch.

Im Jah­re 1964 wur­den die Wo­che­n­end-Rüs­ten in der Evan­ge­li­schen Ju­gend­bil­dungs- und Be­geg- nungs­stät­te Hir­schluch bei Stor­kow ein­ge­führt, ge­mein­sa­me Fahr­ten, die die über­aus herz­li­che Ge­mein­schaft der Chö­re noch ver­stärk­ten. Ab 1968 di­ri­gier­te Wolf­gang Kahl auch in der Ka­tho­li­schen Kir­che St. Jo­han­nes Bap­tist. Sie bot ei­ne bes­se­re Akus­tik, mehr Platz – und die Freund­schaft bei­der Kir­chen­ge­mein­den wuchs fort­an.

1970 be­gan­nen die Rei­sen der Kin­der- und Ju­gend­kan­to­rei. Chor­fahr­tKol­lek­ten, Mu­sik-Kas­set­ten-Ver­käu­fe und Be­ne­fiz­kon­zer­te brach­ten der Dom­ge­mein­de – für den Wie­der­auf­bau des bei den Kämp­fen im April 1945 weit­ge­hend zer­stör­ten Do­mes – mehr als 100 000 Mark ein.

Vor ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert – im Jah­re 1993 – wur­de Wolf­gang Kahl Eh­ren­bür­ger von Fürs­ten­wal­de. An­lass für die­se Eh­rung war sei­ne Ver­ab­schie­dung in den Ru­he­stand – in dem er al­ler­dings bis zum heu­ti­gen Ta­ge nicht an­ge­kom­men ist. Wolf­gang Kahl ist sei­ner Mu­sik treu ge­blie­ben, auch hat er mitt­ler­wei­le be­reits zwei Bü­cher ge­schrie­ben, in de­nen sich vie­le Fürs­ten­wal­der wie­der­fin­den. Sei­ne Bü­cher kann man im Dom kau­fen.

Den Ti­tel für sein ei­ge­nes Ge­burts­tags­kon­zert hat Kahl mit Be­dacht ge­wählt: »LOBE DEN HER­REN«. Das be­kann­te Lied »Lobe den Her­ren, den mäch­ti­gen Kö­nig der Eh­ren« drü­cke so wun­der­bar aus, was ei­nen Ju­bi­lar an sei­nem 90. Ge­burts­tag be­wegt, sagt er.

Fast je­der der agie­ren­den Chor­mit­glie­der, In­stru­men­ta­lis­ten und So­lis­ten ist aus der Fürs­ten­wal­der Kin­der- und Ju­gend­kan­to­rei oder ei­ner an­de­ren Ch­or­grup­pe der Dom­kan­to­rei her­vor­ge­gan­gen. Kahl zu eh­ren, ha­ben sie mit Freu­de mo­na­te­lang viel Auf­wand in Kauf ge­nom­men. Der weiß das zu schät­zen: »Es war oft auch nicht leicht, sich auf Pro­be­zei­ten und -or­te zu ei­ni­gen. Al­le ha­ben ih­re all­täg­li­chen Ver­pflich­tun­gen bei der Ar­beit oder beim Stu­di­um, in der Fa­mi­lie und in ih­ren an­ge­stamm­ten Mu­sik­grup­pen. Al­le sind so­wie­so viel be­schäf­tigt und kom­men aus Ber­lin, Frank­furt (Oder), Cott­bus, Fürs­ten­wal­de und an­ders­wo«, sagt der 90-Jäh­ri­ge.

Dom St. Ma­ri­en Fürs­ten­wal­de, Sams­tag 14. Ju­li, 19 Uhr, , Dom­platz 10, 15517 Fürs­ten­wal­de, Ein­tritt frei

Fo­to: S. Gu­rack

Eh­ren­bür­ger (v.l.): Kir­chen­mu­sik­di­rek­tor i.R. Wolf­gang Kahl, Su­per­in­ten­dent i.R. Gün­ter Kuhn, Fried­rich St­achat, Su­per­in­ten­dent i.R. Eck­hard Ficht­mül­ler

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