Die Frau vor den Män­nern

Mo­ni­ka Satt­ler fährt die Vu­el­ta – und will an­de­re an­spor­nen, sich ih­re Träu­me zu er­fül­len

Neues Deutschland - - Sport -

Mo­ni­ka Satt­ler be­strei­tet als ers­te Frau die Spa­ni­en­rund­fahrt – die ge­sam­te Stre­cke, nur we­ni­ge St­un­den vor dem Pro­fi-Pe­lo­ton der Män­ner. Die 33-jäh­ri­ge Deut­sche, die jetzt auf Mallor­ca lebt und frü­her für die Welt­bank und IBM tä­tig war, will da­mit nicht in ers­ter Li­nie für mehr Frau­en­ren­nen im Pro­fi­rad­sport wer­ben, son­dern Men­schen in­spi­rie­ren, ih­ren ei­ge­nen Le­benstraum zu rea­li­sie­ren, er­zähl­te sie Tom Mus­troph. Fo­to: Tom Mus­troph

Wie ka­men Sie auf Ih­re Pio­nie­r­idee, die Spa­ni­en­rund­fahrt als ers­te Frau kom­plett ab­zu­fah­ren? Ur­sprüng­lich ging es gar nicht um die Vu­el­ta. Ich war zu die­sem Zeit­punkt nicht glück­lich mit mei­nem Job. Und ich ha­be ge­merkt, wenn ich jetzt wirk­lich et­was än­dern will in mei­nem Le­ben und mein ei­ge­nes Ding durch­zie­hen will, dann muss ich das ein­fach ma­chen. Ich ha­be al­so mei­nen Job bei IBM in Aus­tra­li­en auf­ge­ge­ben und bin mit mit ei­ner Tasche und sonst nichts nach Ma­la­ga ge­zo­gen. Die Idee mit der Vu­el­ta kam, als ich den ers­ten Schritt ge­macht hat­te und ge­merkt ha­be, es geht. Jetzt kom­me ich hier mit vie­len Men­schen ins Ge­spräch. Die wol­len jetzt vi­el­leicht nicht gleich ih­ren Job hin­schmei­ßen, aber doch et­was ma­chen, was sie sich aber sonst nicht trau­en.

In Frank­reich gibt es die Initi­tai­ve »Don­nons des el­les au ve­lo«. Die Frau­en fah­ren dort die Etap­pen der Tour de Fran­ce im­mer ei­nen Tag vor den Pro­fis und set­zen sich für ei­ne Frank­reich­rund­fahrt der Frau­en ein. Ha­ben Sie Kon­takt mit­ein­an­der? Das glei­che An­lie­gen?

Nein, wir ha­ben kei­nen Kon­takt. Ich ha­be auch erst spät von ih­nen er­fah­ren. Mei­ne Mes­sa­ge ist auch eher, dass ich Leu­te in­spi­rie­ren möch­te, dass sie die Sa­chen, die sie sich wün­schen, die ih­nen aber un­mög­lich er­schei­nen, ein­fach ver­su­chen zu ma­chen. Das geht über den Rad­sport hin­aus. Wenn mein Bei­spiel aber Frau­en er­mu­tigt, mehr Rad zu fah­ren und sich in ei­ner von Män­nern do­mi­nier­ten Um­ge­bung durch­zu­set­zen, ist das auch gut.

Ist bei Ih­rer Vu­el­ta-Un­ter­neh­mung mehr Freu­de und Ver­gnü­gen im Spiel oder doch mehr Ver­aus­ga­bung und An­stren­gung? Ha­ben Sie manch­mal ge­dacht: »War­um tue ich mir das al­les an?

Die­se Mo­men­te gab es ei­gent­lich vor­her. Ich muss­te ja al­les sel­ber or­ga­ni­sie­ren. Das war al­les we­sent­lich schwie­ri­ger als tat­säch­lich zu fah­ren. Sind Sie auf der ge­sam­ten Stre­cke al­lein oder ha­ben Sie Be­glei­tung? Nur bei zwei Etap­pen war ich ganz al­lein. Ich la­de ge­ne­rell Leu­te ein mit­zu­fah­ren. Oft kom­men Rad­sport­ler aus der Re­gi­on, manch­mal gan­ze Teams und fah­ren mit mir ge­mein­sam die Etap­pe. Kön­nen Sie Ih­ren Ta­ges­ab­lauf be­schrei­ben, wann Sie auf­ste­hen, wann sie los­fah­ren und wie lan­ge Sie brau­chen?

Ich ste­he zwi­schen vier und fünf Uhr auf – um vier, wenn es ei­ne lan­ge und schwe­re Etap­pe ist, bei 200 Ki­lo­me­tern zum Bei­spiel. Dann früh­stü­cken wir um 4.30 Uhr, fah­ren um fünf zum Ki­lo­me­ter Null, wo die Etap­pe star­tet. Und um 5.30 Uhr sit­ze ich meis­tens schon auf dem Rad. Ich fah­re dann meist bis 13, ma­xi­mal 15 Uhr zum Ziel. Da­nach gibt es Mit­tag­es­sen. Und dann fah­ren wir noch zum nächs­ten Ho­tel. Das kann bei lan­gen Trans­fers auch noch zwei St­un­den dau­ern. Und dann ist es schon fünf oder sechs Uhr abends. Ich du­sche und schrei­be da­nach noch auf, was ich al­les ge­macht und er­lebt ha­be. Um acht Uhr Abend­es­sen und um neun ge­he ich ins Bett.

Sie fah­ren die ori­gi­na­le Vu­el­ta-Stre­cke. Ist schon al­les auf­ge­baut, wenn sie an­kom­men? Wie re­agie­ren die Or­ga­ni­sa­to­ren, wie die Fans?

Es kommt auf den Tag drauf an. Ein­mal war die kom­plet­te Be­schil­de­rung schon da, am nächs­ten Tag war nichts zu fin­den. Da ha­be ich un­ter­wegs ge­dacht, ich bin auf der fal­schen Stre­cke. In­zwi­schen ist es so, dass die Po­li­zis­ten an der Zi­el­li­nie mich schon ken­nen. Die las­sen mich durch. Es ka­men auch schon Leu­te mit Trans­pa­ren­ten, auf de­nen mein Na­me stand.

Schau­en Sie sich ei­gent­lich auch die Vu­el­ta der Pro­fis an? Sie sind ja schon im Ziel, wenn das Pe­lo­ton noch auf dem Weg ist.

Nein. Ich ver­su­che, das zu ver­mei­den, ganz ehr­lich. Denn wenn die Pro­fis kom­men, gibt es über­all To­tal­ab­sper­run­gen. Des­halb ver­su­che ich, so früh wie mög­lich da weg­zu­kom­men, um schnell mei­ne Er­ho­lung zu fin­den.

Die Vu­el­ta-Or­ga­ni­sa­to­ren un­ter­stüt­zen Sie?

Sa­gen wir so: Sie to­le­rie­ren mich. Ich ha­be ei­ne Ak­kre­di­tie­rung be­kom­men. Aber ich ha­be auch ei­ne Nach­richt von ih­nen er­hal­ten, dass sie mir ver­bie­ten wol­len, die letz­te Etap­pe zu fah­ren, weil die Stre­cke dann ab­ge­sperrt ist. Da muss ich mir noch über­le­gen, wann ich mor­gens los­fah­re, da­mit ich kei­ne Pro­ble­me be­kom­me.

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