Orb­ans neu­er Laut­spre­cher

Me­di­en­hol­ding braucht kei­ne Kar­tell­über­prü­fung

Neues Deutschland - - Politik - Von Tho­mas Ro­ser, Bel­grad

In die Ver­le­gen­heit, ein­grei­fen zu müs­sen, lässt Un­garns Re­gie­rungs­chef Vik­tor Or­ban die hei­mi­schen Kar­tell­be­hör­den erst gar nicht kom­men. Per Er­lass hat der Chef der na­tio­nal­po­pu­lis­ti­schen Fi­desz-Par­tei sich kur­zer­hand selbst grü­nes Licht für sein Vor­ha­ben der Schaf­fung ei­nes neu­en Re­gie­rungs­laut­spre­chers ge­ge­ben: Der En­de No­vem­ber an­ge­kün­dig­te Zu­sam­men­schluss von 400 re­gie­rungs­na­hen Me­di­en in der neu­en »Mit­tel­eu­ro­päi­schen Pres­se- und Me­dien­stif­tung« ist mit Hil­fe ei­ner von dem Pre­mier un­ter­zeich­ne­ten Aus­nah­me­re­ge­lung von der Not­wen­dig­keit ei­ner Über­prü­fung durch Un­garns Kar­tell- und Me­di­en­auf­sichts­be­hör­den aus­ge­nom­men wor­den.

Die Über­prü­fungs­be­frei­ung für das neue Kon­glo­me­rat, des­sen Me­di­en bis­her rund 37 Pro­zent der Ein­nah­men auf den un­ga­ri­schen An­zei­gen- und Wer­be­märk­te er­zie­len, wird in dem Er­lass mit des­sen »na­tio­nal­stra­te­gi­scher Be­deu­tung« be­grün­det. Die bis­he­ri­gen Ei­gen­tü­mer der in die Stif­tung per »Schen­kung« ein­ge­brach­ten Zei­tun­gen, In­ter­net­por­ta­le, TV- und Ra­dio­sen­der gel­ten als Fi­desz-na­he Ge­schäfts­leu­te.

Of­fi­zi­ell ver­kün­de­tes Ziel der Stif­tung ist es, »zum Über­le­ben der un­ga­ri­schen Pres­se­kul­tur bei­zu­tra­gen«. Ob­wohl die von ihr ver­ein­ten Me­di­en schon auf stram­mer Re­gie­rungs­li­nie se­gel­ten, ist laut ein­hei­mi­schen Ana­lys­ten von dem Kon­glo­me­rat ei­ne wei­te­re Ver­ein­heit­li­chung der Me­dien­land­schaft zu er­war­ten. Da­für dürf­te nicht zu­letzt der de­si­gnier­te Stif­tungs­vor­sit­zen­de, der Ver­le­ger und Or­ban-Ver­trau­te, Ga­bor Lisz­kay sor­gen. Mit der Bün­de­lung der re­gie­rungs­na­hen Me­di­en dürf­te de­ren Be­richt­er­stat­tung in Zu­kunft noch stär­ker kon­trol­liert und ge­steu­ert wer­den.

Die Schaf­fung der Stif­tung zei­ge, dass Or­ban selbst mit den von sei­ner Par­tei kon­trol­lier­ten Me­di­en un­zu­frie­den sei, so Mar­ton Ger­ge­ly, Po­li­ti­k­re­dak­teur des un­ab­hän­gi­gen Nach­rich­ten­ma­ga­zin »HVG«, in ei­nem In­ter­view mit dem Deutschlandfunk: Mit de­ren Fu­si­on wol­le er Ord­nung im ei­ge­nen Hin­ter­hof schaf­fen.

Auf der »Rang­lis­te der Pres­se­frei­heit« ist Un­garn seit 2010 vom 23. auf den 73. Rang ge­fal­len.

Mit der neu­en Stif­tung soll Un­garns pri­va­te Me­dien­land­schaft of­fen­bar nach dem Mo­dell der öf­fent­lich-recht­li­chen Me­di­en um­ge­mo­delt wer­den, die zen­tral mit Nach­rich­ten be­lie­fert und kon­trol­liert wer­den. Ei­ne »to­ta­le Kon­trol­le« über die rechts­las­ti­gen Re­gie­rungs­me­di­en, er­war­tet das Me­di­en­ana­ly­se-In­sti­tut Mer­tek in Bu­da­pest. Laut dem li­be­ra­len »In­dex.hu«-Por­tal ist da­mit zu rech­nen, dass die in der Stif­tung ver­ein­ten Me­di­en Re­gie­rungs­pro­pa­gan­da ver­brei­ten und die öf­fent­li­che Mei­nung wei­ter ver­ein­heit­li­chen dürf­te.

Di­rek­te Kon­se­quen­zen des neu­en Ver­bunds ha­ben Un­garns un­ab­hän­gi­ge Me­di­en zwar vor­läu­fig noch nicht zu fürch­ten. Doch hei­mi­sche Jour­na­lis­ten wie Ger­ge­ly schlie­ßen nicht aus, dass die Re­gie­rung künf­tig Stif­tungs­me­di­en per Ge­setz be­vor­zu­gen und an­de­re be­nach­tei­li­gen wer­de. Seit der er­neu­ten Macht­über­nah­me von Vik­tor Or­ban im Jahr 2010 ist Un­garn auf der von »Re­por­ter oh­ne Gren­zen« jähr­lich ver­öf­fent­lich­ten »Rang­lis­te der Pres­se­frei­heit« be­reits schon jetzt um 50 Plät­ze vom 23. auf den 73. Rang ge­pur­zelt – und dürf­te mit der staat­lich for­cier­ten Me­di­en­kon­zen­tra­ti­on und ver­stärk­ten Kon­trol­le noch wei­ter fal­len.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.