Ge­heim­nis­krä­me­rei

Netz­wo­che

Neues Deutschland - - Feuilleton - Von Ro­bert D. Mey­er

Hans-Ge­org Maa­ßen ist zwar seit ei­ni­gen Wo­chen kein Prä­si­dent des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz (BfV) mehr, doch dem Ge­heim­dienst bringt sein Ex-Chef wei­ter Är­ger ein. Der hat­te sich in sei­ner Amts­zeit fünf Mal zu Ge­sprä­chen mit AfD-Po­li­ti­kern ge­trof­fen, dar­un­ter mit Par­tei­chef Alexander Gau­land und der frü­he­ren Vor­sit­zen­den Frau­ke Pe­try. Wo­rum es da­bei ging, ob Maa­ßen die Par­tei et- Wei­te­re Bei­trä­ge fin­den Sie un­ter da­snd.de/netz­wo­che wa be­riet, wie sie ei­ner mög­li­chen Über­wa­chung durch sei­ne Be­hör­de ent­ge­hen könn­te, dar­über gibt es un­ter­schied­li­che Darstel­lun­gen.

AfD-Chef Gau­land be­haup­te­te im Sep­tem­ber, er ha­be den da­ma­li­gen BfV-Prä­si­den­ten drei Mal ge­trof­fen. Da­bei ha­be Maa­ßen an­ge­bo­ten, dass er sich an ihn wen­den kön­ne, falls es Pro­ble­me gibt. Zu­min­dest ein­mal sei dies nach Darstel­lung Gau­lands spä­ter so­gar der Fall ge­we­sen. Da­bei ging es um den Ver­dacht, es könn­te sich ein »Ein­fluss­agent der Rus­sen« in die AfDBun­des­tags­frak­ti­on ein­ge­schli­chen ha­ben. Der Ge­heim­dienst­chef sei dar­auf­hin der Fra­ge nach­ge­gan­gen und ha­be ei­ni­ge Ta­ge spä­ter Ent­war­nung ge­ben kön­nen.

Die frü­he­re Par­tei­che­fin Pe­try wie­der­um ver­wei­gert je­de Aus­sa­ge dar­über, wo­rum es bei ih­rem Tref­fen mit Maa­ßen im Jahr 2015 ging. Nach Aus­sa­ge des Ex-AfD-Mit­glieds Fran­zis­ka Schrei­ber soll der Ge­heim­dienst­chef Pe­try zu ei­nem Par­tei­aus­schluss­ver­fah­ren ge­gen Björn Hö­cke ge­ra­ten ha­ben, um da­mit ei­ne bun­des­wei­te Be­ob­ach­tung der AfD durch den Ver­fas­sungs­schutz zu ver­hin­dern.

Ob das stimmt? Da sich Pe­try nicht zu den ge­nau­en Vor­gän­gen äu­ßern will, könn­te nur noch Maa­ßen end­gül­tig für Auf­klä­rung sor­gen.

Der be­strei­tet die Ge­sprä­che mit Gau­land und Pe­try nicht. Maa­ßen und das BfV ver­wei­gern aber je­de kon­kre­te Aus­kunft zum In­halt der Tref­fen. Ge­gen­über dem In­nen­aus­schuss be­stritt er in ei­ner nicht­öf­fent­li­chen Sit­zung, dass er die Par­tei be­ra­ten ha­be. An­sons­ten herrscht zu wei­te­ren Fra­gen aber Schwei­gen. Sei­ne Be­grün­dung? Mit den be­tref­fen­den AfDPo­li­ti­kern sei Still­schwei­gen ver­ein­bart wor­den.

So ein­fach dür­fen es sich der Ver­fas­sungs­schutz und sein Ex-Prä­si­dent aber nicht ma­chen, ent­schied die­se Wo­che das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln nach ei­ner Kla­ge des »Ta­ges­spie­gel«. Als Mit­ar­bei­ter des Ge­heim­diens­tes dür­fe Maa­ßen au­ßer­halb zu­stän­di­ger Gre­mi­en mit Drit­ten oh­ne­hin nur über An­ge­le­gen­hei­ten spre­chen, die nicht der Ge­heim­hal­tung un­ter­lie­gen. Und über In­hal­te, die nicht ge­heim blei­ben müs­sen, ist die Be­hör­de wie­der­um ver­pflich­tet, auf Nach­fra­ge Aus­kunft zu er­tei­len.

Soll hei­ßen: Weil Maa­ßen mit der AfD so­wie­so nicht über ver­trau­li­che Din­ge spre­chen durf­te, kann we­der der Ge­heim­dienst als auch sein ExChef Jour­na­lis­ten­an­fra­gen nicht ein­fach mit dem Ver­weis auf an­geb­li­che Ge­heim­hal­tung ab­wei­sen.

Der »Ta­ges­spie­gel« ver­mu­tet, dass das Ur­teil über den Fall hin­aus Fol­gen ha­ben könn­te. »Mit dem Ge­richts­be­schluss könn­te die Pra­xis ver­trau­li­cher Tref­fen von BfV-Chefs mit Po­li­ti­kern künf­tig ein En­de ha­ben«, schluss­fol­gert Jost Müller-Neu­hof auf ta­ges­spie­gel.de. Noch ist das Ur­teil nicht rechts­kräf­tig. Das BfV kann beim Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Nord­rhein­West­fa­len Be­schwer­de ein­le­gen.

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