Kampf um Lohn­gleich­heit bei der BVG

Ein Bus­fah­rer wehrt sich vor Ge­richt ge­gen die un­glei­che Be­hand­lung bei Ver­kehrs­be­trie­ben und Toch­ter­fir­ma

Neues Deutschland - - Hauptstadtregion - Von Pe­ter No­wak

Seit 18 Jah­ren ar­bei­tet Lothar Erich Kurth für die BVG. Weil er jah­re­lang bei ei­ner Toch­ter­fir­ma be­schäf­tigt war, be­kommt er fast 300 Eu­ro we­ni­ger Ge­halt als sei­ne Kol­leg*in­nen. Da­ge­gen wehrt er sich vor Ge­richt. Sei­ne Kla­ge hat Lothar Erich Kurth am Mitt­woch vor dem Ber­li­ner Ar­beits­ge­richt ver­lo­ren, sei­nen Kamp­fes­mut nicht. »Ich wer­de mich wei­ter po­li­tisch weh­ren und prü­fe mit mei­nen An­walt auch wei­te­re ju­ris­ti­sche Schrit­te. Denn es geht hier nicht nur um mich, son­dern um Hun­der­te Kol­leg*in­nen, die bei den Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­ben Lohn­ein­bu­ßen ha­ben, weil sie aus­ge­glie­dert wur­den, er­klär­te Kurth ge­gen­über »nd«.

280 Eu­ro hat er mo­nat­lich we­ni­ger auf sei­nem Kon­to als sei­ne Kol­leg*in­nen, die wie er vor 18 Jah­ren als Bus­fah­rer*in­nen in Berlin an­ge­fan­gen ha­ben. Der Grund liegt dar­in, dass Kurth 14 Jah­re bei der BT-Trans­port GmbH be­schäf­tigt war. Sie ist als Toch­ter­fir­ma der Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­be (BVG) ge­grün­det wor­den und auch zu 100 Pro­zent de­ren Ei­gen­tum. Erst 2014 wech­sel­te Kurth zur BVG. Krank­heits­be­dingt kann er nicht mehr als Fah­rer ein­ge­setzt wer­den und ar­bei­tet seit­dem als Bahn­hof­be­treu­er. So be­kommt er nicht mehr den Lohn ei­nes Fah­rers, son­dern nur noch den ei­nes Bahn­hof­be­treu­ers.

»Wä­re er von An­fang an bei der BVG be­schäf­tigt ge­we­sen, hät­te Kurth un­strei­tig ei­nen An­spruch aus de­ren Ta­rif­ver­trag auf ei­nen mo­nat­li­chen Ent­gelt­aus­gleich in Hö­he die­ses Ge­halts­ver­lus­tes. Da er aber zu­nächst bei der BT Berlin Trans­port GmbH ar­bei­te­te, wur­de ihm die­ser An­spruch ver­wei­gert. Ge­gen die­se Un­gleich­be­hand­lung ha­ben wir ge­klagt,« er­klär­te Kurths An­walt Be­ne­dikt Hop­mann ge­gen­über »nd«. Das Ge­richt folg­te die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on je­doch nicht: Da der Ta­rif­ver­trag der Toch­ter­fir­ma gültig sei, lie­ge auch kein Ver­stoß ge­gen das Gleich­heits­ge­bot vor.

Hop­mann sieht aber vor al­lem die Po­li­tik in der Pflicht. Am Fall von Kurth ha­be sich ge­zeigt, wel­che Fol­gen die Po­li­tik der Aus­glie­de­rung hat. Es muss jetzt dar­um ge­hen, als ers­ten Schritt al­le zir­ka 3000 aus­ge­glie­der­ten Be­schäf­tig­ten von der BT-Trans­port Gmbh wie­der in die BVG ein­zu­g­lie- dern. Beim Bo­ta­ni­schen Gar­ten ist das er­folg­reich ge­lun­gen, nach­dem Be­schäf­tig­te ge­mein­sam mit der Di­enst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di über meh­re­re Jah­re da­für ge­kämpft ha­ben (»nd« be­rich­te­te). »Was bei den Bo­ta­ni­schen Gar­ten mit sei­ner klei­nen Be­leg­schaft ge­lun­gen ist, muss auch bei der BVG mit über 13 000 Be­schäf­tig­ten mög­lich sein«, ist Hop­mann über­zeugt.

Bei der Be­leg­schaft fin­de er viel Un­ter­stüt­zung, er­klärt Kurth ge­gen­über »nd«. Gut 150 Kol­leg*in­nen ha­ben sich per Un­ter­schrift mit Kurth so­li­da­risch er­klärt. Zu sei­nen Un­ter­stüt­zern ge­hört ver.di-ak­tiv, die Or­ga­ni­sa­ti­on en­ga­gier­ter Ge­werk­schafts­mit­glie­der bei der BVG. Auch die Ber­li­ner Ak­ti­on ge­gen Ar­beits­un­recht (Ba­ga), ein au­ßer­be­trieb­li­ches So­li­da­ri­täts­netz­werk, hat sich mit Kurth so­li­da­ri­siert. Der sieht den rot-rot-grü­nen Ber­li­ner Se­nat in der Pflicht. Schließ­lich ha­be der in den Ko­ali­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen die schnel­le Wie­der­ein­glie­de­rung der Toch­ter­fir­men in die Mut­ter­un­ter­neh­men ver­ein­bart.

»Ich er­war­te, dass die BVG ge­mein­sam mit der zu­stän­di­gen Ge­werk­schaft ver.di nach We­gen sucht, um die­ses po­li­tisch ver­ein­bar­te Ziel auch für die Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­be und ih­re Toch­ter Berlin Trans­port um­zu­set­zen«, er­klär­te der ge­werk­schafts­po­li­ti­sche Spre­cher der Frak­ti­on der LIN­KEN im Bun­des­tag, Pas­cal Mei­ser.

Fo­to: dpa/Ro­bert Schlesinger

Nicht al­le Bus­fah­rer ver­die­nen das Glei­che.

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