Kou­raish Jaouah­dou

Neues Deutschland - - Tagesthema Tunesien - Por­träts und Fo­tos: Mir­co Keil­berth

»Ich hal­te es für nicht sehr klug, die­je­ni­gen zu un­ter­stüt­zen, die bis­lang mit je­der Wahl ih­re Glaub­wür­dig­keit bei den Wäh­lern ver­lo­ren ha­ben.« Die Au­gen von Kou­raish Jaouah­dou fun­keln. Sei­ne Kri­tik an der be­din­gungs­lo­sen Un­ter­stüt­zung der neue po­li­ti­sche Eli­te Tu­ne­si­ens gilt der Eu­ro­päi­schen Uni­on und der Welt­bank. Dass Tu­ne­si­en den gro­ßen Kon­flikt durch Kom­pro­mis­se ver­mei­den konn­te, dür­fe kei­ne Aus­re­de da­für sein, den Kampf ge­gen Kor­rup­ti­on und Vet­tern­wirt­schaft nicht mehr ein­zu­for­dern.

Mit sei­nen Kol­le­gen vom Bür­ger­pro­jekt »Ati­de« will der Va­ter von zwei Kin­dern das ma­chen, was er bei in­ter­na­tio­na­len Di­plo­ma­ten ver­misst: Par­tei­en und Ab­ge­ord­ne­ten auf die Fin­ger schau­en. Das »Ati­de«- Team be­ob­ach­tet Wah­len, macht Um­fra­gen und for­dert die Um­set­zung von Ge­set­zen ein. »Aber auch die Bür­ger müs­sen erst ler­nen, dass sie es sind, die ge­wähl­te Po­li­ti­ker und Bür­ger­meis­ter zur Re­chen­schaft zie­hen kön­nen.«

Jaouah­dou reist an Wo­che­n­en­den oft in ent­le­ge­ne Re­gio­nen und klärt Bür­ger­initia­ti­ven auf, wie sie zu­sam­men mit den Kom­mu­nal­ver­wal­tun­gen Pro­jek­te durch­füh­ren. Das Kon­zept der Teil­ha­be ist neu in den tu­ne­si­schen Ge­mein­den. »Dort wo die Bür­ger be­reits mit­hil­fe un­se­res »Bud­get par­ti­ci­pa­tif« Pro­jek­tes über ei­nen Teil der öf­fent­li­chen In­ves­ti­tio­nen mit­ent­schei­den, hat die Kor­rup­ti­on ab­ge­nom­men wäh­rend die Steu­er­ein­nah­men stie­gen.«

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