BGH er­wägt Be­fris­tung von So­zi­al­bin­dung

Be­le­gungs­recht gilt wohl nicht un­end­lich

Neues Deutschland - - Wirtschaft – Soziales – Umwelt -

Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­men kön­nen wohl nicht dar­an ge­hin­dert wer­den, aus öf­fent­li­chen Mit­teln ge­för­der­te So­zi­al­woh­nun­gen frü­her oder spä­ter auf dem frei­en Markt an­zu­bie­ten. Zu­läs­sig ist nur ei­ne zeit­lich be­fris­te­te So­zi­al­bin­dung et­wa auf 20 oder 30 Jah­re, wie sich in ei­ner Ver­hand­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) in Karls­ru­he am Frei­tag ab­zeich­ne­te. Ge­klagt hat die Woh­nungs­ge­nos­sen­schaft Gar­ten­heim aus Han­no­ver. Sie will sich aus ei­ner Ver­trags­ver­ein­ba­rung mit der Stadt Lan­gen­ha­gen aus den 1990er Jah­ren lö­sen, die die dau­er­haf­te Nut­zung als So­zi­al­woh­nun­gen vor­schreibt. »Ein un­be­fris­te­tes Be­legrecht ist ein ewi­ger öko­no­mi­scher Nach­teil«, kri­ti­sier­te Vor­stand Gün­ter Ha­e­se.

Wie die BGH-Se­nats­vor­sit­zen­de Christina St­re­se­mann nach Vor­be­ra­tun­gen an­deu­te­te, halten auch die Rich­ter ei­ne Bin­dung qua­si für al­le Ewig­keit nicht für zu­läs­sig. Die Fra­ge sei nun, auf wel­che Lauf­zeit sich die Par­tei­en ge­ei­nigt hät­ten, wenn das von vorn her­ein klar ge­we­sen wä­re. Das Ur­teil soll am 8. Fe­bru­ar ver­kün­det wer­den.

So­zi­al­woh­nun­gen mit nied­ri­ger Mie­te wer­den nur an Men­schen ver­ge­ben, die we­gen ih­res ge­rin­gen Ein­kom­mens ei­nen Wohn­be­rech­ti­gungs­schein ha­ben. Um den so­zia­len Woh­nungs­bau zu för­dern, hat­te die Stadt Lan­gen­ha­gen ih­re Grund­stü­cke un­ter Markt­wert ver­kauft und zur Fi­nan­zie­rung des Bau­pro­jekts zins­güns­ti­ge Dar­le­hen ge­währt. Für sol­che Fäl­le sah das bis ein­schließ­lich 2001 gül­ti­ge Woh­nungs­bau­ge­setz vor, dass die Dau­er der Zweck­be­stim­mung mehr als 15 Jah­re be­tra­gen kann. »Al­ler­dings: Auch ein län­ge­rer Zei­t­raum en­det ir­gend­wann«, gab St­re­se­mann zu be­den­ken. Kom­mu­nen, die die Kon­trol­le über die Nut­zung nicht ganz aus der Hand ge­ben woll­ten, emp­fahl sie, ei­nen an­de­ren Weg zu ge­hen und das Grund­stück durch Erb­bau­recht auf be­grenz­te Zeit zu ver­pach­ten.

»Die un­be­fris­te­te Ver­ein­ba­rung muss nun zeit­lich ge­stutzt wer­den«, er­läu­ter­te der BGH-An­walt der Stadt, Vol­kert Vor­werk. Er zeig­te sich zu­frie­den mit dem Vor­schlag des Se­nats, da­für die Lauf­zeit des Dar­le­hens her­an­zu­zie­hen, in die­sem Fall 35 Jah­re.

Heu­te lie­gen die Kom­pe­ten­zen für den so­zia­len Woh­nungs­bau bei den Län­dern, ih­re För­der­richt­li­ni­en un­ter­schei­den sich im De­tail. Ei­ne un­be­fris­te­te Be­le­gungs­bin­dung ist sehr sel­ten, Fris­ten von meh­re­ren Jahr­zehn­ten kom­men aber vor.

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