Schwar­zer She­riff

Se­bas­ti­an Wei­er­mann hält Groß­ein­sät­ze ge­gen »Clan-Kri­mi­na­li­tät« für stig­ma­ti­sie­rend und we­nig ziel­füh­rend

Neues Deutschland - - Meinung -

Her­bert Reul hat bei sei­nem Amts­an­tritt als nord­rhein-west­fä­li­scher In­nen­mi­nis­ter ge­sagt, dass er kein »schwar­zer She­riff« sei. Von die­ser An­kün­di­gung hat sich der Christ­de­mo­krat mitt­ler­wei­le mei­len­weit ent­fernt. Bis tief in die Nacht be­glei­te­te er den Groß­ein­satz der Po­li­zei im Ruhr­ge­biet und ließ sich da­bei im­mer wie­der mit mar­ki­gen Wor­ten zi­tie­ren. Das Ge­setz des Staa­tes gel­te, dies wol­le man deut­lich ma­chen, so Reul.

Bei Be­trach­tung der Ein­satz­bi­lanz muss man al­ler­dings kon­sta­tie­ren, dass Reul und sei­ne Po­li­zei viel Wir­bel er­zeugt, aber we­nig vor­zu­wei­sen ha­ben. Ein biss­chen un­ver­steu­er­ter Ta­bak, Ord­nungs­wid­rig­kei­ten und vie­le klei­ne Straf­ta­ten. Was die Raz­zia al­ler­dings er­zielt, ist ei­ne Stig­ma­ti­sie­rung gan­zer Stadt­tei­le und Be­völ­ke­rungs­grup­pen. Von Mi­gran­ten ge­führ­te Bars wer­den zu Treff­punk­ten von »Clans« er­klärt. Al­lei­ne der Be­griff, der ei­ne ar­chai­sche Stam­mes­kul­tur na­he­legt, hat in nüch­ter­ner Po­li­zei­ar­beit nichts zu su­chen.

Statt we­nig ziel­ge­rich­te­te Groß­kon­trol­len durch­zu­füh­ren, soll­ten die Er­mitt­ler im Be­reich or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät gut aus­ge­stat­tet wer­den und ge­richts­fes­te Be­wei­se sam­meln. Das wä­re auf­wen­dig, teu­er und nicht so pu­bli­kums­wirk­sam wie die Groß­kon­trol­len vom schwar­zen She­riff Reul.

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