Mo­se­kunds Mon­tag

Neues Deutschland - - Feuilleton - Von Wolf­gang Hüb­ner

Recht­zei­tig mach­te sich Herr Mo­se­kund Ge­dan­ken dar­über, wel­ches Ko­s­tüm er bei der Fa­schings­fei­er der Haus­ge­mein­schaft tra­gen soll­te. Auf gar kei­nen Fall soll­te es et­was Ba­na­les sein; nein, ihm schweb­te et­was Sub­stan­zi­el­les vor, am bes­ten so­gar et­was Ge­sell­schafts­kri­ti­sches, ein Fa­nal ge­gen die An­pas­sung. Als er sich ent­schie­den hat­te, lud er ei­nen Freund zur Ko­s­tüm­pro­be ein. Der Freund war­te­te in Herrn Mo­se­kunds Wohn­zim­mer, bis die­ser er­schien. Die­ser hat­te sich kom­plett in ei­nen wei­ßen Bett­be­zug ge­hüllt, aus dem nur Lö­cher für Au­gen und Mund her­aus­ge­schnit­ten wa­ren, und sich die Kü­chen­uhr um den Hals ge­hängt. »Und, was sa­gen Sie?«, frag­te Herr Mo­se­kund. »Puh, al­so, ich weiß nicht«, sag­te der Freund, »ir­gend­wie ist es, nun ja, hmm – tut mir leid, ich kom­me nicht drauf.« – »Ach nein?«, frag­te Herr Mo­se­kund ent­täuscht, »da­bei liegt es doch auf der Hand«. Abends no­tier­te er in sein Ta­ge­buch: »Viel­leicht zu an­spruchs­voll. Muss mir die Sa­che mit dem Zeit­geist noch ein­mal über­le­gen.«

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