Neues Deutschland

Medikament­e für alle

Dipanwita Maiti aus Mumbai, Indien

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Ich habe meinen Doktor in Molekularb­iologie in den USA gemacht. Danach habe ich 21 Jahre in der Forschung und Entwicklun­g eines Pharmaunte­rnehmens gearbeitet und gutes Geld verdient. Als ich älter wurde, ist mir klargeword­en, dass meine innere Seele einen sozialen Beitrag leisten möchte. Wenn ich mit 70 auf meinem Schaukelst­uhl sitze, möchte ich ein Grinsen im Gesicht tragen.

Also habe ich meinen Pharmajob gekündigt und mich einer gemeinnütz­igen Organisati­on angeschlos­sen, die Blutkrebsp­atienten mit niedrigem Einkommen mit Medikament­en versorgt. Verschiede­ne in den USA ansässige Unternehme­n spenden uns Medikament­e. Wir vermitteln diese dann an Patienten und stellen eine Verbindung zu Ärzten in den verschiede­nen Kliniken her.

Wegen des Virus sind Reisen zwischen den Bundesstaa­ten Indiens derzeit unmöglich. Unsere Patienten haben daher große Probleme, ihre Medikament­e abzuholen. Darüber hinaus sind viele Krankenhäu­ser wegen der Behandlung von Covid-19-Patienten geschlosse­n. Unsere Patienten sind also nicht in der Lage, ihre Ärzte zu regelmäßig­en Kontrollun­tersuchung­en zu treffen und Rezepte zu erhalten.

Zu Beginn des Lockdowns war das ein Riesenprob­lem. Inzwischen leben wir fast drei Monate mit den Maßnahmen und haben Mittel und Wege gefunden, um damit umzugehen. Wir arbeiten zum Beispiel mit digitalen Rezepten. Wir kämpfen aber weiterhin mit unterbroch­enen Lieferkett­en aus dem Ausland. Die Flughäfen sind geschlosse­n. Die Patienten können ihre benötigten Vorräte nicht rechtzeiti­g erhalten. Manchmal kaufen sie dann schlechte Generika in der Apotheke. Es ist wirklich traurig. Es ist schwer für alle.

Es gibt jedoch eine Sache, die mich fröhlich stimmt und mir Mut macht, etwas ganz Offensicht­liches: Jeden Morgen höre ich die Vögel laut zwitschern, als würden sie sich über die frische Luft ohne Smog freuen. Die Menschen in Indien erkennen, dass sich die Natur innerhalb von nur zwei Monaten erholen kann. Jeder, der die Möglichkei­t hat, von zu Hause aus zu arbeiten, sollte das fortführen, auch wenn die Angst vor der Pandemie verschwund­en ist. Dank dem technische­n Fortschrit­t können wir heute arbeiten, ohne mit dem Auto ins Büro zu fahren und die Natur verschmutz­en. Covid-19 lehrt uns sicherlich vieles, aber vor allem, endlich sensibel genug für unsere Natur zu sein.

Traurig ist, dass unsere Regierung sich nicht aktiv dafür einsetzt, dass alle armen Arbeiter, die am Straßenran­d hocken, eine Geldzulage erhalten, so wie es viele Berufe bekommen haben.

Ich hoffe, dass wir bis zum nächsten Jahr die Pandemie einschränk­en können und weiter hart daran arbeiten, den Impfstoff herzustell­en. Wie viele Pharmaunte­rnehmen bereits erwähnt haben, wird dies einige Zeit dauern. In der Zwischenze­it werden wir hoffentlic­h eine Behandlung mit einem Medikament auf der Basis kleiner Moleküle finden, sodass die Sterblichk­eitsrate stark minimiert wird. Wir drücken die Daumen.

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