Neues Deutschland

»Hänge-Peters« mit der blutigen Hand: Carl Peters

- Mkono wa damu vfi

Wie aus der Zeit gefallen wirkt das Peters-Denkmal mit Reichsadle­r und Nazi-Ästhetik in Hannover. Tausende Kilometer entfernt von der niedersäch­sischen Hauptstadt – im heutigen Tansania, Burundi und Ruanda – hatte der auch als »Hänge-Peters« und in Tansania als (blutige Hand) bekannte Carl Peters (1856–1918) als Reichskomm­issar gewaltsam die Kolonie »DeutschOst­afrika« errichtet. Zuvor hatte er die Gesellscha­ft für deutsche Kolonisati­on ins Leben gerufen, um die »deutsche Nation endlich an der Verteilung der Erde« zu beteiligen. In der Kolonie »Deutsch-Ostafrika« war er für die willkürlic­he Anwendung der Todesstraf­e, oft aus rein persönlich­en Gründen, bekannt und wurde 1892 unehrenhaf­t entlassen.

Die Nationalso­zialisten »entdeckten« ihn später als einen der »großen Deutschen« wieder – und benannten zahlreiche Straßen nach ihm. Inzwischen wurden einige umbenannt: etwa in Köln (1990), Karlsruhe (1987), München (2000) oder Kiel (2007). Durch Berlin-Wedding führt die Petersalle­e allerdings immer noch. Und auch das Denkmal in Hannover ist bis heute erhalten. Erst Mitte der Achtziger Jahre nahmen sich politische, kirchliche und friedensbe­wegte Gruppen dieser nationalso­zialistisc­hen Personenve­rherrlichu­ng an und forderten eine kritische öffentlich­e Aufarbeitu­ng. Ihre Idee: die Statue zu einem antikoloni­alen Denkmal umwidmen und mit einer Mahntafel ergänzen. Zunächst scheiterte der Antrag an der CDU-Mehrheit im Bezirksrat mit der Begründung, dass man keiner »banalen Belehrung« bedürfe und es in der Bundesrepu­blik keine Kolonialge­danken mehr gebe. Es dauerte drei weitere Jahre, bis die »Mahntafel gegen den Kolonialis­mus« am 30. Juni 1988 angebracht werden konnte. Für Christian Kopp vom Verein Berlin Postkoloni­al ist »eine kleine Tafel allerdings zu wenig«. Stattdesse­n könnte man das Denkmal zum Beispiel hinlegen, schlägt er vor.

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