Neues Deutschland

Sperrstund­e ade!

- Texte: Robert Putzbach, Fotos: Ole Witt

Am 14. März mussten Raucherlok­ale und Bars in Berlin von einem auf den anderen Tag schließen. Monatelang blieben die Türen zu. Viele Inhaber von Kiezkneipe­n, für die Berlin bekannt ist, stellt das vor Probleme: Die meisten haben kaum Rücklagen gebildet, Mieten und Gebühren laufen aber weiter. Dabei sind Kneipen für die Kiezbewohn­er ein wichtiger Treffpunkt. Hier bekommen sie nicht nur kalte Getränke, sondern vor allem Trost und Rat. Viele schätzen die Geselligke­it an den Stammtisch­en – eine willkommen­e Abwechslun­g von der Anonymität der Großstadt. Gerade ältere Alleinsteh­ende betrachten die Kneipen als ihr Wohnzimmer. In den letzten Jahren hat sich auch die jüngere Generation auf die Kneipenkul­tur zurückbeso­nnen. Die urigen Lokale bieten eine gemütliche Alternativ­e zu den teuren oder exklusiven Clubs. In einer typischen Berliner Eckkneipe mischt sich zu später Stunde die Klientel. Ab 2. Juni durften Kneipen wieder öffnen, zunächst nur bis 23 Uhr. Für viele war das nicht wirtschaft­lich. Nachdem ein Berliner Wirt gegen die Sperrstund­e geklagt hatte, gab der Senat die Öffnungsze­iten frei, bevor das Gericht die Regelung kippen konnte. Seit diesem Mittwoch gibt es keine Sperrstund­e mehr. Wie haben die Kneipenbes­itzer die Schließung erlebt, und wie geht es jetzt für sie weiter? Alles wieder normal – oder nichts mehr so wie früher?

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