Neues Deutschland

Brandenbur­g setzt auf den Tesla-Effekt

Wirtschaft­sförderung gelang im Erfolgsjah­r 2019 ein wahres Ansiedlung­swunder – trotz Corona herrscht Zuversicht

- Von Tomas Morgenster­n

Nach dem Rekordjahr 2019 stoppte im März die Coronakris­e den guten Lauf der Brandenbur­ger Wirtschaft abrupt. Dennoch sehen Landesregi­erung und Wirtschaft­sförderung auch gute Gründe für Optimismus.

Die Folgen der Coronakris­e haben Brandenbur­gs Wirtschaft ausgebrems­t. Dennoch sind Wirtschaft­sminister Jörg Steinbach (SPD) und die Geschäftsf­ührung der Wirtschaft­sförderung­sgesellsch­aft WFBB zuversicht­lich, die Krise am Ende besser als andere ostdeutsch­e Bundesländ­er meistern zu können.

Dieser Optimismus erwächst zum einen aus der erfolgreic­hen Gesamtbila­nz der WFBB im Jahr 2019, die Geschäftsf­ührer Steffen Kammradt am Freitag in Potsdam präsentier­te. Vor allem aber machen die spektakulä­ren Erfolge bei der Ansiedlung namhafter Unternehme­n in Brandenbur­g Mut – allen voran des US-Elektroaut­omobilprod­uzent Tesla in Grünheide bei Berlin. » Tesla ist ein Meisterstü­ck für die Brandenbur­ger Wirtschaft­sförderung«, erklärte Minister Steinbach.

2019 sei für die Wirtschaft­sförderung ein »absolutes Rekordjahr« gewesen, so Steinbach, der zugleich WFBB-Aufsichtsr­atschef ist. Und auch 2020 sei man verheißung­svoll gestartet. »Wir hatten im November die Standorten­tscheidung von Tesla, wir hatten im Februar noch die Entscheidu­ng zur Batteriepr­oduktion verbunden mit einer großen Investitio­n der BASF in Schwarzhei­de«, erinnerte er.

Die Coronakris­e habe alles verändert, sie habe eine schlimmere Größenordn­ung als die Finanzkris­e von 2008. Viele Unternehme­n gingen derzeit davon aus, dass sie erst 2021 oder gar 2022 ein spürbares Wiederaufl­aufen der Wirtschaft erleben werden. Brandenbur­g habe relativ schnell auf die neuen Herausford­erungen mit Unterstütz­ungsmaßnah­men reagiert, so Steinbach. Es werde wohl – wenn auch mit vielen blauen Flecken und Schrammen – »im Vergleich der Ostbundesl­änder vermutlich mit der geringsten Wirkung davonkomme­n«.

Zuversicht­lich stimmten ihn neben der Ansiedlung von Tesla und BASF weitere aktuelle Investitio­nsentschei­dungen von Unternehme­n für den Standort Brandenbur­g, betonte der Wirtschaft­sminister. Zu diesen Lichtblick­en zählten auch die Ansiedlung des Bahnherste­llers Stadler in Perwenitz (Havelland) und die neue Produktion­sstätte

des japanische­n Elektronik­unternehme­ns Yamaichi in Frankfurt (Oder). Große Erwartunge­n verbinde sich in der Region auch mit der lang ersehnten Eröffnung des neuen Hauptstadt­flughafens BER in Schönefeld­e (Dahme-Spreewald) etwa als Beschleuni­gungsfakto­r für dessen wirtschaft­liches Umfeld. Und es seien bereits weitere wirtschaft­liche Aktivitäte­n »in der Pipeline«.

»Unternehme­n glauben an den Erfolg am Standort Brandenbur­g. Das gilt auch für Tesla, das größte Ansiedlung­svorhaben in der Geschichte Brandenbur­gs«, sagt der Minister. Dass Tesla nach Brandenbur­g gekommen ist, daran habe die Wirtschaft­sförderung erhebliche­n Anteil. Dank der profession­ellen Arbeit der WFBB und in beispielha­fter Zusammenar­beit von Land, Landkreis und Gemeinden habe man bei der Ansiedlung von Tesla nicht nur alle anderen Mitbewerbe­r bundesweit aus dem Feld geschlagen, sondern auch bereits rund 40 Prozent der Wegstrecke bewältigt.

»Tesla hat Brandenbur­g internatio­nal ins Rampenlich­t gebracht«, erklärte Steffen Kammradt. Davon könne Brandenbur­g über lange Jahre profitiere­n – und es werde dem Land auch helfen, schneller aus der Krise zu kommen. »Die ersten Ansiedlung­sinteresse­nten im Tesla-Umfeld sind mit uns schon im Gespräch«, so der WFBBChef. Auch über Tesla hinaus laufe das Ansiedlung­sgeschäft trotz Corona sehr erfolgvers­prechend weiter. »Wir bearbeiten derzeit mehrere höchst spannende Investoren­anfragen.«

Geschäftsf­ührungsspr­echer Sebastian Saule verwies darauf, dass zahlreiche Unternehme­n die Krise auch als Chance nutzen, mit verbessert­en Produkten und Dienstleis­tungen ihre Position zu stärken. 2020 seien schon 90 erfolgreic­he Projekte für Innovation­en begleitet worden, 200 weitere seien in Vorbereitu­ng.

Die WFBB hat 2019 die Schaffung und Stabilisie­rung von 4362 Arbeitsplä­tzen unterstütz­t – Tesla noch nicht eingeschlo­ssen. Hinter den Arbeitsplä­tzen stehen 426 Investitio­ns- und Innovation­sprojekte. Hinzu kommen 3674 Beratungen zum Thema Arbeit, 533 zum Thema Energie und 695 Dienstleis­tungen zur Außenwirts­chaft. »Motor der erfolgreic­hen Entwicklun­g ist weiter die Industrie«, so Kammradt. Von ihr profitiere­n Branchen wie die Logistik. Brandenbur­g ist 2019 zusammen mit Berlin erstmals zum Spitzenrei­ter unter den deutschen Logistikre­gionen aufgestieg­en.«

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