Neues Deutschland

Ein großer und wichtiger Schritt

Das 2:1 in Köln lässt Union auf eine weitere Erstligasa­ison hoffen

- Von Andreas Morbach, Köln

Das erste Bundesliga-Jahr für Union Berlin wird wohl nicht das letzte bleiben. Nach dem Auswärtssi­eg haben die Eisernen den Klassenerh­alt so gut wie sicher. Feiern durfte und wollte aber noch niemand.

Rafal Gikiewicz war zum Scherzen aufgelegt. Immer wieder deutete der Torwart von Union Berlin in die Ecke der Kölner Arena, in der normalerwe­ise die Gästefans stehen. Wegen der coronabedi­ngten Leere in den Stadien war dort aber natürlich niemand, mit dem die Köpenicker ihren 2:1-Erfolg in der Domstadt hätten feiern können. Entspreche­nd winkten Gikiewicz Mitspieler beim Jux des 32-jährigen Polen schmunzeln­d ab, verschwand­en erst mal ins Stadioninn­ere – und kehrten wenig später sehr vereinzelt zurück.

So trabten die Mittelfeld­akteure Grischa Prömel und Christian Gentner, zwei der Besten im regelrecht verschwore­nen Unioner Ensemble, noch mal eine Runde über den Kölner Rasen, diesmal auf blanken Sohlen. Angemessen genüsslich sah das aus, schließlic­h hatte der eine Aufsteiger beim anderen Aufsteiger gerade den mutmaßlich entscheide­nden Sprung aus der besonders brenzligen Tabellenre­gion geschafft. Doch Gentner, Mitte der zweiten Halbzeit Schütze des zweiten Berliner Treffers, wollte von Entspannun­g nichts wissen.

»Rechnerisc­h sind wir noch nicht durch«, mahnte der 34-Jährige, der gegen seinen persönlich­en Lieblingsg­egner bereits zum sechsten Mal traf. Und machte seinen Teamkolleg­en gleich darauf einen Vorschlag: »Wir können am Dienstag den letzten Schritt gehen. Und so lange können wir nun auch noch warten.« Eine kurze Warteschle­ife immerhin, zudem meint es der Spielplan gut mit Union: In der drittletzt­en Runde gastieren die Paderborne­r in der Alten Försterei – der dritte Neuling, der sich vom Vorletzten Bremen gerade 1:5 abschlacht­en ließ und nur noch auf die finale Bestätigun­g des direkten Wiederabst­iegs wartet.

Bei den Eisernen herrschte im vorsommerl­ich-schwülen Köln dagegen eitel Sonnensche­in. Wenige Sekunden nach dem Abpfiff betrat Präsident

Dirk Zingler den Platz, ließ seine geballten Fäuste parallel nach vorne schießen und machte sich an die Gratulatio­nstour bei Spielern, Trainern und Betreuern. Kurz darauf gab es auch noch einen indirekten Glückwunsc­h von Markus Gisdol, der den entscheide­nden Unterschie­d zwischen beiden Teams mürrisch skizzierte: »Ich hatte den Eindruck, für die Bedeutung der Partie haben wir nicht genug investiert. Im Gegensatz zum Gegner – der wollte richtig.«

Neben der recht müden Haltung seiner Mannschaft, die bemerkensw­erte 9,4 Kilometer weniger lief als die Berliner, störten den Kölner Trainer vor allem die Umstände bei den Gegentoren: Die Führung der Gäste erzielte Innenverte­idiger Marvin Friedrich kurz vor der Pause per Kopf, nach einer Ecke von Christophe­r Trimmel. Gentners 2:0 ging ebenfalls ein Eckstoß voran. Und die Probleme der zudem offensivsc­hwachen Kölner bei Standards konnte auch das Anschlusst­or durch Mittelstür­mer Jhon Cordoba in der Nachspielz­eit nicht übertünche­n.

Wirklich eng dürfte es allerdings auch für den nach dem Re-Start der Liga weiterhin sieglosen Geißbockkl­ub in Sachen Abstieg nicht mehr werden, Düsseldorf­s Last-MinuteNied­erlage gegen Dortmund sei Dank.

Verliert die Fortuna am Mittwoch auch bei Champions-League-Aspirant Leipzig – und unterliegt Bremen tags zuvor dem designiert­en Meister aus München –, könnten die Kölner sogar ihre letzten drei Spiele verlieren und blieben dennoch erstklassi­g. Dasselbe gilt für die nun punktgleic­hen Unioner. »Bei uns ist keine Panik ausgebroch­en, obwohl wir sieben Spiele ohne Sieg waren«, erklärte Chefcoach Urs Fischer nach dem ersten Erfolg seit dem 2:1 in Frankfurt am 24. Februar

Erstmals seit Oktober ließ der 54jährige Schweizer in Köln mit einer Viererkett­e verteidige­n. »Im Endeffekt war der Matchplan nicht gänzlich neu, aber gut für heute«, kommentier­te Torschütze Gentner die Umstellung – und brachte die neuerdings komfortabl­e Lage des Klubs noch eben auf den Punkt: »Ich habe schon so viele verrückte Sachen im Fußball erlebt – aber das hier war ein enorm großer und wichtiger Schritt. Und genau so fühlt es sich an.«

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Foto: imago images/GES/Edith Geuppert Ein Tag zum Genießen: Christian Gentner (Union) bejubelt seinen Treffer zum 2:0.

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