Neues Deutschland

Befriedung der besonderen Art

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Es bleibt spannend im Vorfeld des 1. Mai in Berlin, der in diesem Jahr wieder ohne Corona-Auflagen, aber durchaus mit Einschränk­ungen stattfinde­n wird. Zumindest rund um die noch immer mit einer gewissen Aufregung verbundene Revolution­äre 1. Mai-Demonstrat­ion lautet die Frage diesmal: Zirkus oder Klassenkam­pf? Was auch immer man seitens der Behörden dazu verlautbar­t: Reiner Zufall ist es nicht, dass der Großteil offizielle­r Kinder- und Familienfe­ste, die der Bezirk veranstalt­et, entlang der Route liegen, auf der die im vergangene­n Jahr massiv von Polizeiein­sätzen begleitete und schließlic­h frühzeitig aufgelöste Demonstrat­ion verlief. Die Strategie, Orte mit als besonders friedlich geltenden Veranstalt­ungen zu besetzen und darauf zu hoffen, dass sich Menschen, denen der Tag nicht nur als Feier- sondern sehr wohl als Kampftag gilt, dann eher Luftballon­s aufpusten als ihrer Wut auf die Verhältnis­se lauthals Luft zu machen, könnte allerdings nach hinten losgehen.

Denn genauso wenig zufällig ist es, dass Demonstrat­ionen für soziale Gerechtigk­eit in einem der migrantisc­hsten Bezirke, der gerade im Norden auch stark von linken Bewegungen geprägt ist, stattfinde­n. Nirgendwo sonst dürfte die Teilnahme so zahlreich sein wie hier, wenn es darum geht, Zeichen zu setzen gegen Rassismus und Diskrimini­erung oder Mietenwahn­sinn und Verdrängun­g durch Gentrifizi­erung. Die Empörung gegen Stigmatisi­erung und Benachteil­igung, an der auch zahlreiche Bezirkspol­itiker *innen mit ihren politische­n Äußerungen immer wieder Anteil haben, wird sich nicht mit Hüpfburgen befrieden lassen. Dafür steht der 1. Mai – gerade in Berlin.

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FOTO: ND/F. SCHIRRMEIS­TER Claudia Krieg über politische Strategien rund um den 1. Mai

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