Dor­ma­gen plant für Zu­kunft der Stadt­tei­le

Im ers­ten So­zi­al­be­richt für Dor­ma­gen wird ein Über­blick über die Ent­wick­lung in den ein­zel­nen Stadt­tei­len in Be­zug auf u.a. Ein­woh­ner, Kauf­kraft, Ar­beits­lo­sig­keit, Mi­gran­ten­an­teil ge­ge­ben. Ein Fa­zit: Hor­rem be­darf wei­te­rer För­de­rung.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Dormagen) - - DORMAGEN - VON CA­RI­NA WERNIG

DOR­MA­GEN Erst­mals hat die Stadt „ei­nen ge­bün­del­ten Über­blick zur so­zia­len La­ge in der Stadt und den ein­zel­nen Stadt­tei­len“er­stellt, wie Bür­ger­meis­ter Erik Lie­ren­feld den ers­ten So­zi­al­be­richt für Dor­ma­gen im Stadt­rat vor­stell­te. Dar­aus sol­len – nach dem Mot­to „Da­ten zu Ta­ten“– kon­kre­te Maß­nah­men ent­wi­ckelt wer­den. „Hor­rem, Ha­cken­broich und die In­nen­stadt ha­ben den größ­ten För­de­rungs- und Un­ter­stüt­zungs­be­darf“, so Lie­ren­feld.

Beim So­zi­al­be­richt sei­en zahl­rei­che Da­ten aus­ge­wer­tet wor­den, so zu Ar­beits­lo­sen und So­zi­al­hil­fe­emp­fän­gern, aber auch zur Kauf­kraft und aus Schul­ein­gangs­un­ter­su­chun­gen des Rhein-Krei­ses. „Da­durch ha­ben wir erst­mals ei­ne klein­räu­mi­ge Aus­wer­tung und Auf­fä­che­rungs­mög­lich­kei­ten nach Al­ter, Ge­schlecht und Bil­dungs­grad“, er­läu­ter­te Lie­ren­feld, wie der So­zi­al­be­richt die Grund­la­ge für künf­ti­ge So­zi­al­pla­nung sein soll: „Da­durch er­hal­ten wir auch ein neu­es Früh­warn­sys­tem, um bei Fehl­ent­wick­lun­gen ge­gen­zu­steu­ern.“Er­stellt wur­de der ers­te So­zi­al­be­richt mit För­de­rung des Lan­des­pro­gramms „NRW hält zu­sam­men“.

Da die Da­ten der Jah­re 2012 und 2017 her­an­ge­zo­gen wur­den, ist ei­ne Ent­wick­lung ab­zu­le­sen. So stieg die Ein­woh­ner­zahl um 3,3 Pro­zent auf 65.166. „Das lag zum ei­nen am Zu­zug von Flücht­lin­gen ab 2015, aber auch am „Speck­gür­tel“-Ef­fekt zwi­schen Köln und Düsseldorf“, sag­te Lie­ren­feld. Hor­rem, jetzt zweit­größ­ter Stadt­teil, ist pro­zen­tu­al (13,9 Pro­zent) am stärks­ten ge­wach­sen, ge­folgt von Del­ho­ven (+8,6) und Ha­cken­broich (+7,9). „Dor­ma­gen wächst durch Zu­zü­ge – Zei­chen der At­trak­ti­vi­tät, aber auch viel­fach Her­aus­for­de­rung durch un­ter­schied­li­che Grup­pen von Zu­wan­de­rern.“

Zu­dem wird Dor­ma­gen so­wohl äl­ter als auch jün­ger: Stärks­ter Zu­wachs (um 35,6 Pro­zent) bei den über 80-Jäh­ri­gen, ge­folgt von den un­ter Drei­jäh­ri­gen (16,1). „Dies ver­än­dert Be­dar­fe von Ki­tas und Al­ten­pfle­ge­hei­men“, so ein wei­te­res Fa­zit. „Durch den gro­ßen Zu­zug aus dem In- und Aus­land, auch aus an­de­ren Län­dern als den Flücht­lings­ge­bie­ten, ist ei­ne Ki­ta-Pla­nung nur mit dem Ge­bur­ten­re­gis­ter nicht mach­bar“, so der Bür­ger­meis­ter. Die gro­ße Auf­ga­be der In­te­gra­ti­on sei auch aus dem So­zi­al­plan ab­zu­le­sen: 22,6 Pro­zent Aus­län­der und Men­schen mit mehr­fa­cher Staats­bür­ger­schaft.

Dor­ma­gen als Wirt­schafts­stand­ort ent­wick­le sich gut: Es gibt we­ni­ger Ar­beits­lo­se und mehr so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­te. Zu­dem sind we­ni­ger Deut­sche von „Hartz IV“ab­hän­gig, al­ler­dings gab es ei­ne Zu­nah­me der Be­darfs­ge­mein­schaf­ten vor al­lem bei Nicht­deut­schen durch die Flücht­lings­un­ter­brin­gung. Be­rufs­chan­cen für die­se Grup­pe soll ein neu­es „Ca­se-Ma­nage­ment“er­hö­hen, das beim Mo­dell­pro­jekt „Ein­wan­de­rung gestalten“mit dem Job­cen­ter und an­de­ren Part­nern ent­wi­ckelt wur­de.

Min­der­jäh­ri­ge sind vom Ar­muts­ri­si­ko be­trof­fen: Fast je­des sechs­te Kind lebt in Fa­mi­li­en mit Min­dest­si­che­rung. Da­her soll die Schul­so­zi­al­ar­beit in­ten­si­viert, mehr für Ki­tas und Schu­len ge­tan wer­den, u.a. über das Lan­des­pro­gramm „Zu­sam­men im Quar­tier – Kin­der stär­ken – Zu­kunft si­chern“in Hor­rem und Ha­cken­broich. Hor­rem soll im Pro­gramm „So­zia­le Stadt“wei­ter ge­stärkt wer­den: Neue Mög­lich­kei­ten durch den Lern­ort und städ­te­bau­li­che Maß­nah­men.

LUFTBILD: STADT

Blick auf Hor­rem vom Nor­den aus. Bei­der­seits der Bahn­glei­se möch­te die Stadt die Be­woh­ner för­dern und die At­trak­ti­vi­tät der Plät­ze und Ge­bäu­de er­hö­hen. Das sind ers­te Maß­nah­men­vor­schlä­ge, die aus dem neu­en So­zi­al­be­richt ab­ge­lei­tet wer­den.

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