Na­tur-In­va­so­ren er­obern Bä­che und Bee­te

IN­FO

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Dormagen) - - DORMAGEN - VON STE­FAN SCHNEI­DER

Bio­lo­ge Micha­el Ste­vens kennt sich mit Ein­dring­lin­gen in die hie­si­ge Pflan­zen- und Tier­welt aus.

KNECHTSTEDEN Pro­fes­sor Do­nald Kessler liegt schwer da­ne­ben. Als Vor­sit­zen­der der Ame­ri­ka­ni­schen Aka­de­mie für Raum­fahrt über­zeugt er in der Sci­ence-Fic­tion-Ko­mö­die „Mars Attacks“den US-Prä­si­den­ten da­von, dass die Mar­sia­ner, die in flie­gen­den Un­ter­tas­sen Kurs auf die Er­de neh­men, kei­ne Be­dro­hung dar­stel­len. Ei­ne gra­vie­ren­de Feh­l­ein­schät­zung, denn die In­va­so­ren ma­chen sich dar­an, ih­re neu er­ober­te Um­ge­bung vom Men­schen zu „be­frei­en“. Im Film geht al­les in ty­pi­scher Hol­ly­wood-Ma­nier gut aus für die An­ge­grif­fe­nen. In der rea­len Na­tur in­des dro­hen Ein­dring­lin­ge ein­hei­mi­sche Ar­ten zu ver­trei­ben, wenn nicht gar aus­zu­mer­zen, weiß Micha­el Ste­vens. Der Di­plom-Bio­lo­ge ar­bei­tet in der Bio­lo­gi­schen Sta­ti­on des Rhein-Krei­ses Neuss in Knechtsteden und kennt sich mit den schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen in­va­si­ver Ar­ten bes­tens aus.

Zum Ein­stieg ins The­ma lenkt Ste­vens den Blick zu­nächst in die Ge­schich­te, ins Jahr 1492. Da lan­de­te Chris­toph Ko­lum­bus mit sei­nen Leu­ten in Ame­ri­ka. Das Er­eig­nis mar­kiert den Be­ginn des Aus­tau­sches von Pflan­zen und Tie­ren zwi­schen den Kon­ti­nen­ten. Denn mit den Schif­fen der See­fah­rer ka­men Pflan­zen und Tie­re von der je­weils an­de­ren Sei­te des At­lan­ti­schen Oze­ans in Ge­fil­de, in de­nen sie nicht hei­misch wa­ren. Wie der Breit­we­ge­rich: Die tritt­fes­te Pflan­ze kam von Eu­ro­pa nach Ame­ri­ka, und dass sie dort nicht hin­ge­hör­te, er­kann­ten die In­dia­ner schnell. „Sie spra­chen im Zu­sam­men­hang mit dem Breit­we­ge­rich von der ‚Fuß­spur des wei­ßen Man­nes’“, er­zählt Micha­el Ste­vens. Neo­bio­ta, Neu­bür­ger, lau­tet der bio­lo- gi­sche Ober­be­griff für die nicht-hei­mi­schen Ar­ten, un­ter­teilt in Neo­phy­ten (Pflan­zen) und Neo­zo­en (Tie­re). Vie­le Neu­bür­ger sei­en „neu­tral“zu be­trach­ten, weil sie kei­ne ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen aufs hei­mi­sche Öko­sys­tem ha­ben, so Ste­vens. Das gilt aber nicht für al­le. Zu den be­rüch­tigs­ten Neo­phy­ten im hie­si­gen Raum ge­hört der Rie­sen-Bä­ren­klau. Die Pflan­ze stammt aus dem Kau­ka­sus und kann über zwei Me­ter hoch wer­den. ver­mu­tet, hät­ten An­sied­lung rei­che­rung Man Im­ker sich von ih­rer ei­ne Be- für die Bie­nen­welt ver­spro­chen, weil sie ei­nen gro­ßen Blü­ten­stand hat. In­zwi­schen ist sie ei­ne Pla­ge, die nicht nur an­de­re Pflan­zen in ih­rem Le­bens­raum be­schränkt, son­dern gar dem Men­schen ge­fähr­lich wer­den kann. „Der Pflan­zen­saft be­inhal­tet ei­nen Gift­stoff, der mit Son­nen­licht re­agiert. Bei Be­rüh­rung führt das zu schwer­wie­gen­den Haut­aus­schlä­gen“, er­klärt Ste­vens. Nicht oh­ne ist auch die Bei­fuß­blätt­ri­ge Am­bro­sie („Trau­ben­kraut“). „Die Pflan­ze ver­fügt über sehr vie­le Pol­len. Der Kon­takt kann vor al- lem für All­er­gi­ker

sehr

un­an­ge­nehm sein“, sagt der Ex­per­te.

Was aber tun ge­gen die un­er­wünsch­ten Ar­ten? Ste­vens rät zur Ver­nich­tung mit Stumpf und Sti­el: „Am Bes­ten aus­rei­ßen, in ver­schließ­ba­re Tü­ten pa­cken und im Haus­müll ent­sor­gen. Nicht im Kom­post, weil die Pflan­zen dort wei­ter ih­re Sa­men ver­brei­ten kön­nen.“Für die Be­sei­ti­gung ermp­fiehlt sich das Tra­gen von Hand­schu­hen, ge­ge­be­nen­falls auch Mund­schutz. die Aus­brei­tung li­cher bzw. ter in­va­si­ver Um ge­fähr- un­er­wünsch- Ar­ten zu ver­hin­dern, hat die Uni­on 2014 ei­ne Ver­ord­nung er­las­sen. Da­rin sind Pflan­zen und Tie­re

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