Ne­ben­pro­dukt der Rea­gan-Re­gie­rung

Der bei der Fir­ma Ste­land im La­bor­be­trieb be­find­li­che „Licht­bo­gen-Schweiß­ro­bo­ter“wur­de in der SDI-For­schung ent­wi­ckelt. Bis zu den im Film „I, Ro­bot“ge­schil­der­ten Ge­fah­ren müss­te die Tech­nik aber Quan­ten­sprün­ge voll­zie­hen.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Dormagen) - - DORMAGEN - VON SEBASTIAN MEU­RER

ROMMERSKIRCHEN Als der da­ma­li­ge US-Prä­si­dent Ro­nald Rea­gan im März 1983 of­fi­zi­ell die „Stra­te­gic De­fen­se Initia­ti­ve“(SDI) an­kün­dig­te, wur­de das Pro­jekt welt­weit kri­ti­siert: Un­ter an­de­rem mit dem Ar­gu­ment, dass es sich bei dem „Krieg der Ster­ne“um rei­ne Sci­ence Fic­tion han­de­le. Der Grund­ge­dan­ke: In­ter­kon­ti­nen­tal­ra­ke­ten der So­wjet­uni­on soll­ten durch ein welt­raum­ba­sier­tes Ab­wehr­sys­tem un­schäd­lich ge­macht wer­den. Ein sol­cher Fall ist zum Glück nie ein­ge­tre­ten, so dass das Pro­gramm nach dem En­de des Kal­ten Kriegs in den 1990-er Jah­ren aus­ge­setzt wer­den konn­te. „Spi­n­off“nennt sich der bei der Ent­wick­lung von neu­en Tech­no­lo­gi­en auf­tre­ten­de Ef­fekt, dass gleich­sam ne­ben­bei „Ab­le­ger“ent­ste­hen, die ei­gent­lich nicht ge­plant wa­ren. Be­rühm­tes­tes Bei­spiel ist wahr­schein­lich die Tef­lon­pfan­ne: Tef­lon wur­de von der NASA für die be­mann­te Raum­fahrt ent­wi­ckelt.

Ein lu­pen­rei­nes Spin-off-Pro­dukt von SDI sind in der me­tall­ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie ein­ge­setz­te La­ser-Ro­bo­ter, wie Jörg Ste­land weiß, der ge­mein­sam mit sei­nem Bru­der Ralf die seit fünf Jah­ren in Rommerskirchen an­säs­si­ge Fir­ma Ste­land Ap­pa­ra­te­bau lei­tet. Ste­land ver­fügt seit knapp ei­nem Drei­vier­tel­jahr über ei­nen tech­no­lo­gisch auf dem neu­es­ten Srtand be­find­li­chen La­ser-Ro­bo­ter, der zum Schwei­ßen ver­wen­det wer­den soll. La­ser-Ro­bo­ter als sol­che sind bei Ste­land seit 2008 im Ein­satz: „Wir sind da­mals dar­auf um­ge­stie­gen, Ble­che zu­zu­schnei­den“, er­läu­tert Jörg Ste­land. Mit den bis­her schon ein­ge­setz­ten Ro­bo­tern las­sen sich die Ble­che si­gnie­ren und gra­vie­ren. Fürs Schwei­ßen be­darf es ei­ner avan­cier­te­ren Tech­no­lo­gie, „die in der Pra­xis ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung be­deu­tet“, wie Jörg Ste­land be­rich­tet.

Der­zeit be­fin­det sich der La­ser-Ro­bo­ter noch im La­bor­be­trieb: Bis­lang wur­den le­dig­lich Pro­to­ty­pen für Kun­den an­ge­fer­tigt: Ein ei­gens ab­ge­stell­ter In­ge­nieur be­schäf­tigt sich aus­schließ­lich mit dem Ro­bo­ter der Mar­ke „Trumpf“. Ge­rä­te die­ses Ka­li­bers ha­ben ih­ren Preis, und der liegt bei ober­halb von 600.000 Eu­ro. Die „Ge­fahr“, dass sich die im Un­ter­neh­men ein­ge­setz­ten Ro­bo­ter wie in dem Sci­ence-Fic­tion-Film „I, Ro­bot“mit Will Smith aus dem Jahr 2004 ver­selb­stän­di­gen und die Macht über die Men­schen über­neh­men könn­ten, ist nicht ein­mal an­satz­wei­se zu er­ken­nen. Auch wenn der La­ser-Ro­bo­ter al­les an­de­re als ein Spiel­zeug, son­dern im Ernst­fall ein le­bens­ge­fähr­li­ches Ge­rät ist: Mit ei­ner Dau­er­leis­tung von vier Watt wird der La­ser­strahl in den Ro­bo­ter ge­lei­tet. „Er könn­te mit die­ser Ener­gie auf 100 Me­ter ein Loch in die Wand schie­ßen“, be­schreibt Ste­land ei­ne der po­ten­zi­el­len Fä­hig­kei­ten des Ro­bo­ters. Ab­ge­schirmt und ab­ge­si­chert wie der Ro­bo­ter ist, kann er die­se al­ler­dings nicht un­ter Be­weis stel­len. Wo­bei hier auch ein Un­ter­schied zur Sci­ence Fic­tion deut­lich wird: „La­ser-Schwer­ter wie in Star Wars sind nicht mög­lich. Der La­ser­strahl lässt sich nicht be­gren­zen, son­dern zielt ins Unend­li­che“, sagt Jörg Ste­land. So­weit je­den­falls die Sci­ence Fich­ti­on: In der Pra­xis stel­len sich ganz an­de­re Pro­ble­me für den „Licht­bo­gen-Schweiß­ro­bo­ter“, wie das High-Tech-Ge­rät of­fi­zi­ell heißt. „Beim Schwei­ßen muss er ab­so­lut ex­akt den Schweiß­punkt

tref­fen“, er­läu­tert Ste­land. Vom Ro­bo­ter ge­wünscht sind weit­aus prä­zi­se­re, schnel­le­re und op­tisch an­spre­chen­de­re Schweiß­näh­te, als sie mit der bis­he­ri­gen Tech­nik mög­lich sind. Dies gilt nicht al­lein für „ge­ra­de“, son­dern auch für „ecki­ge“Tei­le, woran noch la­bo­riert wird. Dass dies funk­tio­niert, ist er­wie­sen, für den täg­li­chen Be­trieb kommt es letzt­lich aufs Fein­tu­ning an, das sich deut­lich müh­se­li­ger ge­stal­tet als bei der An­schaf­fung des La­ser-Schwei­ßers ver­mu­tet. Jörg Ste­land ist je­den­falls den­noch zu­ver­sicht­lich, dass der La­ser-Ro­bo­ter, der in ge­wis­ser Hin­sicht auch „ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal“für das 1924 ge­grün­de­te Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men sei, schon in Kür­ze die ihm zu­ge­dach­te Rol­le in der täg­li­chen Pro­duk­ti­on spie­len kann. „Er star­tet ge­ra­de“, sagt Jörg Ste­land. Ers­te Tei­le aus der Ei­gen­pro­duk­ti­on wer­den be­reits mit La­ser ge­schweißt, so dass auch der un­ver­mu­tet lang­wie­ri­ge La­bor­be­trieb im neu­en Jahr en­den wird.

Apro­pos SDI: Das zeit­wei­lig aus­ge­setz­te Pro­gramm wur­de spä­ter von den Prä­si­den­ten Bill Cl­in­ton und Ge­or­ge W. Bush un­ter an­de­ren Be­zeich­nun­gen fort­ge­führt – oh­ne das Auf­se­hen, das Rea­gans „Star Wars“vor drei­ein­halb Jahr­zehn­ten welt­weit er­reg­te. Der ak­tu­el­le US-Prä­si­dent Do­nald Trump hat es noch nicht ge­schafft, da­mit Schlag­zei­len zu ma­chen.

FOTO: GE­ORG SALZBURG

Den­nis Fet­ten lei­tet die Fir­ma Ste­land, die seit fünf Jah­ren in Rommerskirchen an­säs­sig ist. Er steht an ei­nem Schweiß­ro­bo­ter Mehr als 600.000 Eu­ro kos­tet ei­ne sol­che Ma­schi­ne.

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