Der Traum vom ei­ge­nen Buch Wie wird man ein Au­tor? Nie war es für Hob­by-Au­to­ren leich­ter, ih­re Tex­te zu ver­öf­fent­li­chen: Self­pu­blis­her aus dem Rhein-Kreis Neuss er­zäh­len von ih­ren Er­fah­run­gen.

Do­zent Tho­mas Op­fer­mann gibt Hob­by­au­to­ren Tipps, wie das ei­ge­ne Werk ge­lingt.

Neuss Grevenbroicher Zeitung Grevenbroich/Dormagen - - Kultur In Neuss - VON NA­TA­LIE URBIG

Hau­ke Schrills hat­te ei­nen Traum: Er fan­ta­sier­te von ei­nem Ort mit über­flu­te­ten Stra­ßen, ent­wur­zel­ten Bäu­men und zer­fal­le­nen Häu­sern – den Rui­nen der Zi­vi­li­sa­ti­on. „Das woll­te ich ger­ne fest­hal­ten“, er­zählt er. Und, ob­wohl der 61-Jäh­ri­ge Dor­ma­ge­ner zwar ger­ne Fan­ta­sy- und Sci­ence-Fic­tion-Ro­ma­ne liest, ist es ihm nie in den Sinn ge­kom­men, sel­ber Tex­te zu schrei­ben. Bis er dann die­sen Traum hat­te.

Die ers­ten Test­le­ser wa­ren schnell ge­fun­den, und als sein Ma­nu­skript auf gu­te Re­so­nanz stieß, woll­te der Dor­ma­ge­ner sein Werk ger­ne ver­öf­fent­li­chen. Nur wie? „Bei nam­haf­ten Ver­la­gen hat man mit ei­nem Erst­lings­ro­man kaum ei­ne Chan­ce“, sagt Schrills. Ver­sucht hat er es dort nicht. Ein an­de­rer Weg war für ihn in­ter­es­san­ter: „Das Self­pu­blish-Kon­zept hat mich an­ge­spro­chen“, sagt er. Da­bei schrei­ben Au­to­ren nicht nur ei­nen Text, son­dern über­neh­men auch die Auf­ga­ben, um die sich für ge­wöhn­lich ein Ver­lag küm­mert. Ver­schie­de­ne Fir­men ha­ben sich auf sol­che Hob­by-Au­to­ren spe­zia­li­siert und bie­ten ih­re

Un­ter­stüt­zung an. Im We­sent­li­chen sor­gen sie da­für, dass die Bü­cher als E-Book er­schei­nen und Le­ser sie bei ent­spre­chen­den On­line-An­bie­tern fin­den kön­nen.

Hau­ke Schrills hat sich für den Markt­füh­rer „Books on De­mand“ent­schie­den. „Man kann dort ver­schie­de­ne Pa­ke­te bu­chen, je nach­dem, wie viel Hil­fe man braucht.“Um das Co­ver und das Sei­ten­lay­out küm­mer­te Schrills sich selbst. Zu­sätz­lich hat er ei­ne Lek­to­rin en­ga­giert. Als dann al­les fer­tig war, hat er sei­nen Ro­man „R.I.F.T.“auf der Web­site hoch­ge­la­den. „Das E-Book er­scheint ge­nau so, wie ich es ge­stal­tet ha­be“, er­zählt Schrills, „das heißt Feh­ler wä­ren auch zu se­hen.“Sein Buch kann aber nicht nur on­line, son­dern auch in ge­bun­de­ner Form ge­kauft wer­den: „Es wird dann ge­druckt, wenn ein Le­ser ei­ne Kauf­an­fra­ge stellt.“Auch im Buch­han­del kann es be­stellt wer­den.

Der Markt der Self­pu­blis­her wächst und ge­winnt im­mer wei­ter an Be­deu­tung: Al­lein bei Books on De­mand sind mehr als 45.000 Au­to­ren ak­tiv. Zwar wird es im­mer ein­fa­cher, sein Ge­schrie­be­nes zu ver­öf­fent­li­chen, doch ist es in dem Meer aus Kon­kur­ren­ten schwie­rig, die Auf­merk­sam­keit auf sich zu

(ubg) Sein Fach­ge­biet sind Hai­kus, ei­ni­ge da­von hat Tho­mas Op­fer­mann schon ver­öf­fent­licht. Er schreibt aber nicht nur ei­ge­ne Tex­te. Als frei­be­ruf­li­cher Do­zent bie­tet er Se­mi­na­re zum krea­ti­ven Schrei­ben an – auch an der Volks­hoch­schu­le in Neuss. Hob­by­au­to­ren gibt er vier Tipps, wie der Traum ei­nes ei­ge­nen Bu­ches ge­lin­gen kann.

Übung „Zu­nächst ein­mal soll­te man sich von dem Ge­dan­ken ver­ab­schie­den, dass man sich an den Kü­chen­tisch setzt und in ei­nem Rutsch ei­nen Best­sel­ler schreibt“, er­zählt Op­fer­mann. Schrei­ben sei ei­ne Übungs­sa­che. „Auch ein Mu­si­ker, der Ta­lent hat, muss sein In­stru­ment erst er­ler­nen“, sagt er. Des­we­gen emp­fiehlt der Ex­per­te, sich zu­nächst an Kurz­ge­schich­ten zu ver­su­chen. Ge­nau wie ein Ro­man brau­chen sie ei­nen lo­gi­schen Auf­bau, müs­sen ei­nen Span­nungs- und Hand­lungs­bo­gen ent­hal­ten. Au­ßer­dem könn­ten Schrei­ber sich dar­in in ver­schie­de­nen Sti­len und Gen­res üben. „Die Kurz­ge­schich­te ist ei­ne Spiel­wie­se, und wenn sie nichts ge­wor­den ist, hat man nicht viel Zeit in­ves­tiert“, sagt er.

Mo­ti­va­ti­on Der Aus­tausch mit Gleich­ge­sinn­ten kön­ne mo­ti­vie­ren: „Man muss sich klar wer­den, was für ein Schreib­typ man ist. Ei­ner, der im stil­len Käm­mer­lein schreibt oder ei­ner, der den Aus­tausch sucht“, sagt Op­fer­mann. Da­für kön­ne man

Schreib-Kur­se in sei­ner Stadt be­le­gen oder Schreib­zir­keln und Au­to­ren­krei­sen bei­tre­ten. Denn oft wür­de ei­ne Rück­mel­dung wäh­rend des Schreib­pro­zes­ses mo­ti­vie­ren oder zu­min­dest neue Ide­en brin­gen.

Schreib­blo­cka­de Wel­che Schrei­ber ken­nen es nicht? Die Angst vor der lee­ren Sei­te, ein wei­ßes Blatt löst Hem­mun­gen aus. Da­mit sich der Schreib­fluss ein­stellt, gibt es ei­ne Re­gel: „Ein­fach Schrei­ben.“Tho­mas Op­fer­mann kennt ei­ni­ge Übun­gen, die die Krea­ti­vi­tät an­re­gen. „Man könn­te zum Bei­spiel ein Buch aus dem Re­gal neh­men, es auf­schla­gen und ei­nen be­lie­bi­gen Satz dar­aus wäh­len. Rund um die­sen Satz her­um kann dann ei­ne Ge­schich­te ge­spon­nen wer­den. Sie muss nicht per­fekt wer­den und regt ge­nau da­durch den Schreib­fluss an.“

Ver­öf­fent­li­chen Wer nun ei­ne Ge­schich­te

oder ei­nen Ro­man ver­öf­fent­li­chen möch­te, hat ver­schie­de­ne Op­tio­nen. „Der klas­si­sche Weg wä­re, ein Ex­po­sé an ei­nen Ver­lag zu schi­cken und hof­fen, dass es an­ge­nom­men wird“, sagt Op­fer­mann. Das sei aber wie Lot­to spie­len. Self­pu­blis­hing sei hier ei­ne gu­te Mög­lich­keit, auch, um sich ei­nen Na­men zu ma­chen. Die Au­to­ren soll­ten sich aber be­wusst wer­den, dass viel Ar­beit auf sie zu­kommt: Sie sind für das Lay­out, Lek­to­rat und Co­ver-De­sign selbst ver­ant­wort­lich. „Durch das Self­pu­blis­hing ist ein rie­si­ger Markt ent­stan­den, und um dort auf­zu­fal­len, muss man sich gut ver­mark­ten kön­nen“, sagt Op­fer­mann. „Zum Bei­spiel durch Teil­nah­me an Le­sun­gen, Klin­ken­put­zen in ört­li­chen Buch­lä­den oder Prä­senz in so­zia­len Me­di­en.“

Emp­feh­lung An­fän­gern emp­fiehlt Op­fer­mann, sich in Antho­lo­gi­en zu be­tei­li­gen. Da­für gibt es Li­te­ra­tur­aus­schrei­bun­gen, im In­ter­net kön­ne man ent­spre­chen­de News­let­ter abon­nie­ren, die ei­nen Über­blick über Schreib­wett­be­wer­be und Text­su­chen ge­ben. „An der Teil­na­me ver­dient man meis­tens nichts, be­kommt aber ein Be­le­g­ex­em­plar zu­ge­stellt und hat ei­nen Qua­li­täts­nach­weis“, sagt er. Vor­sicht sei ge­bo­ten, wenn ein Ver­lag Geld von ei­nem Au­tor ver­langt. Bei Ver­trags­ab­schluss soll­ten die Ver­trä­ge ge­nau ge­le­sen wer­den. Er rät da­von ab, als Au­tor al­le Rech­te ab­zu­tre­ten. len­ken. Schrills be­legt et­wa mit sei­nem Ro­man der­zeit den 25842. Rang der Ama­zon Charts in der Ka­te­go­rie „Sci­ence-Fic­tion-Ro­ma­ne“.

Den­noch gibt es ei­ni­ge Er­folgs­ge­schich­ten von Au­to­ren, die als Self­pu­blis­her an­ge­fan­gen ha­ben und von Ver­la­gen ent­deckt wur­den. Da wä­re et­wa Ne­le Neu­haus, die Au­to­rin, die mit Kri­mis aus der Tau­nus-Re­gi­on be­gon­nen hat. Mitt­ler­wei­le wer­den ih­re Bü­cher bei Ull­stein ver­öf­fent­licht. Und aus dem Rhein-Kreis geht Self­pu­blis­he­rin Ca­the­ri­ne She­pherd als leuch­ten­des Vor­bild voran. Be­kannt wur­de sie durch ih­re „Zons-Kri­mis“. Ih­re E-Books wur­den mil­lio­nen­fach ver­kauft, She­pherd ge­hört zu den er­folg­reichs­ten Au­to­rin­nen in Deutsch­land.

Aber es gibt auch den um­ge­kehr­ten Weg: Wie et­wa bei Si­grid Ko­no­patz­ki aus Rommerskir­chen und Syl­via Filz. Ge­mein­sam schrei­ben die bei­den Un­ter­hal­tungs­li­te­ra­tur. Zu­letzt ist ihr Ro­man „Hai Noon am Pool“er­schie­nen – dar­in bre­chen zwei Stu­den­tin­nen in ih­ren Ur­laub auf. Es könn­te pa­ra­die­sisch sein, wür­de nicht Ti­zia­no wie ei­ne Klet­te an ih­nen hän­gen. Die bei­den

„Bei nam­haf­ten Ver­la­gen hat man mit ei­nem Erst­lings­ro­man

kaum ei­ne Chan­ce“

Hau­ke Schrills

Hob­by-Au­tor

„Wir ha­ben uns mit der

Zeit ei­ne re­la­tiv gro­ße Fan­ge­mein­de auf­ge­baut“

Si­grid Ko­no­patz­ki

Hob­by-Au­to­rin

Au­to­rin­nen ha­ben schon Er­fah­run­gen mit Ver­lags-Ver­öf­fent­li­chun­gen ge­macht und sich ganz be­wusst für das „Self­pu­blis­hen“ent­schie­den. „Wir wol­len es gar nicht mehr an­ders“, er­zählt Ko­no­patz­ki, „wir sind in kein Kor­sett ge­drängt, be­kom­men kei­ne Vor­ga­ben und kön­nen uns die Zeit sel­ber ein­tei­len.“

Sie ver­öf­fent­li­chen über den Self­pu­blis­her-Ser­vice von Ama­zon – dort ge­ra­ten ih­re Bü­cher im­mer wie­der in die Best­sel­ler-Lis­ten – ihr neu­er Ro­man steht et­wa auf Rang 28 in der Ka­te­go­rie „Ur­laub Bel­le­tris­tik“und auf Platz 14 der „Lie­bes­ro­ma­ne“. „Wir ha­ben uns mit der Zeit ei­ne re­la­tiv gro­ße Fan­ge­mein­de auf­ge­baut“, er­zählt Ko­no­patz­ki. Auch auf der Leip­zi­ger Buch­mes­se ha­ben die bei­den ei­nen Stand, ge­ben Le­sun­gen oder si­gnie­ren ih­re Bü­cher. Et­wa 30 Ex­em­pla­re ha­ben sie schon her­aus­ge­ge­ben, Un­ter­stüt­zung ho­len sie sich durch ei­nen Lek­to­ren und ei­ne Grafikerin, die das Co­ver de­signt. „Wer Au­tor wer­den möch­te, soll sich von der ro­man­ti­schen Vor­stel­lung ver­ab­schie­den, dass man sich ein­fach hin­setzt und ei­nen Best­sel­ler schreibt. Da­hin­ter steckt viel Ar­beit. Man braucht Durch­hal­te­ver­mö­gen und muss sich auf Durst­stre­cken ein­stel­len.“

FO­TO: KO­NO­PATZ­KI

Syl­via Filz und Si­grid Ko­no­patz­ki sind ger­ne un­ab­hän­gig.

FO­TO: OP­FER­MANN

Tho­mas Op­fer­mann gibt an der VHS in Neuss Se­mi­na­re.

FO­TO: SCHRILLS

Hau­ke Schrills hat kürz­lich sein ers­tes Buch ver­öf­fent­licht.

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