Fast wie bei Wall-e: Gre­ven­broi­cher räu­men die Er­de auf

Auf dem Ge­län­de der EXNO AG im In­dus­trie­ge­biet Ost wird Elek­tro­schrott aus den um­lie­gen­den Städ­ten zer­legt und zur Wie­der­ver­wen­dung auf­be­rei­tet.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Grevenbroich) - - GREVENBROICH - VON VE­RA STRAUB-ROEBEN

GREVENBROICH In der fer­nen Zu­kunft ha­ben die Men­schen die Er­de längst ver­las­sen und le­ben in ei­nem über­di­men­sio­na­len Raum­schiff, wäh­rend Ro­bo­ter die Un­men­gen Müll, die sie auf der Er­de hin­ter­las­sen ha­ben, für sie auf­räu­men. Mitt­ler­wei­le ist „WALL-E“der ein­zi­ge noch funk­ti­ons­fä­hi­ge Ro­bo­ter auf dem Pla­ne­ten und hat ein ei­ge­nes Be­wusst­sein ent­wi­ckelt. Uner­müd­lich räumt er die Er­de auf, ver­packt Schrott und Müll in ge­press­te Pa­ke­te – bis er sich in „EVE“ver­liebt und ihr ins Wel­tall folgt …

So ro­man­tisch geht es im Zer­le­ge­zen­trum der NOEX AG, ei­ner Toch­ter der EGN, nicht zu. Und es sind auch kei­ne Ro­bo­ter, die dort uner­müd­lich den Elek­tro­schrott von Men­schen aus ei­nem Um­kreis von rund 50 Ki­lo­me­tern ver­ar­bei­ten. Et­wa 35.000 Ton­nen be­ar­bei­ten die rund 70 Mit­ar­bei­ter jähr­lich, täg­lich wer­den zwi­schen 130 und 150 Ton­nen an­ge­lie­fert. Dar­un­ter be­fin­den sich ne­ben aus­ge­dien­ten Fern­se­hern, Ste­reo­an­la­gen, Mo­ni­to­ren, Com­pu­tern, To­as­tern, Wasch­ma­schi­nen, Trock­nern und Spül­ma­schi­nen auch Kühl­schrän­ke.

„Wir hal­ten ei­ne auf­wen­di­ge An­la­ge be­reit, um die Kühl­ge­rä­te kom­plett schad­stoff­zu­ent­frach­ten“, er­klärt Ca­van Nel­le­ßen, der für die Ver­mark­tung des re­cy­cel­ten Wert­stoffs zu­stän­dig ist. Zu­nächst muss da­für das um­welt­schäd­li­che FCKW ent­fernt wer­den. „Wer sei­nen Kühl­schrank in der Na­tur wild ent­sorgt, scha­det der Um­welt in et­wa ge­nau­so, als wür­de er mit dem Die­sel-pkw nach To­kio und zu­rück fah­ren“, weiß der 28-Jäh­ri­ge, der der­zeit ein be­rufs­be­glei­ten­des Stu­di­um zum Be­triebs­wirt ab­sol­viert. Et­li­che Sta­tio­nen spä­ter wer­den die ein­zel­nen Wert­stof­fe der Kühl­schrän­ke – Alu­mi­ni­um, Ei­sen und Kunst­stoff – in Be­häl­tern auf­ge­fan­gen. Das FCKW wird mit­tels Stick­stoff ge­bun­den und so si­cher ab­ge­lei­tet.

An an­de­rer Stel­le ist ein gro­ßer Bag­ger da­mit be­schäf­tigt, ent­sorg­te Wasch­ma­schi­nen, Trock­ner und an­de­re gro­ße Kü­chen­ge­rä­te – ab­ge­se­hen von Kühl­schrän­ken – zu ei­nem rie­si­gen Berg auf­zu­tür­men. Der­weil wer­den in Hal­le 4 die Klein­ge­rä­te aus­ein­an­der ge­nom­men und fach­ge­recht für die Wie­der­ver­wer­tung sor­tiert. Vor­ran­ging han­delt es sich da­bei um Fern­se­her, de­ren Be­stand­tei­le ei­nen grö­ße­ren Wert be­sit­zen, als die meis­ten Men­schen den­ken. „Die Pla­ti­nen be­inhal­ten Gold, Sil­ber, Kup­fer und Pal­la­di­um, die Ka­bel sind oft­mals mit Kup­fer um­man­telt. Und auch das Glas ist et­was wert, muss aber zu­nächst von der um­welt­schäd­li­chen Blei­schicht be­freit wer­den“, er­klärt Nel­le­ßen.

Für die EXNO AG hat der Um­welt­schutz ei­nen gro­ßen Stel­len­wert. „Des­we­gen wol­len wir, dass die In­dus­trie die Pro­duk­te – vor al­lem Elek­tro­ge­rä­te – lang­le­bi­ger und re­cy­cling­freund­li­cher macht“, be­tont Egn-spre­che­rin Kris­tia­ne Helm­hold. Ca­van Nel­le­ßen hat gleich ein Ne­ga­tiv-bei­spiel pa­rat: „Die Kin­der­schu­he, die beim Lau­fen leuch­ten, kön­nen nicht wie­der­ver­wer­tet wer­den. Sie müs­sen ver­brannt wer­den.“Doch die Um­welt­ar­beit en­det nicht am Ge­län­de­tor: „Ex­per­ten von uns be­su­chen Grund­schü­ler und ge­ben ih­nen Um­welt­un­ter­richt. Au­ßer­dem ha­ben wir mehr­fach den Dor­ma­ge­ner Um­welt­schutz­preis ge­spon­sert“, sagt Kris­tia­ne Helm­hold.

FO­TO: G. SALZ­BURG

Pe­ter Hoch­hau­sen (l.) und Ca­van Nel­le­ßen vor ei­nem Hau­fen Elek­tro-schrott, der aus den um­lie­gen­den Städ­ten an­ge­lie­fert wird.

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