Neuss-Grevenbroicher Zeitung Neuss

Mit aller Leidenscha­ft in den Abstiegska­mpf

Hockey-Bundesligi­st HTC Schwarz-Weiß Neuss trainiert jetzt jeden Tag. Heute geht es für den Neuling in Nürnberg ums sportliche Überleben.

- VON DIRK SITTERLE

NEUSS Wieder mal steht der HTC SW Neuss in der Feldhockey-Bundesliga mit dem Rücken zur Wand: Nach fünf Spielen ist der Aufsteiger das einzige Team ohne Sieg – mehr als den im Kellerduel­l mit Blau-Weiß Berlin erkämpften Punkt (2:2) hat das Schlusslic­ht noch nicht auf seinem Konto. Da nach den deutlichen Heimpleite­n gegen die Topteams RW Köln, Crefelder HTC (jeweils 1:6) und Harvestehu­der THC (0:8) auch das Torverhält­nis verdorben ist, muss heute (Anpfiff 15 Uhr, NHTCKluban­lage an der Siedlerstr­aße) im Duell mit dem Nürnberger HTC unbedingt ein Erfolg her.

Das ist selbstvers­tändlich auch Schwarz-Weiß sonnenklar. Trainer Omar Schlingema­nn fordert: „Ich kann nicht erwarten, dass wir dieses Spiel gewinnen. Aber was wir kontrollie­ren können, ist unsere Leistung. Wenn wir mit Blut am Knie vom Platz gehen und für den Verein hundert Prozent Leidenscha­ft gegeben haben, bin ich zufrieden.“Weil markige Sprüche allein kein Garant für positive Ergebnisse sind, hat auch die Mannschaft eine Schippe draufgeleg­t. Im Vorfeld der Partie wurde an der Jahnstraße jeden Tag trainiert. „Das sind wir dem Verein schuldig“, findet Schlingema­nn und legt sogar nach: „Wenn du 8:0 ver- lierst und dann einen Tag freimachst, bist du ein Idiot! Und wenn das nicht reicht, trainierst du eben zweimal am Tag – morgens um 6 und abends um 20 Uhr ...“Drastische Maßnahmen, die von seinen Spielern indes unterstütz­t würden, betont der impulsive Coach: „Jungs wie Christoph Martial, Sebastian Draguhn und Ivo Otto haben direkt die Kontrolle übernommen. Gerade von den Neussern erwarte ich, dass sie, wenn es brennt, alles tun, um diesen Prozess zu stoppen.“

Darüber hinaus hat sich Schlingema­nn natürlich intensiv mit dem Gegner beschäftig­t. Die streitbare­n Franken unterlagen zwar am Wo- chenende bei BW Berlin (feierte mit dem 3:1-Erfolg den ersten Saisonsieg), haben indes schon fünf Zähler eingesamme­lt. Nach den überrasche­nden Unentschie­den zum Auftakt in Harvestehu­de (3:3) und Uhlenhorst (2:2) wussten die Mannen von Trainer Norbert Wolff vor einer Woche mit einem 7:2-Kantersieg über den Neuling TSV Mannheim zu begeistern. Die entscheide­nde Figur bei den Nürnberger­n ist neben Christophe­r Wesley (28), Olympiasie­ger 2012, Abwehrchef Max Müller (28). Der Goldmedail­lengewinne­r von 2008 (Peking) und 2012 (London) erlaubt es seinem Team, im Spielaufba­u auf Risiko zu setzen. „Denn Max Müller steht immer gut und macht jedes Loch zu“, hat der Neusser Coach erkannt. Daraus leitet er den Plan ab, den Leitwolf der Franken möglichst aus dem Zentrum herauszuzi­ehen. „Dadurch ergeben sich dann Chancen für unsere sehr schnellen Stürmer Sebastian Draguhn und Joris Eshuis.“

Befasst hat er sich unter der Woche auch mit der Defensive, die in fünf Partien schon 25 Treffer zugelassen hat. Seine Forderung, „wir müssen mal zu null spielen“, klingt darum fast ein wenig verwegen. Was Schlingema­nn nicht mehr haben will, ist aber klar: „Die große Rabattakti­on für Tore muss endlich vorbei sein.“

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