Ein Ge­win­ner steht fest: die CDU

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - VORDERSEITE -

Der künf­ti­ge Re­gie­rungs­chef der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wird An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er oder Fried­rich Merz hei­ßen (oder viel­leicht Ro­bert Ha­beck, wenn sich aus dem grü­nen­Wir­bel­wind der ver­gan­ge­nen Mo­na­te ein ech­ter po­li­ti­scher Kli­ma­wan­del er­gibt). Das al­so ah­nen wir am Tag ei­nes his­to­ri­schen Par­tei­tags. Und sonst?

Nun, nach dem Kan­di­da­ten-Ren­nen steht ein Ge­win­ner fest: die CDU. Der Wett­be­werb hat die als Kanz­ler­wahl­ver­ein ver­schrie­ne Par­tei re­vi­ta­li­siert. Sel­ten wur­de so of­fen und in­ten­siv über Ren­te und Pfle­ge, Steu­ern und So­zia­les, Mi­gra­ti­on und In­te­gra­ti­on dis­ku­tiert. Die Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen wa­ren ei­ne Selbst­fin­dungs­mis­si­on für die christ­lich-de­mo­kra­ti­sche See­le. Dies wer­den die Mit­glie­der auch bei künf­ti­gen Ent­schei­dun­gen ver­lan­gen.

Zwei­tens. Ei­ne Kampf­kan­di­da­tur ist kein Af­front ge­gen Par­tei­freun­de, son­dern ein le­gi­ti­mes Mit­tel im de­mo­kra­ti­schen Aus­wahl­pro­zess. Mit Merz, Kramp-Kar­ren­bau­er und Spahn ha­ben die CDU-De­le­gier­ten drei en­ga­gier­te, elo­quen­te und lei­den­schaft­li­che Christ­de­mo­kra­ten er­lebt. Sie de­mons­trier­ten die Brei­te der Par­tei. Das tat der Par­tei gut. Dass sich jetzt ei­ni­ge dar­über auf­re­gen, dass sich pro­mi­nen­teVer­tre­ter für ih­ren Lieb­ling aus­spre­chen, ist lä­cher­lich.War­um soll­te das Prä­si­di­ums­mit­glie­dWolf­gang Schäu­b­le nicht sa­gen dür­fen, wen er aus wel­chen Grün­den­am­ge­eig­nets­ten­hält?Von­ei­ne­mDamm­bruch zu spre­chen, ist un­nö­tig, zu­mal sich vor­her schon Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ähn­lich äu­ßer­ten. Je­der und je­de De­le­gier­te kann wei­ter frei und ge­heim ent­schei­den. atür­lich ist die Wahl des neu­en CDU-Chefs (Che­fin) auch ei­ne Rich­tungs­ent­schei­dung zwi­schen ei­nem et­was kon­ser­va­ti­ve­ren Kurs in mi­gra­ti­ons- und wirt­schafts­po­li­ti­schen Fra­gen und ei­ner kri­ti­sche­ren Bi­lanz der Ära Mer­kel (Merz) und ei­nem so­zi­al­po­li­tisch eher lin­ken Kurs mit ei­nem et­was grö­ße­ren Ver­ständ­nis für den groß­ko­ali­tio­nä­ren Kon­sens (Kramp-Kar­ren­bau­er). Auch das ist le­gi­tim. Ei­ne be­vor­ste­hen­de Spal­tung der Par­tei, die ei­ni­ge CDU-Funk­tio­nä­re nun her­bei­re­den, lässt sich nicht er­ken­nen. Kramp-Kar­ren­bau­er will Flücht­lin­ge nach Sy­ri­en ab­schie­ben, Merz war schon Ver­fech­ter des Min­dest­lohns. Kramp-Kar­ren­bau­er ist ge­gen die Ho­mo-Ehe, Merz für ei­ne eu­ro­päi­sche Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung. Rech­ter Hard­li­ner ge­gen lin­ke Mo­de­ra­to­rin? Das ist Un­sinn! Viel­leicht soll­ten man­che, auch die Re­gie­rungs­chefs in der Kie­ler und Düs­sel­dor­fer Staats­kanz­lei, die Links-Rechts-Schub­la­den wie­der in den Schrank schie­ben. Merz und Kramp-Kar­ren­bau­er wer­den bei­de ein In­ter­es­se dar­an ha­ben, die Re­gie­rung (und da­mit Mer­kel) zu sta­bi­li­sie­ren. Krampf­haft her­bei­ge­führ­te Neu­wah­len leh­nen die Wäh­ler ab. Und Jens Spahn? Der ist auch ein Ge­win­ner, selbst wenn er ver­liert. Er prä­sen­tier­te sich und sei­ne Themen als christ­de­mo­kra­ti­sche Al­ter­na­ti­ve für mor­gen. Er kämpf­te und blieb fair. Er bleibt Mi­nis­ter. Und er hat Zeit.

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