Ge­or­ge, die Rie­sen­schild­krö­te, ist 120 Jah­re alt und im bes­ten Man­nes­al­ter

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - REISE&WELT -

ner aus Wi­en fo­to­gra­fiert, bis sein Ak­ku leer ist. Vor Des­ro­ches kommt kei­ne Un­ter­was­ser-Lan­ge­wei­le auf.

Des­halb kom­men To­ni und Ehe­frau Bri­git re­gel­mä­ßig hier­her – seit 30 Jah­ren schon. Da­mals war auf Des­ro­ches nur ein klei­nes Tau­cher­re­sort von rus­ti­ka­lem Charme. Die bei­den Ös­ter­rei­cher ver­lieb­ten sich in die In­sel und kauf­ten ei­ne Strand­hüt­te. Vor ein paar Mo­na­ten hat der ka­na­di­sche Ho­tel­kon­zern Four Sea­sons das ehe­ma­li­ge Hüt­ten­dorf über­nom­men und es zu ei­ner läs­si­gen Lu­xus­de­s­ti­na­ti­on ge­macht. Kei­ne der 71Vil­len hat we­ni­ger als 54 Qua­drat­me­ter. Al­le ver­fü­gen über ei­ge­nen Strand­zu­gang mit Du­sche und Kingsi­ze-Hän­ge­mat­te, ei­nen Gar­ten­pa­vil­lon und ei­nen ei­ge­nen klei­nen Pool. Wie To­ni und Bri­git dieVe­rän­de­rung fin­den? „Su­per! Der Wert un­se­res Häu­schens hat sich da­mit über Nacht ver­dop­pelt...“

Aber Lu­xus heißt hier vor al­lem Ser­vice in al­len Le­bens­la­gen: ei­ne ge­führ­te Schnor­chel­tour zum Haus­riff mit ei­ner aus­ge­bil­de­ten Mee­res­bio­lo­gin; ei­ne nächt­li­che Cock­tail­par­ty auf dem Roll­feld mit ei­nem Meer aus Ker­zen un­ter ei­nem über­wäl­ti­gen­den Ster­nen­him­mel, wie man ihn nur an so ent­le­ge­nen Or­ten se­hen kann; ei­ne in­di­vi­du­el­le Yo- ga-St­un­de am Strand mit ei­nem Son­nen­gruß, der sei­nen Na­men ver­dient.

Aber recht­fer­tigt all das die lan­ge und et­was kom­pli­zier­te An­rei­se? Auf die Ma­le­di­ven kann man schließ­lich be­quem di­rekt flie­gen. Tau­cher To­ni muss es wis­sen.„Des­ro­ches hat doch viel mehr zu bie­ten. Die In­sel ist viel grö­ßer und hat ganz un­ter­schied­li­che Ge­sich­ter.“Da ist der Dschun­gel in der Mit­te der In­sel, das klei­ne kreo­li­sche Dorf, wo man mit den Ein­hei­mi­schen plau­dern kann, oder der dra­ma­ti­sche North Po­int, wo einst der In­sel­leuch­turm sei­ne blin­ken­de Warnung an die See­fah­rer aus­sand­te. Heu­te gibt es an der an­de­ren In­sel­spit­ze wie­der ein uri­ges Lighthouse – das Fi­ne Di­ning Re­stau­rant von Des­ro­ches.

Ge­or­ge ge­hört das be­kann­tes­te Ge­sicht der In­sel. Er ist rund 120 Jah­re alt und da­mit im bes­ten Man­nes­al­ter – für ei­ne Ald­a­bra-Rie­sen­schild­krö­te. Ge­kom­men ist er vor acht Jah­ren, zu­sam­men mit 45 Art­ge­nos­sen von der un­be­rühr­ten Sey­chel­len-In­sel Sil­hou­et­te. Ein Na­tur­schutz­pro­jekt der staat­li­chen Ge­sell­schaft IDC (Is­lands De­ve­lop­ment Com­pa­ny). Ge­dul­dig lässt sich Ge­or­ge mit Tou­ris­ten fo­to­gra­fie­ren, am liebs­ten mit Äp­feln füt­tern und nur sel­ten wird er rup­pig. Vor al­lem wenn Pfle­ger Je­an-Clau­de Ca­mil­le ihn zu ei­ner klei­nen Kraft­pro­be auf­for­dert und sich fron­tal ge­gen sei­nen Pan­zer stemmt. Ge­or­ge rich­te sich dann mit sei­nen rund 300 Ki­lo Kör­per­ge­wicht auf, faucht ein­drucks­voll und ge­winnt je­des Du­ell im Drü­cken. Das Le­ben auf Des­ro­ches scheint Ge­or­ge und sei­nem Ha­rem je­den­falls zu ge­fal­len. Die Zahl der Rie­sen­schild­krö­ten hat sich in we­ni­gen Jah­ren ver­drei­facht. Der Be­such in der Auf­zucht­sta­ti­on ist ein Hö­he­punkt je­der Des­ro­ches-Rei­se – vor al­lem mit Kin­dern.

Na­tur­schutz wird auf den Sey­chel­len oh­ne­hin groß ge- schrie­ben. Das steht schließ­lich seit 1993 in der Ver­fas­sung. Im Four Sea­sons et­wa sind kei­ne Plas­tik­fla­schen üb­lich. Auch Sham­poo und Dusch­gel im Bad kom­men aus nach­füll­ba­ren Ke­ra­mik­tie­geln. Nur bei ei­nem klei­nen Pick­nick am end­lo­sen Strand na­mens Ma­dame Zab­re kom­men kurz Zwei­fel auf. Ce­viche, Obst­sa­lat und Palm­her­zen sind doch in Plas­tik ver­packt?! Die Nach­fra­ge bei Re­sort-Spre­che­rin Amy Sef­ton er­gibt: Was wie durch­sich­ti­ges Plas­tik aus­sieht, be­steht aus nach­wach­sen­den Roh­stof­fen – trans­pa­ren­te Pflan­zen­mas­se.

Im Tauch­zen­trum na­mens Blue Sa­fa­ri kommt das The­ma auch so­fort zur Spra­che: Che­fin Kel­ly Sher­ring­ton aus Süd­afri­ka legt gro­ßen Wert dar­auf, dass die Tauch­plät­ze nicht mit Bo­jen mar­kiert sind und riff­schäd­li­che An­ker wer­den eben­falls nicht ge­wor­fen. Auch pro­mi­nen­te Tau­cher mit Um­welt­be­wusst­sein schät­zen das. Kürz­lich hat Hol­ly­wood-Star Ju­de Law zum Tau­chen da. Und Prinz Wil­li­am und Her­zo­gin Ka­te sind nicht nur Des­ro­ches-Fans son­dern auch be­geis­ter­te Tau­cher.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.