RECHT & AR­BEIT

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - BERUF&KARRIERE -

Ur­laubs­recht

(bü) Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) hat – ge­gen das in Deutsch­land gel­ten­de Recht – ei­ne Re­ge­lung für un­wirk­sam er­klärt, wo­nach Ar­beit­neh­mer, die im Lau­fe des Jah­res ih­rem Ar­beit­ge­ber kei­nen Ur­laubs­wunsch vor­tra­gen, die­sen An­spruch nicht mehr per Barab­gel­tung gel­tend ma­chen kön­nen, wenn sie aus dem Un­ter­neh­men aus­schei­den. Der Leit­satz: Ein Ar­beit­neh­mer darf sei­ne er­wor­be­nen An­sprü­che auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub nicht au­to­ma­tisch des­halb ver­lie­ren, weil er kei­nen Ur­laub be­an­tragt hat. Dies hat das Ge­richt zu­guns­ten ei­nes Rechts­re­fe­ren­dars beim Land Ber­lin ent­schie­den, der kei­nen Ur­laub be­an­tragt hat­te, um am Jah­res­en­de bei sei­nem Aus­schei­den da­für ei­ne Bar­ab­fin­dung kas­sie­ren zu kön­nen. Der Ar­beit­ge­ber hät­te ihn auf­for­dern müs­sen, sei­nen Ur­laub recht­zei­tig zu neh­men, da­mit Ar­beit­neh­mer – sinn­ge­mäß – nicht in Ver­su­chung kä­men, so wie der be­tref­fen­de Ar­beit­neh­mer auf Er­ho­lungs­ur­laub zu ver­zich­ten; Ar­beit­neh­mer müss­ten zum wirk­sa­men Schutz ih­rer Ge­sund­heit über ei­ne„Ru­he­zeit“ver­fü­gen. (EuGH, C 619/16 u. a.)

Ab­fin­dung

Steu­er­zah­ler, die beim Ver­lust ih­res Ar­beits­plat­zes von ih­rem Ar­beit­ge­ber ei­ne Ab­fin­dungs­zah­lung er­hal­ten, kön­nen be­an­tra­gen, dass die­ses Geld nach der so ge­nann­ten Fünf­tel­me­tho­de be­steu­ert wird. Das bringt im Ver­gleich zum üb­li­chen An­satz von Ar­beits­ver­diens­ten ei­ne er­mä­ßig­te Steu­er­zah­lung. Das gilt aber nur dann, wenn ei­ne Zah­lung „als Er­satz für ent­gan­ge­ne oder ent­ge­hen­de Ein­nah­men“ge­leis­tet wur­de. Ist da­ne­ben ei­ne wei­te­re Zah­lung ge­leis­tet wor­den, die – wie hier – „ge­sund­heit­li­che Schä­den“aus­glei­chen soll, dann kann die­ser Teil nicht nach der Fünf­tel­re­ge­lung be­steu­ert wer­den, weil es sich da­bei nicht um „ei­ne Ent­schä­di­gung für ent­gan­ge­ne Ein­nah­men han­delt“. (BFH, IX R 34/16)

Wie­der­ein­glie­de­rung

Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg hat ei­ne ver­pflich­ten­de Re­gel aus dem Ar­beits­recht ei­nem Fir­men­ma­nage­ment ins Ge­dächt­nis zu­rück­ge­ru­fen, dass für Mit­ar­bei­te­rin­nen oder Mit­ar­bei­ter, die län­ge­re Zeit ar­beits­un­fä­hig krank sind, ein „Be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment“(BEM) durch­ge­führt wer­den muss. Da­durch soll fest­ge­stellt wer­den, ob und ge­ge­be­nen­falls auf wel­chem Ar­beits­platz die nicht mehr voll ein­satz­fä­hi­ge Per­son im Be­trieb noch be­schäf­tigt wer­den kann. Ei­ne Kün­di­gung ist oh­ne ein sol­ches „BEM“nicht er­laubt. (ArG Ham­burg, 4 Ca 195/17)

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