Haut-sa­che

NikonBIBEL - - INHALT - Fo­tos: Jee­an Pho­to­gra­phy | In­ter­view: Se­bas­ti­an Sonn­tag

Akt- & Fa­shion-fo­to­graf Jee­an Al­va­rez

>> Aus­druck und Sty­ling spie­len auf Jee­ans Bil­dern ei­ne eben­bür­ti­ge Rol­le. Die meis­ten Klei­dungs­stü­cke für sei­ne Shoo­tings sucht er selbst aus. Ni­kon D750 | 44mm | 1/2000 s | F/4 | ISO 250

Akt- und Fa­shion-fo­to­graf Jee­an Al­va­rez steht auf der Son­nen­sei­te des Le­bens: Er fo­to­gra­fiert leicht be­klei­de­te Schön­hei­ten auf Ibi­za, ist ver­lobt und konn­te sei­ne Lei­den­schaft zum Be­ruf ma­chen. Hin­ter die­sem Le­ben ste­cken Ehr­geiz und ei­ne Lis­te an fest de­fi­nier­ten Zie­len.

Jee­an Al­va­rez sieht sich selbst als Künst­ler. Ob­wohl er mit sei­nen Auf­nah­men für gro­ße Kun­den wie den Play­boy gu­tes Geld ver­dient, steht für ihn im­mer der Aus­druck sei­ner Auf­nah­men im Vor­der­grund. Das merkt man sei­nen Bil­dern ge­nau­so an wie sei­ne pe­ni­ble, per­fek­tio­nis­ti­sche Her­an­ge­hens­wei­se beim Er­ar­bei­ten der Mo­ti­ve. Ein biss­chen in der Son­ne ab­hän­gen und ne­ben­her ein paar leicht be­klei­de­te Mä­dels ab­lich­ten? Fehl­an­zei­ge! Im In­ter­view ver­rät er uns, wor­auf es ihm tat­säch­lich an­kommt.

: Jee­an, du fo­to­gra­fierst seit 2009. Kannst du uns et­was über dei­ne An­fän­ge er­zäh­len? Jee­an Al­va­rez: Als Ju­gend­li­cher und in mei­nen 20ern war ich sehr sport­lich, durch­trai­niert und hat­te Spaß da­ran, selbst vor der Ka­me­ra zu ste­hen. Die Er­geb­nis­se ha­ben mich al­ler­dings meist nicht über­zeugt, sei es we­gen der Far­ben oder der Be­ar­bei­tung. Al­so ha­be ich an­ge­fan­gen, die Bil­der ei­gen­stän­dig zu re­tu­schie­ren. Ir­gend­wann kam mir die Idee, über die Be­ar­bei­tung hin­aus auch die Fo­to­gra­fie in die ei­ge­nen Hän­de zu neh­men und den gan­zen Pro­zess von der The­men­su­che über die Bild­ge­stal­tung bis zur Re­tu­sche selbst zu steu­ern. Ich spar­te Geld für ei­ne Spie­gel­re­flex­ka­me­ra und mach­te mei­ne ers­ten Fo­tos. Dass ich da­mit ir­gend­wann Geld ver­die­nen wür­de, konn­te ich mir da­mals noch nicht vor­stel­len.

Was hast du vor der Fo­to­gra­fie ge­macht?

Ich ha­be im Fit­ness­be­reich ge­ar­bei­tet, als Per­so­nal Trai­ner und als Fit­ness­ma­na­ger. Nach­dem ich mit der Fo­to­gra­fie be­gon­nen hat­te, lief bei­des noch ei­ne Zeit lang par­al­lel, bis ich mich 2013 end­gül­tig fürs Fo­to­busi­ness ent­schied. Dein Port­fo­lio be­steht in ers­ter Li­nie aus Mo­de-, Des­sous- und Akt-auf­nah­men. Was macht für dich den Reiz die­ses Gen­res aus?

In ers­ter Li­nie macht es mir wahn­sin­nig viel Spaß, äs­the­ti­sche Bil­der­se­ri­en zu fo­to­gra­fie­ren. Die Per­so­nen­fo­to­gra­fie ist für mich et­was sehr In­spi­rie­ren­des. Bei je­dem Shoo­ting ent­ste­hen neue Ide­en, es gibt im­mer wie­der an­de­re Her­aus­for­de­run­gen und man hat die Mög­lich­keit, mit dem Mo­del zu in­ter­agie­ren. Und auch die Prä­sen­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten sind sehr viel­fäl­tig, von Ma­ga­zi­nen über Bü­cher und Fa­shion­kam­pa­gnen bis hin zu Lin­ge­rie-de­si­gnern…

Apro­pos Bü­cher: Du hast uns er­zählt, du ar­bei­test ak­tu­ell an ei­nem ei­ge­nen Bild­band?

Das ist rich­tig. Der Bild­band ist mein nächs­tes gro­ßes fo­to­gra­fi­sches Ziel, in das ich sehr viel Ener­gie und Kraft ste­cke. Es wer­den bild­hüb­sche Mäd­chen, vie­le tol­le Nu­de-se­ri­en und ei­ni­ge be­kann­te Play­mates zu se­hen sein. Be­son­ders viel Wert le­ge ich bei die­sen Stre­cken, wie bei al­len mei­nen Bil­dern, auf die ge­eig­ne­te Lo­ca­ti­on: Von der Traum­vil­la auf Ibi­za bis hin zu wun­der­schö­nen Strän­den ist al­les mit da­bei.

Wann wird der Bild­band er­schei­nen?

Die Ver­öf­fent­li­chung des Bu­ches ist für En­de 2018 ge­plant. Für vie­le Men­schen ist das erst in fer­ner Zu­kunft, aus ei­ge­ner Er­fah­rung weiß ich je­doch, wie schnell die Zeit ver­geht und wie es­sen­zi­ell es bei wich­ti­gen Pro­jek­ten ist, früh­zei­tig da­mit an­zu­fan­gen – be­son­ders, wenn sie so um­fang­reich sind wie die­ses hier.

Du wirkst gut durch­or­ga­ni­siert.

Ich set­ze mir im­mer wie­der neue Zie­le, an de­ren Um­set­zung ich hart und pe­ni­bel ar­bei­te. Das be­kom­men üb­ri­gens manch­mal auch mei­ne Mo­dels zu spü­ren. Wenn ich mit dem Bild nicht zu­frie­den bin, pas­siert es schon mal, dass wir über ei­ne hal­be St­un­de an ei­ner Po­se fei­len, bis al­len das Er­geb­nis ge­fällt.

Es gibt Po­sen, in de­nen sieht selbst das bes­te Mo­del un­vor­teil­haft aus, und an­de­re, die die Vor­zü­ge be­son­ders gut zur Gel­tung brin­gen. Jee­an Al­va­rez

>> Die rich­ti­ge Po­se ent­schei­det häu­fig über die Wir­kung des Kör­pers auf dem Bild. Ei­ne gu­te Kör­per­span­nung ist für ei­ne ge­lun­ge­ne Auf­nah­me be­son­ders wich­tig. Ni­kon D750 | 85mm | 1/1000 s | F/3,5 | ISO 100

>> Wer bei Nackt­auf­nah­men am Strand an Fo­tos mit blau­em Him­mel und frei­zü­gi­gen Po­sen denkt, wird hier ei­nes Bes­se­ren be­lehrt. Der in­ten­si­ve Blick und die schüt­zen­de Po­se ge­ben der Mo­no­chrom-auf­nah­me ei­nen ru­hi­gen, aber in­ten­si­ven Cha­rak­ter. Ni­kon D810 | 62mm | 1/125 s | F/4 | ISO 100

Führt das nicht manch­mal zu Ver­stim­mun­gen? Mit den meis­ten mei­ner Mo­dels ha­be ich schon oft zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Wir sind auf­ein­an­der ein­ge­spielt und die Kom­mu­ni­ka­ti­on so­wie die Um­set­zung mei­ner Ide­en klappt rei­bungs­los. Wenn ich ei­nen neu­en oder aus­ge­fal­le­nen Typ su­che, grei­fe ich auf ver­schie­de­ne Agen­tu­ren zu­rück, mit de­nen ich zu­sam­men­ar­bei­te. Manch­mal fin­de ich auch auf Ins­ta­gram ein in­ter­es­san­tes Mo­del und schrei­be es dann ein­fach an.

Was sagt dei­ne Ver­lob­te zu die­ser en­gen Zu­sam­men­ar­beit mit den Mo­dels?

Tat­säch­lich un­ter­stützt sie mich auf gan­zer Li­nie und war auch schon mal bei ei­nem Play­boy-shoo­ting mit da­bei. Als mein ers­tes Co­ver er­schien, hat­te sie ein Ge­schenk für mich vor­be­rei­tet: ein traum­haf­ter Strauß Blu­men und das Play­boy-co­ver – schön ein­ge­rahmt, um es spä­ter an die Wand zu hän­gen.

Kannst du uns ver­ra­ten, für wel­che Kun­den du bis­her schon al­les fo­to­gra­fiert hast?

Ich fo­to­gra­fie­re im­mer wie­der für den Play­boy – bis­lang schon sechs­mal, au­ßer­dem war ich schon in di­ver­sen Fern­seh­for­ma­ten zu se­hen. Auch die Zeit­schrif­ten Closer und In­touch ha­ben mei­ne Bil­der schon ver­öf­fent­licht.

Was möch­test du den Be­trach­tern mit dei­nen Auf­nah­men ver­mit­teln?

Ich möch­te vor al­lem mei­ne Sicht der Welt nä­her­brin­gen, die Schön­heit, die je­der Ein­zel­ne von uns be­sitzt und die nur dar­auf war­tet, her­vor­ge­holt zu wer­den. Man­che Leu­te kön­nen sie von Na­tur aus zei­gen, an­de­re brau­chen et­was Hil­fe. Die Un­ter­stüt­zung da­bei ist Teil mei­ner Auf­ga­be.

Akt­auf­nah­men sind für je­des Mo­del be­son­ders hei­kel. Wie schaffst du es, dei­ne Prot­ago­nis­ten op­ti­mal in Sze­ne zu set­zen?

Das Wich­tigs­te ist die rich­ti­ge Po­se. Es gibt Po­sen, in de­nen sieht selbst das bes­te Mo­del un­vor­teil­haft aus, und an­de­re, die die Vor­zü­ge be­son­ders gut zur Gel­tung brin­gen. Wich­tig ist da­bei der Bauch. Man kann auch mit Ac­ces­soires wie De­cken oder ei­nem Ba­de­man­tel ar­bei­ten, um Pro­blem­zo­nen zu ka­schie­ren. Für best­mög­li­che Er­geb­nis­se ist au­ßer­dem die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Mo­del ex­trem wich­tig. Nur wenn sich al­le am Set wohl­füh­len, ent­ste­hen na­tür­li­che, ent­spann­te Auf­nah­men.

Las­sen sich Pro­blem­zo­nen heut­zu­ta­ge nicht ein­fach di­gi­tal in Pho­to­shop kor­ri­gie­ren? Prin­zi­pi­ell ja. Ich be­vor­zu­ge es aber, mei­ne Bil­der schon beim Shoo­ting mög­lichst per­fekt um­zu­set­zen und spä­ter nur noch De­tails wie Haut, Far­ben und Kon­tras­te am Com­pu­ter zu kor­ri­gie­ren.

Wo­her nimmst du ei­gent­lich dei­ne Ide­en und gibt es viel­leicht ei­nen Fo­to­gra­fen, des­sen Ar­bei­ten du ganz be­son­ders be­wun­derst?

Ja, ich lie­be die Ar­bei­ten von To­ny Kel­ly. Auch sein Wer­de­gang und sei­ne Re­fe­ren­zen sind be­ein­dru­ckend. To­ny ar­bei­tet auf ab­so­lu­tem Top­ni­veau und schafft es, trotz der ho­hen Qua­li­tät im­mer noch ei­ne or­dent­li­che Por­ti­on Hu­mor mit ins Bild zu brin­gen. Mei­ne ei­ge­nen In­spi­ra­tio­nen fin­de ich über­all. Beim Durch­blät­tern von Zeit­schrif­ten eben­so wie beim Ein­kau­fen, vie­les ent­steht auch spon­tan wäh­rend des Shoo­tings.

Die Per­so­nen­fo­to­gra­fie ist für mich et­was sehr In­spi­rie­ren­des. Bei je­dem Shoo­ting ent­ste­hen neue Ide­en und es gibt im­mer wie­der an­de­re Her­aus­for­de­run­gen. Jee­an Al­va­rez

Was war dein bis­her tolls­tes Shoo­ting?

Im Jahr 2015 ha­be ich ein um­fang­rei­ches Shoo­ting auf Ibi­za kom­plett al­lei­ne auf die Bei­ne ge­stellt. Mo­dels, Lo­ca­ti­on, Un­ter­kunft, Miet­au­to, das gan­ze Pro­gramm. Ich kann­te die In­sel nicht, spre­che aber zum Glück Spa­nisch, was mir die Kom­mu­ni­ka­ti­on et­was er­leich­tert hat. Es ge­lang mir, ein­zig­ar­ti­ge Lo­ca­ti­ons zu be­kom­men, die sonst ei­nen vier­stel­li­gen Be­trag pro

>> Frei­zü­gi­ge Bil­der wir­ken schnell künst­lich und un­na­tür­lich. Die­se Auf­nah­me zeigt, dass es auch an­ders geht. Als Be­trach­ter darf man sich al­ler­dings nicht täu­schen las­sen: Häu­fig steckt hin­ter ei­nem na­tür­lich an­mu­ten­den Fo­to mehr Ar­beit. Ni­kon D750 | 35mm | 1/125 s | F/7,1 | ISO 100

Tag kos­ten. Die Her­aus­for­de­run­gen bei der Rea­li­sie­rung des Pro­jekts wa­ren rie­sig und ich bin sehr froh und stolz, dass ich es um­ge­setzt ha­be. Am En­de wur­den die Bil­der in ei­ner acht­sei­ti­gen Fo­to­stre­cke in­klu­si­ve Co­ver ver­öf­fent­licht.

Wie kamst du auf Ibi­za?

Ich mag die At­mo­sphä­re der In­sel sehr. Es gibt echt tol­le Lo­ca­ti­ons, so­wohl Strän­de als auch Ge­bäu­de. Und ich ha­be dort die idea­len Vor­aus­set­zun­gen zur Um­set­zung mei­ner Bild­ide­en. Auch das Licht ist ein Traum!

Fo­to­gra­fierst du aus­schließ­lich mit na­tür­li­chem Licht oder setzt du auch Kunst­licht ein?

Ich lie­be Avail­a­be Light, es er­zeugt ei­ne ganz be­son­de­re Stim­mung, und wenn man da­mit um­zu­ge­hen weiß, ent­ste­hen gran­dio­se Auf­nah­men. Bei Auf­trä­gen oder In­nen­auf­nah­men set­ze ich aber auch Blit­ze von Elin­chrom ein.

Mit wel­chem Equip­ment fo­to­gra­fierst du? Gibt es ein Uten­sil, das du bei je­dem Shoo­ting da­bei hast? Ich ver­wen­de in der Re­gel ei­ne So­ny Al­pha 7R II so­wie ei­ne Ni­kon D750. An Ob­jek­ti­ven kom­men meist ein 85mm, ein Sig­ma Art 35mm oder auch ein 24-70mm zum Ein­satz. Das wich­tigs­te Uten­sil ist aber mei­ne JBL Pul­se Mu­sik­box. Mu­sik sorgt für gu­te Stim­mung und ist für na­tür­li­che, aus­drucks­star­ke Bil­der ein ech­tes Ge­heim­re­zept.

Du bist auf Ins­ta­gram sehr ak­tiv. Wie wich­tig ist So­ci­al Me­dia für dich und dei­ne Ar­beit?

Als Fo­to­graf gibt ei­nem Ins­ta­gram ei­ne tol­le Mög­lich­keit, mit Kun­den, an­de­ren Fo­to­gra­fen und Mo­dels in Kon­takt zu blei­ben und sie am ei­ge­nen Le­ben teil­ha­ben zu las­sen. Im Ma­ga­zin sieht man im­mer nur das fer­ti­ge Bild, auf Ins­ta­gram kann man mit Ma­king-of-fo­tos auch die Ge­schich­te hin­ter dem Bild er­zäh­len.

Wel­ches fo­to­gra­fi­sche Ziel ver­folgst du nach der Ver­öf­fent­li­chung dei­nes Bild­bands?

Mein gro­ßer Traum wä­re es, ei­nes Ta­ges in­ter­na­tio­nal als Künst­ler er­folg­reich zu wer­den und aus­zu­stel­len, bei­spiels­wei­se in ei­ner Ga­le­rie in New York. Das Geld und der Ruhm sind mir da­bei gar nicht wich­tig, ich möch­te ein­fach den Men­schen mei­ne Bil­der nä­her­brin­gen – ein lan­ger Weg, aber da ich bis­her al­le mei­ne Zie­le er­rei­chen konn­te, bin ich zu­ver­sicht­lich, auch das ei­nes Ta­ges zu schaf­fen. 

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