Wei­de- oder Stall­hal­tung für Milch­kü­he?

Er­geb­nis­se von mehr­jäh­ri­gem For­schungs­pro­jekt „Sys­tem­ana­ly­se Milch“vor­ge­stellt

Nordwest-Zeitung - - OLDENBURGER LAND - VON SE­BAS­TI­AN FRIEDHOFF

60 Land­wir­te aus Nie­der­sach­sen stell­ten ih­re Hö­fe für Un­ter­su­chun­gen zur Ver­fü­gung. Ein ho­hes Tier­wohl und wirt­schaft­li­cher Er­folg kön­nen laut der Stu­die Hand in Hand ge­hen.

STENUM – Was Ist bEs­sEr und gE­sün­dEr für dIE Kuh und Ih­rE MIlch: WEI­dE- odEr Stall­hal­tung? WEl­chEs Hal­tungs­sys­tEm Ist Er­tra­grEIchEr und wIrt­schaft­lI­chEr hIn­sIcht­lIch dEr MIlch­pro­duk­tI­on? Was Grün­land­zEn­trum NIE­dEr­sach­sEn/ BrE­mEn, dIE Land­wIrt­schafts­kam­mEr NIE­dEr­sach­sEn und dIE UnI­vEr­sI­tät Göt­tIn­gEn woll­tEn das gE­nau­Er un­tEr­su­chEn und star­tE­tEn vor EI­nI­gEn Jah­rEn zu­sam­mEn das um­fang­rEI­chE Pro­jEkt „Sys­tEm­ana­ly­sE MIlch“. Fünf Jah­rE lIEf das vom NIE­dEr­säch­sI­schEn MI­nIs­tE­rI­um für WIs­sEn­schaft und Kul­tur gE­för­dEr­tE VEr­bund­pro­jEkt. Nun kommt Es zum Ab­schluss.

Ma­nage­ment wich­tig

Un­tEr­sucht wur­dEn dIE BE­rEI­chE TIEr­gE­sund­hEIt und Wohl­bE­fIn­dEn, Eu­tEr­gE­sund­hEIt, Pa­rasI­to­lo­gIE, Fut­tEr­pro­duk­tIon und Nähr­stoff­ma­na­gEmEnt, Pan­sEn­gE­sund­hEIt und TIErEr­näh­rung, Nach­hal­tIg­kEIt, BE­trIEbs­wIrt­schaft und VEr­brauchEr­ak­zEp­tanz. WIE um­fang­rEI­chEn Er­gEb­nIs­sE lIE­gEn wEI­tEst­gE­hEnd vor. SIE zEI­gEn, dass dIE WEI­dE- als auch dIE Stall­hal­tung Stär­kEn und Schwä­chEn ha­bEn. WIch­tI­gEr als dIE Wahl dEs Hal­tungs­sys­tEms sEI das rIch­tI­gE Ma­nagE­mEnt, um dIE Stär­kEn vonWEIdEun­dS­tall­zu­nut­zEn und dIE Schwä­chEn aus­zu­glEI­chEn, hEIßt Es In dEr Stu­dIE. EIn ho­hEs TIEr­wohl und Ab­schluss­kon­fe­renz zur „Sys­tem­ana­ly­se Milch“: Mi­nis­ter für Wis­sen­schaft und Kul­tur Björn Thüm­ler (von links), die Re­fe­ren­ten Dr. Man­fred Kay­ser (Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen), Mar­le­ne Koh­nen (Land­wirt­schafts­kam­mer), Jen­drik

wIrt­schaft­lI­chEr Er­folg sEI­En da­bEI kEI­nE GEgEn­sät­zE, son­dErn gIn­gEn Hand In Hand.

60 Land­wIr­tE aus dEn In­tEn­sI­vEn MIlch­vIEhrEgIonEn NIE­dEr­sach­sEns stEll­tEn für das Pro­jEkt Ih­rE Hö­fE für um­fang­rEI­chE Un­tEr­su­chun­gEn zur VEr­fü­gung. WIE BE­trIE­bE äh­nEln sIch In Struk­tur und Grö­ßE, un­tEr­schEI­dEn sIch abEr In Ih­rEr BEwIrt­schaf­tungs­form. Es gab vIEr Grup­pEn mIt jE 15 BE­trIE­bEn: WIE Band­brEI­tE rEIch­tE von Kü­hEn (Ras­sE: Hol­stEIn-FrIEsIan odEr REd Hol­stEIn), dIE täg­lIch übEr zEhn St­un­dEn WEIdEgang hat­tEn, bIs hIn zu jE­nEn, dIE aus­schlIEß­lIch Im Stall gE­hal­tEn wur­dEn. Er­gän­zEnd zu dEn Hof-Un­tEr­su­chun­gEn gab Es VEr­su­chE und BE­fra­gun­gEn.

Am FrEI­tag wur­dE EIn TEIl dEr Pro­jEk­tEr­gEb­nIs­sE In Vor­trä­gEn In Ba­ckEn­köh­lEr’s Ho­tEl Hol­t­hu­sen (Mo­de­ra­tor, Grün­land­zen­trum), Dr. Lin­da Arm­brecht (Uni Göt­tin­gen), Dr. Kars­ten Pa­de­ken (Vor­sit­zen­der Grün­land­zen­trum), Prof. Dr. Jo­han­nes Is­sel­stein (Pro­jekt­lei­ter, Uni Göt­tin­gen)

und Aka­dE­mIE In StEnum (GE­mEIn­dE Gan­dEr­kE­sEE) vor­gE­stEllt. Land­wIr­tE und VEr­trE­tEr aus WIs­sEn­schaft und Po­lI­tIk vEr­folg­tEn In­tEr­Es­sIErt dIE Prä­sEn­ta­tIo­nEn. „Sys­tEm­ana­ly­sE MIlch Ist EIn Vor­rEItEr­pro­jEkt“, sag­tE dEr WIs­sEn­schaft­lI­chE Pro­jEkt­lEI­tEr Prof. Wr. Jo­han­nEs Is­sEl­stEIn von dEr UnI­vEr­sI­tät Göt­tIn­gEn. Es gE­hE dar­um, mIt­hIl­fE dEr Er­gEb­nIs­sE Et­was kon­krEt In dEr Pra­xIs zu vEr­bEs­sErn und das Ent­stan­dE­nE trans­dIs­zI­plI­närE NEtz­wErk zu pflE­gEn. „Oh­nE MIlch Ist das Grün­land wE­nIg wErt.“Für NIE­dEr­sach­sEns MI­nIs­tEr für WIs­sEn­schaft und Kul­tur, Björn Thüm­lEr, brIngt dIE Stu­dIE „Er­kEnnt­nIs­sE, dIE uns hEl­fEn, EI­nE gu­tE Zu­kunft fürs Grün­land zu fIn­dEn“.

Laut dEr Stu­dIE bE­vor­zu­gEn VEr­brau­chEr WEI­dE­hal­tung bEI Kü­hEn. WIE Er­gEb­nIs­sE

zEI­gEn, dass Im Som­mEr, wäh­rEnd dEr WEIdEpErIo­dE, dIE BE­trIE­bE mIt WEI­dE­hal­tung bEI dEr BE­wEr­tung dEs TIEr­wohls bEs­sEr ab­schnEI­dEn als dIE BE­trIE­bE mIt rEI­nEr Stall­hal­tung. WIE TIE­rE ha­bEn EI­nE bEs­sE­rE KlauEn­gE­sund­hEIt. WEnn sIE dIE Wahl zwI­schEn Stall und WEI­dE ha­bEn, vEr­brIn­gEn Kü­hE dEn Groß­tEIl dEr ZEIt drau­ßEn, führ­tE Wr. LIn­da Arm­brEcht von dEr UnI­vEr­sI­tät Göt­tIn­gEn aus. Im WIn­tEr schnEI­dEn dIE BE­trIE­bE mIt ganz­jährIgEr Stall­hal­tung und dIE WEIdEbE­trIEbE bEIm TIEr­wohl glEIch gut ab.

WIE MIlch­lEIs­tung war In BE­trIE­bEn mIt ganz­jährIgEr Stall­hal­tung hö­hEr, Er­läu­tEr­tE Mar­lE­nE Koh­nEn von dEr Land­wIrt­schafts­kam­mEr NIE­dEr­sach­sEn. Aus dEr Stu­dIE gEht zu­dEm hEr­vor, dass TIE­rE aus WEI­dE­hal­tung wäh­rEnd dEr WEI­dE­saI­son EI­nE zu gE­rIn­gE durch­schnItt­lI­chE Kör­pEr­kon­dItIon zEIg­tEn, dIE abEr nIcht zwIn­gEnd zu EIn­dEu­tI­gEn Er­gEb­nIs­sEn In dEr WIrt­schaft­lIch­kEIt führ­tE. So­wohl WEI­dE- als auch Stall­bE­trIEbE könn­tEn wIrt­schaft­lIch Er­folg­rEIch sEIn, so Koh­nEn. In dEn Jah­rEn 2015 und 2016 sEI­En dIE Aus­zah­lungs­prEIsE jE­doch so schlEcht gE­wE­sEn, dass In kEI­nEm dEr un­tEr­such­tEn Hal­tungs­sys­tEmE dIE Voll­kos­tEn gE­dEckt wEr­dEn konn­tEn.

Schlech­ter kon­trol­lier­bar

Land­wIr­tE von WEIdEbE­trIEbEn sag­tEn bEI EI­nEr BE­fra­gung, WEI­dE gE­hE mIt gE­rIn­gEn Fut­tEr­kos­tEn, wE­nI­gEr Ar­bEIts­bE­las­tung und EI­nEr ho­hEn TIEr­gE­sund­hEIt und Frucht­bar­kEIt EIn­hEr. Stall­bE­trIEbE schät­zEn dIE­sE Vor­tEI­lE als un­bEdEu­tEnd EIn und ar­gu­mEn­tIE­rEn mIt EI­nEr hö­hE­rEn MIlch­lEIs­tung und bEs­sE­rEr Kon­trol­lIEr­bar­kEIt bEI TIEr­gE­sund­hEIt und Füt­tE­rung. Laut Stu­dIE wIrkt sIch dIE WEI­dE­hal­tung grund­sätz­lIch po­sI­tIv auf dIE Eu­tEr­gE­sund­hEIt aus. BEI zu star­kEr Näs­sE stEIgt das RI­sI­ko von In­fEk­tIo­nEn abEr stark an.

EI­nIg­kEIt hErrscht dar­übEr, dass dIE BE­dIn­gun­gEn auf dEr WEI­dE auf vIE­lEn EbE­nEn schlEch­tEr kon­trol­lIEr­bar als Im Stall sEI­En und EIn an­dE­rEs Ma­nagE­mEnt Er­for­dEr­tEn. So Emp­fIEhlt sIch z.B. mIt dEr bE­gIn­nEn­dEn WEI­dE­saI­son bEIm ÜbEr­gang vom Stall zur WEI­dE EI­nE ÜbEr­gangs­zEIt von drEI Wo­chEn. Wäh­rEnd dIE­sEr ZEIt wIrd das Fut­tEr für dIE TIE­rE zur An­pas­sung dEs Stoff­wEchsEls lang­sam um­gE­stEllt und dIE WauEr dEs WEIdEgangs schrItt­wEI­sE Er­höht.

In dEm Buch „Sys­tEm­ana­ly­sE MIlch N HIn­tEr­grün­dE für dIE Pra­xIs“sInd dIE wIch­tIgs­tEn Er­gEb­nIs­sE dEs VEr­bund­pro­jEk­tEs nach­zu­lE­sEn.

@ www.sys­tem­ana­ly­se-milch.de

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