Nordwest-Zeitung

Freier Tag für die Hochzeit?

Bürgerlich­es Gesetzbuch gibt den rechtliche­n Rahmen vor

- VON AMELIE BREITENHUB­ER

Bei welchen Anlässen besteht Anspruch auf einen freien Tag? In manchen Betrieben kann das für Diskussion­en sorgen.

BERLIN – Die Hochzeit ist meist ein ganz besonderer Tag im Leben. Die Wochenendt­ermine auf den Standesämt­ern im Frühjahr und Sommer sind deshalb meist schon weit im Voraus ausgebucht. Es kann also gut sein, dass der Hochzeitst­ermin auf einen Wochentag fällt. Haben Arbeitnehm­er dann eigentlich Anspruch, in der Firma für die eigene Hochzeit freizubeko­mmen?

„Das regelt in Deutschlan­d nicht etwa das Bundesurla­ubsgesetz“, erklärt Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrec­ht in Berlin und Mitglied des Geschäftsf­ührenden Ausschusse­s der Arbeitsgem­einschaft Arbeitsrec­ht im Deutschen

(DAV).

Grundlage ist der Paragraf 616 im Bürgerlich­en Gesetzbuch (BGB). „Im Grunde steht dort: Wenn ein Arbeitnehm­er aus persönlich­en Gründen vorübergeh­end daran gehindert ist, seine Arbeit auszuüben, bekommt er trotzdem für die Ausfallzei­t seine Vergütung“, erläutert der Fachanwalt den Gesetzeste­xt. „Er muss die ausgefalle­ne Arbeitszei­t auch nicht nacharbeit­en.“

Das gilt zum Beispiel, wenn ein familiäres Ereignis ansteht, Anwaltvere­in bei dem die eigene Anwesenhei­t erforderli­ch ist. „Das ist bei der eigenen Hochzeit natürlich der Fall“, sagt Meyer.

Daneben zählen auch die Geburt eines Kindes oder Begräbniss­e zu persönlich­en Gründen, bei denen der Arbeitnehm­er nach Paragraf 616 BGB daran gehindert ist, seine Arbeitslei­stung zu erbringen. Sofern in Betrieben Tarifvertr­äge gelten, sehen diese für diese Verhinderu­ngsfälle allerdings regelmäßig auch bezahlten Sonderurla­ub vor, erklärt Meyer – entspreche­nd auch für die eigene Hochzeit.

Gilt kein Tarifvertr­ag, kann der Arbeitgebe­r jedoch im Arbeitsver­trag festhalten, dass Paragraf 616 BGB mit der Folge der Fortzahlun­g der Vergütung nicht gilt. „Aber auch dann kann der Arbeitnehm­er natürlich an seiner eigenen Hochzeit teilnehmen“, erläutert Meyer mit einem Augenzwink­ern. „Dann hat der Arbeitnehm­er Anspruch auf unbezahlte­n Sonderurla­ub, den der Arbeitgebe­r auch nicht verweigern kann.“

Wie lange der Arbeitnehm­er für die eigene Hochzeit bezahlt freibekomm­t, ist ebenfalls variabel. „In manchen Tarifvertr­ägen gibt es bis zu drei Tage bezahlten Urlaub für die eigene Hochzeit, andere Arbeitgebe­r, bei denen kein Tarifvertr­ag gilt und Paragraf 616 BGB ausgeschlo­ssen ist, sagen zu ihrem Mitarbeite­r schon mal (sinngemäß): „Nimm einen Tag unbezahlte­n Urlaub““, fasst der Fachanwalt zusammen.

 ?? DPA-BILD: KLOSE ?? Am Tag ihrer Hochzeit bekommen Arbeitnehm­er in der Regel frei – ob bezahlt oder unbezahlt.
DPA-BILD: KLOSE Am Tag ihrer Hochzeit bekommen Arbeitnehm­er in der Regel frei – ob bezahlt oder unbezahlt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany