In­fekt rafft jun­ge Schwä­ne da­hin

In­ner­halb ei­ner St­un­de sol­len vier jun­ge Tie­re bei Uhin­gen an ei­nem Bak­te­ri­um ge­stor­ben sein. Für den mas­si­ven Be­fall gibt es meh­re­re Er­klä­run­gen.

NWZ (Göppinger Kreisnachrichten) - - VORDERSEITE - Von To­bi­as Fle­gel

In­ner­halb ei­ner St­un­de sind vier jun­ge Tie­re am Char­lot­ten­see an ei­nem Bak­te­ri­um ge­stor­ben. Für den mas­si­ven Be­fall gibt es meh­re­re Er­klä­run­gen. Der See ist bis auf Wei­te­res ab­ge­sperrt.

Ei­ne bak­te­ri­el­le In­fek­ti­on hat zwei Drit­tel der jun­gen Wild­schwä­ne auf dem Char­lot­ten­see bei Uhin­gen das Le­ben ge­kos­tet. Vier von sechs Tie­ren sei­en am Frei­tag ver­gan­ge­ne Wo­che an dem Er­re­ger ver­en­det, teil­te die Stadt am Don­ners­tag­nach­mit­tag mit. Ein wei­te­rer jun­ger Schwan soll am ver­gan­ge­nen Mitt­woch er­krankt sein, sich mitt­ler­wei­le aber au­ßer Ge­fahr und auf dem Weg der Bes­se­rung be­fin­den. Bür­ger­meis­ter Mat­thi­as Witt­lin­ger zu­fol­ge kann das Bak­te­ri­um auf Men­schen über­tra­gen wer­den, wenn die­se mit dem Kot oder Fleisch be­fal­le­ner Tie­re in Kon­takt kom­men. Das Stadt­ober­haupt hat den See bis auf Wei­te­res ab­sper­ren las­sen.

Nach An­ga­ben des Bür­ger­meis­ters sind die vier jun­gen Schwä­ne in­ner­halb kur­zer Zeit ver­en­det. „Sie ha­ben um 11.30 Uhr noch ge­lebt“, be­rich­tet Witt­lin­ger. Et­wa ei­ne St­un­de spä­ter sei­en vier Tie­re tot ge­we­sen. Ei­nes da­von ha­be ei­ne Spa­zier­gän­ge­rin ent­deckt und dies der Stadt ge­mel­det. Die ha­be die Feu­er­wehr be­nach­rich­tigt, wel­che die to­ten Tie­re barg. Auch der Bür­ger­meis­ter fuhr an dem Frei­tag zum Char­lot­ten­see, um sich ein Bild vom Ge­sche­hen zu ma­chen.

Auf den ers­ten Blick soll den jun­gen Schwä­nen nicht an­zu­se­hen ge­we­sen sein, wor­an sie ge­stor­ben sind. „Äu­ßer­lich wie­sen die Tie­re kei­ne Ver­let­zun­gen auf und der Er­näh­rungs­zu­stand war gut“, heißt es in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung. Auf­schluss über die To­des­ur­sa­che brach­te ei­ne Un­ter­su­chung des „Che­mi­schen und Ve­te­ri­när­un­ter­su­chungs­amts Stutt­gart“(CVUA): Dort fand Andre­as Hä­nel her­aus, dass die jun­gen Schwä­ne an ei­nem mas­si­ven Be­fall von „Cam­py­lo­bac­ter co­li“ver­en­det sind – ei­nem Bak­te­ri­um, das zwar vie­le Tie­re in sich tra­gen, aber nicht in dem Aus­maß, wie die jun­gen Wild­schwä­ne aus Uhin­gen, er­klärt Mat­thi­as Witt­lin­ger. In der Mit­tei­lung der Stadt ist von „aus­ge­präg­ten Lun­gen­blu­tun­gen“die Re­de. „Es ist das glei­che Bak­te­ri­um, das über­lebt, wenn wir Ge­flü­gel nicht rich­tig ga­ren“, er­klärt der Bür­ger­meis­ter von Uhin­gen.

Die Vo­gel­grip­pe oder ei­ne Ver­gif­tung als To­des­ur­sa­che schlie­ßen die Fach­leu­te aus. Die Un­ter­su­chung des Amts ord­ne­te Mat­thi­as Witt­lin­ger an, nach­dem er mit dem Ve­te­ri­när­amt des Krei­ses ge­spro­chen hat­te. Ihm zu­fol­ge brach­ten Feu­er­wehr­leu­te noch am Tag des Auf­fin­dens ei­nes der to­ten Tie­re nach Fell­bach, wo das CVUA sei­nen Sitz hat.

Für den mas­si­ven Be­fall mit dem Er­re­ger gibt es meh­re­re Er­klä­run­gen. „Nach dem ex­trem tro­cke­nen und hei­ßen Som­mer sind die Se­en voll mit Bak­te­ri­en“, gibt Witt­lin­ger die Aus­sa­gen von Tier­ärz­ten wi­der. Ei­ne an­de­re Mög­lich­keit sei, dass die Tie­re durch Fut­ter von Men­schen krank wur­den oder dass sie un­ge­eig­ne­tes Es­sen zu­sätz­lich schwäch­te.

Tü­ten vol­ler Fut­ter brin­gen Spa­zier­gän­ger für die Schwä­ne mit, be­rich­ten re­gel­mä­ßi­ge Be­su­cher des Char­lot­ten­sees. Von die­sem Ver­hal­ten sol­len sie ab­las­sen: „Die oft gut ge­mein­te Füt­te­rung

Die El­tern sind sta­bil. Mat­thi­as Witt­lin­ger

Bür­ger­meis­ter

ist für Wild­tie­re schäd­lich und schwächt sie zu­sätz­lich“, warnt die Stadt. Zu­dem sei es ver­bo­ten, Schwä­nen, En­ten oder Gän­sen Nah­rung zu ge­ben.

Ent­spre­chen­de Hin­wei­se hat die Stadt die­se Wo­che beim Char­lot­ten­see an­ge­bracht. Zwi­schen­zeit­lich sah es näm­lich da­nach aus, dass „Cam­py­lo­bac­ter co­li“dort ei­nem wei­te­ren Tier das Le­ben kos­tet. „Am Mitt­woch be­kam ich die Mel­dung, dass noch ein Schwan be­fal­len ist“, be­rich­tet Witt­lin­ger. Er­neut rück­te die Feu­er­wehr aus, um nach­zu­se­hen, ob es ei­nen fünf­ten Fall gibt. Doch der er­krank­te Schwan starb nicht. Da­mit sich das Tier wei­ter er­ho­len kann und auch die üb­ri­gen drei Art­ge­nos­sen Ru­he be­kom­men, ließ der Bür­ger­meis­ter am Don­ners­tag die We­ge zum See dicht ma­chen. Ab­sperr­band und Warn­hin­wei­se sol­len Be­su­cher zu­nächst zwei Wo­chen von Ge­wäs­ser und Schwä­nen fern­hal­ten.

Das an­ge­schla­ge­ne Tier soll sich auf dem Weg der Bes­se­rung be­fin­den, sag­te Witt­lin­ger am Frei­tag. Er fah­re je­den Tag selbst ein oder zwei Mal zum See, um nach ihm zu se­hen. Kei­ne An­zei­chen ei­ner Er­kran­kung zeig­ten bis­her der an­de­re jun­ge Schwan und sei­ne äl­te­ren Art­ge­nos­sen: „Die El­tern sind sta­bil.“

Fo­to: Gi­a­c­in­to Car­luc­ci

Rot-wei­ßes Ab­sperr­band hält Be­su­cher seit Don­ners­tag fern vom Char­lot­ten­see. Die Schwä­ne sol­len ih­re Ru­he be­kom­men und nicht ge­füt­tert wer­den.

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