Mei­nungs­stark und all­seits re­spek­tiert

Andre­as Böh­me, 18 Jah­re lang lan­des­po­li­ti­scher Kor­re­spon­dent un­se­rer Zei­tung, ist ge­stor­ben.

NWZ (Göppinger Kreisnachrichten) - - SÜDWESTUMSCHAU - Tho­mas Hau­ser

Es hät­te ein schö­nes Wo­che­n­en­de wer­den sol­len. Zwei Jah­re nach sei­nem Ab­schied aus der Re­dak­ti­on woll­te Andre­as Böh­me mit sei­ner Frau das Ge­schenk der Kol­le­gen ein­lö­sen. Doch in der Nacht zum ver­gan­ge­nen Frei­tag streik­te sein Herz. Andre­as Böh­me wur­de nicht ein­mal 66 Jah­re alt. 18 Jah­re war er lan­des­po­li­ti­scher Kor­re­spon­dent in Stutt­gart. Als Re­dak­teur der Ba­di­schen Zei­tung ar­bei­te­te er im ge­mein­sa­men Bü­ro von Süd­west Pres­se, Ba­di­scher Zei­tung und Rhein-neckar-zei­tung.

Stutt­gart war Böh­mes Stadt, dort ist der Wahl­schwa­be mit ost­deut­schem Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund groß ge­wor­den. Dass er sei­nen Le­bens­mit­tel­punkt nicht hier, son­dern in Donaueschingen hat­te, war den Lau­nen ei­nes Jour­na­lis­ten­le­bens und der Lie­be ge­schul­det. Nach dem Stu­di­um der Ger­ma­nis­tik in Göt­tin­gen und Frei­burg lern­te er an der Hen­ri-nan­nen-schu­le das jour­na­lis­ti­sche Hand­werk. Wolf Schnei­der, le­gen­dä­rer Grün­der die­ser Schu­le, schrieb über Böh­mes Jahr­gang: „Bei der Prü­fung hat­te ich sie ein­ge­stimmt: Das Mot­to der Schu­le ist ein fröh­li­ches

Böh­me war zu­nächst Re­dak­teur, von 1987 bis 1995 dann Re­dak­ti­ons­lei­ter der Ba­di­schen Zei­tung in Donaueschingen. 1997 fand er als Kor­re­spon­dent in Stutt­gart sei­nen Traum­job. Sei­ne Fa­mi­lie blieb in Donaueschingen und er pen­del­te. Bes­tens in­for­miert und ent­schie­den mei­nungs­stark, er­warb er rasch den Re­spekt der Kol­le­gen und An­se­hen bei Ab­ge­ord­ne­ten und Lan­des­re­gie­run­gen. Da­bei half ihm wohl ei­ne an­de­re Leh­re Wolf Schnei­ders: „Ihr sollt al­les kön­nen, was man von Euch er­war­tet, und Euch über nichts wun­dern, wor­auf ihr stoßt.“Ge­wun­dert hat er sich zwar manch­mal über Ide­en in der Lan­des­po­li­tik oder aus den Zen­tral­re­dak­tio­nen. Aber zur Not half da der Rück­zug in die Ein­sam­keit der fin­ni­schen Wäl­der. Und auch ei­ne ge­sun­de Mi­schung aus Selbst­be­wusst­sein so­wie ge­las­se­ner Be­harr­lich­keit. Gera­de ihm hät­te man ein län­ge­res Le­ben pro­gnos­ti­ziert. Welch ein Irr­tum.

Andre­as Böh­me hin­ter­lässt sei­ne Frau, drei Kin­der und vie­le fas­sungs­lo­se Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen.

Fo­to: Ste­fan Hup­ka

Andre­as Böh­me er­lag ei­nem Herz­in­farkt.

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