Der hö­he­re Wert

NWZ (Göppinger Kreisnachrichten) - - VORDERSEIT­E - Gui­do Boh­sem zur Er­kran­kung Ma­nue­la Schwe­sigs

Für vie­le Men­schen ist Krank­heit et­was sehr Pri­va­tes. Für vie­le ist das The­ma Frem­den ge­gen­über und auch in der Fir­ma ta­bu, zu groß ist die Furcht, in die Mit­leids­ecke zu rü­cken oder so­gar we­gen der Krank­heit be­nach­tei­ligt zu wer­den. Zu sehr scheint un­se­re mo­der­ne, glo­ba­li­sier­te Welt auf Ezi­enz und Funk­tio­nie­ren ge­trimmt, als dass per­sön­li­ches Leid oder gar Schmer­zen dort noch Platz fin­den könn­ten.

Viel­leicht war es Ma­nue­la Schwe­sigs Ab­sicht, mit der Er­klä­rung über ih­re Brust­krebs-er­kran­kung auch die­ses mo­der­ne Ta­bu zu bre­chen. Je­den­falls hat die Mi­nis­ter­prä­si­den­tin von Meck­len­burg-vor­pom­mern rich­tig ge­han­delt, sie hat vor­bild­lich ge­han­delt. Schließ­lich ist sie als Re­prä­sen­tan­tin der Ge­sell­schaft ge­nau das: ein Vor­bild für ge­sell­schaft­li­ches Ver­hal­ten.

Mit dem Be­kennt­nis zu ih­rer Krank­heit be­rei­tet sie den Weg zu mehr Men­sch­lich­keit und Ver­ständ­nis. Sie zeigt, dass es Wich­ti­ge­res gibt als Kar­rie­re und Be­ruf – näm­lich Ge­sund­heit und Fa­mi­lie. Es ist ih­re Ent­schei­dung, doch noch über­zeu­gen­der wä­re ge­we­sen, sie wür­de auch ihr Amt als Re­gie­rungs­che­fin ei­ne Zeit­lang ru­hen las­sen. Auch das geht oh­ne Pro­ble­me.

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