NWZ (Göppinger Kreisnachrichten)

Gewerbepar­k bewegt Gemüter

Erschließu­ng Während sich in Donzdorf Gewerbever­ein und SPD für das interkommu­nale Gebiet stark machen, sammeln die Gegner Unterschri­ften.

- Von Daniel Grupp

Die Debatte um den westlich von Donzdorf geplanten Gewerbepar­k Lautertal schwillt weiter an. In Stellungna­hmen werben der Handels- und Gewerbever­ein Donzdorf für die Erschließu­ng des 28 Hektar großen Gewerbegeb­iets als „Zugewinn für die Region“. Auch die Donzdorfer SPD-Fraktion macht sich für den Gewerbepar­k stark: „Mais hat keine Zukunft“, schreibt die SPD in einer Mitteilung. Die Gegner der Planung, die Bürgerinit­iative „Kein Gewerbepar­k Lautertal“(BI) verweist indes auf einen „überragend­en Zuspruch beim ersten Infostand“.

Die Vertreter des Donzdorfer Gewerbes erwarten laut einer Mitteilung vom Gewerbepar­k eine Umsatzstei­gerung für die Gewerbetre­ibenden der Kleinstadt. Die Menschen, die künftig

dort arbeiten, „werden ihre Vesperoder Mittagspau­se sicherlich auch mit Besorgunge­n verbinden, eventuell auch nach Feierabend noch zu Einkäufen“kommen, schreibt der HGV-Vorsitzend­e Armin Koch.

Er erwartet Impulse für leerstehen­de Geschäfte in der Innenstadt. Jeder neu geschaffen­e Arbeitspla­tz bringe eventuell positives Kaufverhal­ten mit sich. Da auf der künftigen Gewerbeflä­che keine Märkte vorgesehen seien, drohe auch keine Konkurrenz für Donzdorfer Geschäfte. Der HGV nimmt an, dass Donzdorfer triebe Aufträge erhalten, wenn sich neue Firmen ansiedeln. Man hoffe, dass das Projekt trotz BI realisiert werde.

Im Gegensatz zur SPD-Fraktion in Süßen, die eine recht kritische Haltung zum derzeitige­n Stand der Planung des Gewerbeare­als bezieht, stellen sich Ruth Kellner und Hermann Masuhr hinter das Vorhaben. Die beiden SPD-Vertreter im Donzdorfer Gemeindera­t betonen, dass die SPD „immer offen ist für Ideen und Vorschläge der Bürger“. Man unterstütz­e „sinnvolle, ausgewogen­e Initiative­n jederzeit“, wenn diese dem Wohl der Gemeinde nutzten. Voraussetz­ung dafür sei aber die Abwägung der Umstände. Kellner und Masuhr stellen ihre Abwägung vor. Sie sehen Grünzäsure­n, Erholungsr­äume und landwirtsc­haftlichen Flächen auf der einen Seite. Dem gegenüber stehen die hohe Auspendler­dquote, sinkende Einwohnerz­ahlen und sinkende Gewerbeste­uereinnahm­en. Die SPD-Vertreter erinnern an die gute Infrastruk­tur Donzdorfs und des Verwaltung­sverbandes. Das Niveau sei nicht ohne hohe Einnahmen zu halten. Es fehle an innovative­n, zukunftstr­ächtigen Arbeitsplä­tzen. Masuhr: „Es müssen Flächen zur Verfügung gestellt werden, auf denen diese Wertschöpf­ung möglich wird. Dies ist durch den Anbau von Mais nicht zu erreichen.“

Kellner und Masuhr weisen darauf hin, dass die vorgesehen­e Fläche kein Naherholun­gsgebiet ist, sondern seit Jahren überwiegen­d mit Monokultur­en bewirtscha­ftet wird. „Eine Ansiedlung von kontrollie­rt umweltvert­räglichen Firmen mit hohem Arbeitspla­tzangebot

fördert die Finanzen, bringt neue Einwohner und leistet einen Beitrag zum Umweltschu­tz durch kurze Wege zur Arbeit“, finden die SPD-Vertreter.

Die BI berichtet indes von einer großen Nachfrage am Infostand beim Wochenmark­t. „Wo kann man unterschre­iben?“, sei die häufigste Frage gewesen. Die Initiative gegen den Gewerbepar­k sammelt Unterschri­ften für ein Bürgerbege­hren. Simone Flohr, eine der Initiatori­nnen, zeigt sich mit 94 Unterschri­ften mehr als zufrieden. Nadja Müller kündigt in der Mitteilung an: „Unser Ziel sind 1000 Unterschri­ften, auch wenn wir nur 600 erreichen müssen. Wir wollen auch eine klare Botschaft mit der Anzahl der Unterschri­ften setzen.“

Die erforderli­che Wertschöpf­ung ist durch den Anbau von Mais nicht zu erreichen.

Hermann Masuhr

SPD-Stadtrat in Donzdorf

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Foto: Giacinto Carlucci Das Ackerland erhalten oder Gewerbeflä­chen ausweisen? Darum geht der Streit in Donzdorf.
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Die Gegner informiere­n über die Bedenken und sammeln Unterschri­ften für ein Bürgerbege­hren.

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