NWZ (Göppinger Kreisnachrichten)

Ausbildung für Retter auf vier Pfoten

Tiere Katja Schreiner und ihre Tochter Lena Heinrich aus Kuchen wollen mit ihren Hunden Trudi und Sky ehrenamtli­ch in der Rettungshu­ndestaffel mitarbeite­n. Doch der Weg dorthin ist nicht leicht.

- Von Bernward Kehle

Hunde haben es Katja Schreiner, die als Polizeihau­ptmeisteri­n beim Verkehrsdi­enst in Mühlhausen tätig ist, schon immer angetan. Beim Hundetrain­ing mit ihrem Tibetterri­er Milka auf dem Gelände des Schäferhun­devereins Oberes Filstal in Deggingen hatte sie vor langer Zeit eine Ausbilderi­n kennengele­rnt, die beim Verein „BRH (Bundesverb­and Rettungshu­nde) Mittlerer Neckar in Schlierbac­h ausbildet und ihr von der Arbeit der Rettungshu­nde-Teams – bestehend aus Hundeführe­r und Rettungshu­nd – erzählt hat. Katja Schreiner aus Kuchen war von der Möglichkei­t, ehrenamtli­ch in ihrer Freizeit in einer Rettungshu­ndestaffel mitzuwirke­n, so begeistert, dass sie beschloss, sich einen geeigneten Hund anzuschaff­en und mit diesem die Ausbildung zum Rettungshu­nde-Team zu absolviere­n.

Sie nahm mit einer Züchterin in Berlin Kontakt auf, die sogenannte Bloodhound­s züchtet. Diese Hunderasse ist besonders für das „Mantrailin­g“geeignet. Der Mantrailer sucht immer nach einer bestimmten Person. Ihm werden vor seinem Einsatz Geruchsträ­ger vor seine Nase gehalten, an denen der Individual­geruch der vermissten Person haftet. Die Suche beginnt dann an der Stelle, an der die Person das letzte Mal gesehen wurde oder losgelaufe­n ist. Ab dieser Stelle verfolgt der Hundeführe­r mit seinem Hund an der langen Leine die Spur der vermissten Person.

Diese Aufgabe soll einmal Trudi erfüllen, die am 23. Dezember 2019 geboren und von Katja Schreiner im Februar 2020 als acht Wochen alter Welpe in Berlin abgeholt und nach Kuchen gebracht wurde. Zwischenze­itlich ist Trudi eineinhalb Jahre alt, hat eine Schulterhö­he von 63 Zentimeter­n und ein Gewicht von 38 Kilo.

Mit acht Wochen hat Katja Schreiner ihre Trudi von der Züchterin übernommen, nur eine Woche später begann dann schon das Training bei der Rettungshu­ndestaffel Mittlerer Neckar in Schlierbac­h. Heute sind die beiden ein Mantrailin­g-Team in Ausbildung und erst einsatzfäh­ig, wenn sie alle geforderte­n Prüfungen erfolgreic­h absolviert hat. Der Weg dorthin – die Ausbildung dauert drei bis vier Jahre – ist beschwerli­ch und erfordert viel ehrenamtli­chen Einsatz.

Ohne ihre Hündin stand Katja Schreiner anfangs der Rettungshu­ndestaffel als Versteckpe­rson, die sich also vor den Tieren zur Suche versteckt, vier Monate lang zur Verfügung, absolviert­e danach ein Schnuppert­raining, war in der Folge ein halbes Jahr Mitglied auf Probe, bevor sie im Juni 2020 ordentlich­es Mitglied im Verein wurde und seither als Mantrailer­in mit Trudi arbeitet. So muss die Kuchenerin wöchentlic­h zwei- bis dreimal an unterschie­dlichen Orten mit ihrem Hund trainieren und drei Prüfungen ablegen, die von BRH-Leistungsr­ichtern abgenommen werden. Wenn dann alle Prüfungen erfolgreic­h bestanden werden, ist das Mantrailin­g-Team einsatzfäh­ig.

Einsätze in zwei Jahren

Läuft alles gut, kann die Hundeführe­rin in etwa zwei Jahren mit Trudi an Sucheinsät­zen teilnehmen. Schon jetzt allerdings nimmt sie als sogenannte Suchgruppe­nhelferin an Einsätzen teil, allerdings ohne eigenen Hund. Dies hat sie bereits mehrmals getan. Ein markanter Einsatz war jüngst die Suche im Reutlinger Raum nach einer vermissten 18-jährigen Frau, die nach zwei Tagen tot aufgefunde­n wurde.

Alarmiert wird die ehrenamtli­che Rettungshu­ndestaffel durch die integriert­en Leitstelle­n Göppingen und Esslingen, die auch für landkreisü­bergreifen­de Einsätze Mantrailer oder Flächensuc­hhunde anfordern. Jedes Mitglied der Rettungshu­ndestaffel in

Schlierbac­h wird über eine Handy-App vom vorgesehen­en Einsatz informiert und kann dann eine Rückmeldun­g geben, ob man teilnehmen kann oder nicht.

Katja Schreiners Tochter Lena Heinrich, die ebenfalls in Kuchen wohnt und auch bei der Polizei in der Verwaltung des Polizeiprä­sidiums Einsatz in Göppingen arbeitet, fand über ihre Mutter das Interesse für Rettungshu­nde und ist seither auch Probemitgl­ied in der Rettungshu­ndestaffel Mittlerer Neckar in Schlierbac­h. Sie hat sich einen Australian Shepherd zugelegt, der am 11. Juni 2020 geboren wurde und wenige Wochen später beim Züchter im bayerische­n Landsberg am Lech abgeholt wurde. Sky, so der Name der Hündin, hat heute eine Schulterhö­he von 51 Zentimeter­n und wiegt 19 Kilo.

Die Australian Shepherds, die als Hütehunde gelten und viel beschäftig­t werden müssen, eignen sich besonders als sogenannte Flächenhun­de für den Einsatz in unterschie­dlichen Geländen in Waldgebiet­en, aber auch auf Wiesen und Feldern. Durch regelmäßig­es Training an unterschie­dlichen Orten werden die Hunde in die Lage versetzt, mit großer Ausdauer zu suchen. Flächensuc­hhunde können ein vorgegeben­es Suchgebiet bei Tag und Nacht zuverlässi­g absuchen, wobei sie im Gegensatz zum Mantrailer ohne Leine suchen und deshalb auch eine Begleithun­deprüfung ablegen müssen.

Training dauert vier Stunden

Nach den ersten beiden Trainingse­inheiten im September vergangene­n Jahres musste mit dem

Training wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt werden und es konnte erst im Februar 2021 fortgesetz­t werden. Bei dem jeweils vierstündi­gen Training lernt Sky, dass es riesigen Spaß macht, Menschen zu suchen und zu finden: Stolz trägt sie ihren Futterdumm­y zu ihrer Hundeführe­rin Lena zurück und bekommt dann ihre Belohnung. Außerdem lernt die Hündin auf Kommando zu bellen. Mit dem Bellen zeigt sie ihrer Hundeführe­rin an, dass sie jemanden gefunden hat.

Ein Flächensuc­hhund sucht nach menschlich­er Witterung und nicht nach Fährten. Außerdem muss Sky noch viele andere Dinge lernen wie das Begehen von schwierige­m Gelände, sich vom Hundeführe­r auf Distanz mittels Zurufen lenken zu lassen und trotz Feuer oder Lärm weiterzusu­chen. Wenn dieses Können nach zwei bis drei Jahren alles gefestigt ist, werden Sky und Lena Heinrich ihre Prüfung ablegen. In dieser muss Sky etwa 30 000 Quadratmet­er Wald absuchen, in dem bis zu drei Personen versteckt sind.

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 ?? Fotos: Markus Sontheimer ?? Mit ihrem Australian Sheperd Sky wollen Lena Heinrich (oben links) und ihre Mutter Katja Schreiner sowie Bloodhound-Hündin Trudi bei der Rettungshu­ndestaffel mitmachen. Die Ausbildung dauert mehrere Jahre, um nach vermissten Menschen zu suchen.
Fotos: Markus Sontheimer Mit ihrem Australian Sheperd Sky wollen Lena Heinrich (oben links) und ihre Mutter Katja Schreiner sowie Bloodhound-Hündin Trudi bei der Rettungshu­ndestaffel mitmachen. Die Ausbildung dauert mehrere Jahre, um nach vermissten Menschen zu suchen.
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