Mu­si­zie­ren, ma­len, gra­ben für die deutsch-rus­si­sche Freund­schaft

Rund 60 rus­si­sche und mehr als 1200 deut­sche Ju­gend­li­che be­tei­lig­ten sich an der deutsch-rus­si­schen Ju­gend­wo­che in MV. Die Er­geb­nis­se wer­den heu­te in Ros­tock prä­sen­tiert.

Ostsee Zeitung - - MAGAZIN - Von Ste­fa­nie Büs­sing

Ros­tock/Upahl/Pee­ne­mün­de. Ro­man Hinz (20) und Ev­ge­nia Scha­ro­va (17) sit­zen am Flü­gel in der Ros­to­cker Hoch­schu­le für Mu­sik und Thea­ter (HMT). Hän­de und Kör­per be­we­gen sich im Gleich­klang zu der Brahms-Kom­po­si­ti­on, die sie ge­mein­sam er­klin­gen las­sen. Es scheint, als hät­ten die jun­ge Pia­nis­tin aus der Re­gi­on Le­nin­grad und der HMT-Stu­dent ih­ren Rhyth­mus ge­fun­den. „Un­se­re Auf­ga­be war es, ei­ne mu­si­ka­li­sche Ein­heit zu wer­den, und ich den­ke, das ha­ben wir gut hin­be­kom­men“, sagt der 20-Jäh­ri­ge zu­frie­den. Ins­ge­samt sie­ben jun­ge rus­si­sche Pia­nis­tin­nen gas­tie­ren zur­zeit an­läss­lich der deutsch-rus­si­schen Pia­nis­ten­wo­che an der HMT. Das Gan­ze ist Teil ei­ner deutsch-rus­si­schen Ju­gend­wo­che, die Ex-Mi­nis­ter­prä­si­dent Er­win Sel­le­ring in die­sem Jahr erst­mals in­iti­iert hat. In sie­ben Pro­jek­ten in MV zu den The­men Mu­sik, Kunst, Denk­mal­schutz, Zi­vi­l­en­ga­ge­ment, po­li­ti­sche Bil­dung und Sport sol­len die Ju­gend­li­chen aus bei­den Län­dern ein­an­der bes­ser ken­nen­ler­nen.

„Es geht vor al­lem um Völ­ker­ver­stän­di­gung. Wir wol­len jun­gen Men­schen die Mög­lich­keit ge­ben, zu ler­nen, sich aus­zu­pro­bie­ren und sich aus­zu­tau­schen“, so Sel­le­ring. Ge­mein­sam mit Ver­tre­tern aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Kul­tur des Lan­des grün­de­te er im ver­gan­ge­nen Jahr den Ver­ein „Deutsch-Rus­si­sche Part­ner­schaft“in MV, der vom Land ei­ne An­schub­fi­nan­zie­rung von ins­ge­samt 600 000 Eu­ro für vier Jah­re be­kommt. „Die wer­den wir si­cher schnell ver­brau­chen. Aber es gibt das Be­stre­ben, auch da­nach wei­ter­zu­ma­chen“, so Sel­le­ring, der die Kos­ten für die Wo­che mit rund 60 000 Eu­ro be­zif­fert.

An der HMT sei das Pro­jekt, das ver­gan­ge­nen Sonn­tag star­te­te, re­la­tiv kurz­fris­tig um­ge­setzt wor­den. „Die letz­te Teil­neh­me­rin ha­be ich erst vo­ri­ge Wo­che kon­tak­tiert“, sagt Ste­phan Imor­de, Lei­ter des in­ter­na­tio­na­len Zen­trums für mu­si­ka­li­sche Früh­för­de­rung (Ya­ro) an der HMT. „Das war schon sport­lich. Vor al­lem, weil es die letz­te Se­mes­ter­wo­che ist.“Trotz­dem hat sich Han­nah Hauser, die an der HMT Kla­vier stu­diert, ent­schie­den, mit­zu­ma­chen. „Ich ha­be nächs­te Wo­che Prü­fung, da­her war es wirk­lich stres­sig. Trotz­dem bin ich froh über die tol­le Er­fah­rung“, sagt die 22-Jäh­ri­ge. Zum Ta­ges­ab­lauf ge­hör­te un­ter an­de­rem täg­li­cher Kla­vier­un­ter­richt bei den Do­zen­ten der Hoch­schu­le, den die Ju­gend­li­chen ge­mein­sam mit dem Tand­em­part­ner aus Russ­land ab­sol­vier­ten. „Die mu­si­ka­li­sche Her­an­ge­hens­wei­se ist in Deutsch­land und Russ­land sehr un­ter­schied­lich“, sagt Hauser. „Aber nach in­ten­si­vem Trai­ning ha­ben wir es ge­schafft, die So­na­te, die wir aus­ge­wählt ha­ben, nicht nur ge­mein­sam zu spie­len, son­dern auch mu­si­ka­lisch zu emp­fin­den.“Auch Tand­em­part­ne­rin El­vi­ra Wink ist zu­frie­den: „Mu­sik ist ei­ne Spra­che, die al­le ver­ste­hen“, sagt die 17-jäh­ri­ge Rus­sin, die nur ge­bro­chen Eng­lisch spricht.

Die Wer­ke, die die jun­gen Pia­nis­ten ge­mein­sam in­ter­pre­tier­ten, reich­ten von Brahms über Mo­zart bis hin zu De­bus­sy und Men­dels­sohn. „Die rus­si­schen Mu­si­ke­rin­nen soll­ten die Mög­lich­keit ha­ben, deut­sche Tra­di­ti­on vor Ort zu er­le­ben“, sagt Imor­de. „Au­ßer­dem ist es in­ter­es­sant, wenn beim Ab­schluss­kon­zert die Deut­schen rus­si­sche Mu­sik spie­len und die Rus­sen deut­sche Mu­sik.“Es ge­he nicht dar­um, ein Stück gleich kon­zertreif hin­zu­krie­gen, son­dern ge­mein­sam Spaß zu ha­ben. „Trotz­dem war es ei­ne sehr in­ten­si­ve Wo­che, in der wir viel ge­übt ha­ben“, so Imor­de. „Das war nicht im­mer ein­fach“, räumt die 17-jäh­ri­ge Ev­ge­nia Scha­ro­va ein. „Trotz­dem war es schön, mal ein Feed­back von an­de­ren Leh­rern zu be­kom­men.“

„Die meis­ten Stu­den­tin­nen sind zum ers­ten Mal im Aus­land und wir freu­en uns sehr, dass wir nach Ros­tock kom­men durf­ten“, sagt La­na Its­ko­va, Kla­vier­leh­re­rin am Col­le­ge für Kunst und Kul­tur in der Re­gi­on Le­nin­grad. „Es wä­re schön, wenn

Sie­ben Ein­zel­pro­jek­te

Vom 30. Ju­ni bis 7. Ju­li fin­det die Deutsch-Rus­si­che Ju­gend­wo­che in Meck­len­burg-Vor­pom­mern statt. Ziel ist es, Schü­ler und Stu­die­ren­de aus MV und der Part­ner­re­gi­on Le­nin­gra­der Oblast zu­sam­men­zu­brin­gen. Es gibt sie­ben Ein­zel­pro­jek­te, die mit ver­schie­de­nen Part­nern durch­ge­führt wer­den und sich auf die The­men Mu­sik, Sport, Kunst, Denk­mal­schutz, Zi­vi­l­en­ga­ge­ment und po­li­ti­sche Bil­dung be­zie­hen.

Initia­tor ist der Ver­ein Deutsch-Rus­si­sche Part­ner­schaft un­ter dem Vor­sitz des ehe­ma­li­gen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Er­win Sel­le­ring, der den Ver­ein 2018 mit Ver­tre­tern aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Kul­tur ins Le­ben ge­ru­fen hat. Für das Pro­jekt gibt es ei­ne An­schub­fi­nan­zie­rung vom Land für die nächs­ten vier Jah­re in der Hö­he von 600 000 Eu­ro. wir ein biss­chen mehr Frei­zeit hät­ten, um die Stadt zu er­kun­den“, sagt die 48-Jäh­ri­ge und lacht. „Das Wich­tigs­te ist aber, dass wir hier Un­ter­richt be­kom­men und die Stu­den­ten zum Ab­schluss vor ei­nem gro­ßen Pu­bli­kum spie­len kön­nen.“

Auch im Künst­ler­haus Plü­schow wird seit ei­ner Wo­che un­ter An­lei­tung der Künst­le­rin­nen Tan­ja Zim­mer­mann, Su­san­ne Ga­bler und Mi­ro Zah­ra an di­ver­sen Kunst­wer­ken ge­ar­bei­tet. Die Ver­stän­di­gung er­fol­ge zum Teil mit Hän­den und Fü­ßen, sagt Künst­ler­haus­lei­te­rin Zah­ra. Auch tra­di­tio­nell rus­si­sche Be­klei­dung ha­ben die Schü­ler ge­mein­sam mit dem Gra­fi­ker Ser­gei Bog­da­nov (51) und Tex­til­ge­stal­te­rin Li­ud­mi­la Fi­li­che­va, die sie auf der Rei­se nach Meck­len­burg-Vor­pom­mern be­glei­ten, ge­näht und be­malt.

Beim Som­mer­camp für Denk­mal­pfle­ge des His­to­risch-Tech­ni­schen Mu­se­ums Pee­ne­mün­de ver­such­ten sich zehn rus­si­sche und drei deut­sche Ju­gend­li­che in der Denk­mal­pfle­ge an den ehe­ma­li­gen Pe­e­ne­bun­kern. „Da­zu ge­hö­ren Maß­nah­men wie der Rück­schnitt von Wild­wuchs, aber auch ei­ne Füh­rung durch un­ser Mu­se­um, ei­ne Tour durch die Denk­mal­land­schaft und die Ge­stal­tung der Frei­zeit, sei es im Klet­ter­wald, am Strand in Greifs­wald oder in Swi­ne­mün­de“, sagt Ute Au­gus­tat, die seit 1999 die in­ter­na­tio­na­len Som­mer­camps in Pee­ne­mün­de be­treut. Das deutsch-rus­si­sche Camp sei ei­ne Pre­mie­re. „Wir sind be­geis­tert von den jun­gen Leu­ten, es ist ei­ne tol­le Trup­pe, die su­per mit­ge­ar­bei­tet hat.“

„Es ist schön, wie viel­fäl­tig der Aus­tausch ist“, freut sich auch Sel­le­ring. Ne­ben der Pia­nis­ten­wo­che in Ros­tock, dem Krea­ti­v­camp auf Schloss Plü­schow und dem Som­mer­camp für Denk­mal­pfle­ge in Pee­ne­mün­de gibt es ein Box­camp in Ros­tock, ein Vol­ley­ball­camp in Schwe­rin und das Lan­des­zelt­la­ger der Ju­gend­feu­er­weh­ren auf Rü­gen so­wie das Si­mu­la­ti­ons­spiel „Ju­gend in der Welt­po­li­tik“. Hö­he­punkt ist die heu­ti­ge Ab­schluss­ver­an­stal­tung auf der Han­se­mes­se Ros­tock, bei der al­le Pro­jek­te vor­ge­stellt wer­den. Er­war­tet wer­den un­ter an­de­rem Ver­tre­ter aus der Po­li­tik bei­der Län­der. Mu­si­ka­lisch be­glei­tet wird die Ver­an­stal­tung von jun­gen Mu­si­kern der HMT und Ce­le­bra­te, dem Rock-Pop-Gos­pel-Chor der Uni­ver­si­tät Ros­tock.

FO­TO: DIETMAR LILIENTHAL

Mu­si­zie­ren ge­mein­sam bei der deut­schrus­si­schen Pia­nis­ten­wo­che an der Ros­to­cker HMT: Rus­sin Ev­ge­nia Scha­ro­va (17) und HMT-Stu­dent Ro­man Hinz (20)

FO­TO: AN­NETT MEIN­KE

Be­gab­te Schü­ler aus Nord­west­meck­len­burg und Russ­land beim Plü­schow­er Krea­ti­v­camp

FO­TO: HEN­RIK NITZ­SCHE

Rus­si­sche und deut­sche Ju­gend­li­che ar­bei­ten am al­ten Ra­ke­ten­bun­ker in Pee­ne­mün­de.

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