Uni­me­di­zin Ros­tock ent­zieht Toch­ter­fir­ma Auf­trä­ge

Nach Ta­rif­ab­schluss: Ver­trä­ge mit Lo­gis­tik-Ge­sell­schaft ge­kün­digt

Ostsee Zeitung - - VORDERSEIT­E - Von Frank Pu­bantz

Vor­wür­fe an den Vor­stand der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ros­tock (UMR): Nach dem Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges für die Mit­ar­bei­ter der Toch­ter­fir­ma UMR Lo­gis­tik GmbH wer­den ge­nau dort schritt­wei­se Auf­trä­ge ab­ge­zo­gen, was Per­so­nal teils über­flüs­sig macht. Der Be­triebs­rat ver­mu­tet Ein­spa­run­gen we­gen hö­he­rer Per­so­nal­kos­ten.

Ros­tock. Schwe­re Vor­wür­fe an den Vor­stand der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ros­tock (UMR): Nach dem Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges für die Mit­ar­bei­ter der Toch­ter­fir­ma UMR Lo­gis­tik GmbH wer­den ge­nau dort schritt­wei­se Auf­trä­ge ab­ge­zo­gen, was Per­so­nal teils über­flüs­sig macht. Der Be­triebs­rat ver­mu­tet Ein­spa­run­gen we­gen hö­he­rer Per­so­nal­kos­ten. Da­bei macht die zu­stän­di­ge Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Bettina Martin (SPD) kei­ne gu­te Fi­gur. Sie sprach im Land­tag von „Ein­zel­fäl­len“bei Auf­trags­ver­ga­ben an ex­ter­ne Fir­men – dem tritt der Be­triebs­rat en­er­gisch ent­ge­gen.

„Die Toch­ter­ge­sell­schaft wird von der Uni­ver­si­täts­me­di­zin aus­ge­trock­net“, er­klärt der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Tors­ten Ko­p­lin (Lin­ke). Er mach­te das The­ma im Land­tag öf­fent­lich. Bis 2017 ha­be die UMR Lo­gis­tik GmbH, ei­ne lan­des­ei­ge­ne Ge­sell­schaft, nur Min­dest­löh­ne ge­zahlt, dann folg­te ein Haus­ta­rif­ver­trag, nach­dem die Mit­ar­bei­ter der Lo­gis­tik GmbH streik­ten, im April sei schließ­lich ein gu­ter Ta­rif­ab­schluss er­zielt wor­den. Seit­her ha­be die Uni­me­di­zin al­ler­dings Ver­trä­ge mit der Toch­ter­fir­ma aus­ge­dünnt, Be­schäf­tig­ten ge­kün­digt be­zie­hungs­wei­se Jobs zu schlech­te­ren Kon­di­ti­on an­ge­bo­ten, so Ko­p­lin. Pi­kant: Vor al­lem die SPD for­dert lan­des­weit mehr Ta­rif­löh­ne. Die rund 300 Mit­ar­bei­ter der UMR Lo­gis­tik GmbH sind an den di­ver­sen Uni­k­li­ni­ken für Rei­ni­gungs­diens­te, Pa­ti­en­ten­fahr­ten, Blut-, Me­di­ka­men­ten­und Spei­sen­trans­por­te ver­ant­wort­lich.

Das Land wis­se Be­scheid, so Mi­nis­te­rin Martin. Man ha­be „die Er­war­tung, dass ein Un­ter­neh­men in öf­fent­li­cher Hand auch ei­ne be­son­de­re Ver­ant­wor­tung den Mit­ar­bei­tern ge­gen­über hat“. Dies ha­be man Un­ter­neh­mens­füh­rung und dem Rek­tor der Uni Ros­tock mit­ge­teilt. Martin deut­lich: In der Toch­ter­fir­ma nicht mehr be­nö­tig­te Be­schäf­tig­te soll­ten be­sitz­stand­wah­rend in der Uni­me­di­zin über­nom­men, nö­ti­gen­falls da­für fort­ge­bil­det wer­den. Of­fen­bar kennt die Mi­nis­te­rin aber nicht die gan­ze Wahr­heit. Sie spricht von „Ein­zel­fäl­len“, in de­nen Auf­trä­ge nicht an die UMR Lo­gis­tik GmbH, son­dern an ex­ter­ne Fir­men ge­gan­gen sei­en

Dem wi­der­spricht der Be­triebs­rat der Lo­gis­tik­fir­ma. Es sei­en kei­ne Ein­zel­fäl­le: Bei­spiels­wei­se ha­be die Uni­me­di­zin von Ju­ni bis Au­gust rund 1000 Pa­ti­en­ten­trans­por­te ex­tern ver­ge­ben. Und das zu hö­he­ren Kos­ten, so Ko­p­lin. Wei­te­res sorgt den Be­triebs­rat: Ei­ni­ge Auf­ga­ben der Lo­gis­tik GmbH sei­en be­reits ge­kün­digt wor­den: seit En­de Ju­ni die Ko­or­di­na­ti­on des Trans­port­diens­tes, zum Jah­res­en­de Bo­ten­diens­te am Cam­pus Schil­lin­gal­lee, zum En­de April 2020 die Ver­sor­gung der Kli­ni­ken mit Was­ser. Fol­ge: Be­fris­te­te Ar­beits­ver­trä­ge von Be­schäf­tig­ten sei­en nicht ent­fris­tet wor­den. Ziel sei es of­fen­sicht­lich, „Ein­spa­rung auf Kos­ten des Per­so­nal­be­stan­des zu tä­ti­gen“, heißt es vom Be­triebs­rat. So ha­be die Un­ter­neh­mens­füh­rung „of­fen kom­mu­ni­ziert“, dass die Mehr­kos­ten des Ta­rif­ab­schlus­ses von 2,7 Mil­lio­nen Eu­ro pro­ble­ma­tisch sei­en.

Die Uni­me­di­zin Ros­tock stand im Vor­jahr we­gen dras­ti­scher Spar­maß­nah­men

auf Kos­ten von Mit­ar­bei­tern und Pa­ti­en­ten in der Kri­tik. Par­al­lel wur­den Bo­nus­zah­lun­gen an Vor­stän­de öf­fent­lich. Mit dem Be­richt ei­ner Ex­per­ten­kom­mis­si­on, ein­ge­setzt von der frü­he­ren Mi­nis­te­rin Bir­git Hes­se (SPD), wird im Früh­jahr 2020 ge­rech­net. Das Mi­nis­te­ri­um sei ganz of­fen­sicht­lich noch im­mer nicht auf Ball­hö­he, schluss­fol­gert Ko­p­lin. „Ich ver­mu­te, dass die Mi­nis­te­rin nicht voll­um­fäng­lich in­for­miert wur­de.“Ein Mit­ar­bei­ter for­mu­liert es so: „Ich glau­be, dass die Mi­nis­te­rin an­ge­lo­gen wird.“

Der Kauf­män­ni­sche Vor­stand der Uni­me­di­zin, Ha­rald Je­gus­ch­ke, lässt dem Vor­wurf des Aus­trock­nens der Lo­gis­tik GmbH wi­der­spre­chen, die Kün­di­gung von Auf­trä­gen aber be­stä­ti­gen. Dies ha­be et­wa Ef­fi­zi­enz­grün­de, da auch die Uni­me­di­zin selbst par­al­lel über Di­enst­leis­tun­gen ver­fü­ge. Ge­kün­dig­te oder ein­ge­spar­te Mit­ar­bei­ter sol­len „wei­ter­hin im Un­ter­neh­men oder in der Uni­ver­si­täts­me­di­zin be­schäf­tigt wer­den“. Ei­nen Zu­sam­men­hang der Vor­gän­ge mit dem Ta­rif­ab­schluss für die Mit­ar­bei­ter der Lo­gis­tik GmbH ge­be es nicht. Pa­ti­en­ten­trans­por­te wür­den nach „ei­ner Art Über­lauf­prin­zip“und „un­ter Ein­hal­tung des Ver­ga­be­rechts“an Drit­te ver­ge­ben. Von 4853 Trans­por­ten im Sep­tem­ber ha­be die UMR Lo­gis­tik GmbH zum Bei­spiel gut 95 Pro­zent über­nom­men.

Ich ver­mu­te, dass die Mi­nis­te­rin nicht voll­um­fäng­lich in­for­miert wur­de. Tors­ten Ko­p­lin (Lin­ke), Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter

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