Wie Kauf­haus Stolz das Shop­pen er­mög­licht

We­gen der Co­ro­na-Kri­se muss­te In­ha­ber Mar­tin Stolz al­le Fi­lia­len in Nord­deutsch­land schlie­ßen. Da­für er­öff­net er jetzt ein vir­tu­el­les Kauf­haus.

Ostsee Zeitung - - WIRTSCHAFT - Von Andre­as Ebel Mar­tin Stolz:

Ros­tock. We­gen der Aus­brei­tung des neu­ar­ti­gen Co­ro­na­vi­rus und der Maß­nah­men zur Ein­däm­mung sind auch die Fi­lia­len von Kauf­haus Stolz ge­schlos­sen. Für In­ha­ber Mar­tin Stolz be­deu­tet das die größ­te Kri­se in der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te. Wie er der Pan­de­mie ent­ge­gen tritt, ver­rät er im OZ-In­ter­view.

OZ: Sie muss­ten we­gen der Co­ro­na­Kri­se al­le Ih­re Fi­lia­len schlie­ßen. Wie geht es Ih­ren Mit­ar­bei­tern und Ih­nen gera­de?

Das hat in un­se­ren 33 Kauf­häu­sern und 49 Ge­schäf­ten zu ei­ner Schock­star­re ge­führt. Wir muss­ten un­se­re Mit­ar­bei­ter in Kurz­ar­beit schi­cken. Das ist ei­ne Si­tua­ti­on, auf die sich nie­mand vor­be­rei­ten konn­te. Be­son­ders un­se­re Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, die mit Kurz­ar­bei­ter­geld aus­kom­men müs­sen, das nur 60 be­zie­hungs­wei­se 67 Pro­zent des Ge­hal­tes be­trägt.

Wie vie­le be­trifft es?

Wir ha­ben rund 600 Mit­ar­bei­ter in Kurz­ar­beit ge­schickt.

Bei Ih­nen trifft es ja ei­ne Be­rufs­grup­pe, die gera­de jetzt so wich­tig ist. Wird sich die Rol­le der Ver­käu­fe­rin­nen und Ver­käu­fer mit der Co­ro­na­Kri­se ver­än­dern?

Ja. Wie wich­tig ei­ne gu­te Be­ra­tung und so­zia­le Kon­tak­te beim Ein­kau­fen sind, mer­ken wir ja gera­de in die­sen Ta­gen.

Gro­ße Han­dels­kon­zer­ne wie Ga­le­ria Kar­stadt Kauf­hof kom­men gera­de in erns­te wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten. Ha­ben Sie auch Angst um Ihr Un­ter­neh­men, Herr Stolz?

Wir ha­ben 30 Jah­re hart ge­ar­bei­tet, und wir ha­ben nicht ei­nen Cent aus un­se­rem Un­ter­neh­men privat her­aus­ge­nom­men. Da­durch ste­hen wir wirt­schaft­lich gut da und ha­ben ei­ne an­de­re Po­si­tio­nie­rung, als Kar­stadt sie im Mo­ment hat.

Was ist an­ders bei Ih­nen? Kar­stadt sitzt in den grö­ße­ren Städ­ten, Sie in

den klei­ne­ren. Auch bei Ih­nen blei­ben die Um­sät­ze von Tou­ris­ten und Ein­hei­mi­schen jetzt aus.

Auch wir wer­den viel Geld ver­lie­ren. Aber wir ver­su­chen, auch in die­ser Si­tua­ti­on so zu ar­bei­ten, dass wir mög­lichst lan­ge durch­hal­ten. Wir wol­len die Kri­se so durch­ste­hen, dass wir schnell wie­der durch­star­ten kön­nen, wenn Co­ro­na vor­bei ist.

Vie­le Re­stau­rants und Han­dels­ein­rich­tun­gen ent­wi­ckeln krea­ti­ve Ide­en, um trotz ge­schlos­se­ner Lä­den Kun­den zu be­die­nen und et­was Ge­schäft zu ma­chen. Kann ich denn auch bei Stolz noch ein­kau­fen?

Weil wir al­le un­se­re Ge­schäf­te schlie­ßen muss­ten, ha­ben wir jetzt ei­ne Idee ent­wi­ckelt, die ein­ma­lig ist. Und zwar das in­ter­ak­ti­ve, di­gi­ta­le Kauf­haus. Das gibt es bis­her nir­gends. Der Kun­de er­reicht uns über sein Smart­pho­ne. Über so­zia­le Me­di­en wie Facebook, WhatsApp oder Fa­ce­time tre­ten wir mit ihm in Kon­takt.

Ich kann al­so über mein Han­dy vir­tu­ell durch die Stolz-Fi­lia­le bei­spiels­wei­se in Klütz ge­hen?

Nein, das geht lei­der noch nicht. Wir star­ten jetzt in Burg auf Feh­marn, da wir das erst ein­mal an ei­nem Stand­ort aus­pro­bie­ren müs­sen. Wenn wir ir­gend­wann mal 100 Te­le­fo­ne auf Voll­last ha­ben, wür­den wir an­de­re Fi­lia­len da­zu neh­men.

Wie funk­tio­niert das?

Sie ru­fen ei­ne Te­le­fon­num­mer an und die springt auf das Mo­bil­te­le­fon ei­nes Mit­ar­bei­ters in un­se­rem vir­tu­el­len Kauf­haus um. Der geht dann mit Ih­nen durchs Haus, be­rät Sie, zeigt Ih­nen die Wa­re, die Sie auf Ih­rem Han­dy se­hen. Es ist wie ein re­el­les Ver­kaufs­ge­spräch, nur dass Sie nicht vor Ort sind. Die Wa­re ver­sen­den wir dann. Be­zahlt wer­den kann per Paypal oder Vor­kas­se.

Und das ma­chen die Mit­ar­bei­ter, die jetzt noch in Kurz­ar­beit sind?

Ja. Das ist die Idee da­hin­ter, dass wir un­se­re Mit­ar­bei­ter Stück für Stück wie­der aus der Kurz­ar­beit ho­len. Sie ste­hen al­le voll da­hin­ter und un­ter­stüt­zen die­se Idee. Wir ha­ben noch nie vor­her so eng zu­sam­men­ge­hal­ten und bren­nend an ei­nem The­ma ge­ar­bei­tet.

Wir hät­ten nicht ge­dacht, dass wir jetzt in die­ser La­ge ei­ne so gu­te Idee auf die Stra­ße brin­gen ….

Not macht er­fin­de­risch.

Das stimmt. Ich hät­te auch nie ge­dacht, dass wir hier ein tol­les Stu­dio auf­bau­en, in dem die Mit­ar­bei­ter sit­zen und ih­re Kun­den vir­tu­ell emp­fan­gen.

Wann geht es mit der ers­ten Fi­lia­le in Meck­len­burg-Vor­pom­mern los?

In die­ser Wo­che ha­ben wir in Burg auf Feh­marn be­gon­nen, von wo aus wir erst ein­mal das ge­sam­te Ge­biet be­lie­fern wer­den. Dann stre­ben wir an, je­de Wo­che ei­ne wei­te­re Fi­lia­le ans Netz an­zu­schlie­ßen.

Kann ich denn jetzt schon be­stel­len?

Ja. Je­der kann be­stel­len. Ein­fach die Te­le­fon­num­mer 04371-8800333 wäh­len und schon hat man ei­nen un­se­rer Mit­ar­bei­ter am Te­le­fon. Un­ser Ge­schäft hier in Burg auf Feh­marn hat den gro­ßen Vor­teil, dass wir auf 4000 Qua­drat­me­tern Ver­kaufs­flä­che 300 000 Ar­ti­kel an­bie­ten kön­nen.

Wo se­hen Sie den Han­del nach Co­ro­na? Ster­ben die Lä­den?

Das wä­re sehr trau­rig. Das wür­de uns sehr arm ma­chen, weil wir we­ni­ger Kom­mu­ni­ka­ti­on hät­ten. Das ver­su­chen wir mit un­se­rer Ak­ti­on zu ver­hin­dern. Nur noch in Clouds und di­gi­tal zu den­ken wä­re sehr scha­de. Wir brau­chen ei­ne ge­sun­de Kom­bi­na­ti­on aus all die­sen Din­gen. Wir wol­len un­se­re Kun­den hal­ten. Ih­re Re­ak­ti­on auf un­se­re neue Idee ist sen­sa­tio­nell.

Braucht der Han­del mehr sol­che In­spi­ra­tio­nen?

Ja. Wir wol­len an­de­re mit­rei­ßen und den Mit­tel­stand mo­ti­vie­ren, ähn­li­che Ide­en zu ent­wi­ckeln. Ich glau­be, dass wir gera­de ei­ne der aus­sichts­lo­ses­ten Si­tua­tio­nen er­le­ben, die wir uns vor­stel­len kön­nen. Wir sind gera­de aus der Ne­ben­sai­son ge­kom­men, las­sen ei­ne Sai­son aus und ge­hen in die nächs­te Ne­ben­sai­son. Das heißt, wir sind tou­ris­tisch dop­pelt ge­schä­digt. Aber wir las­sen uns nicht un­ter­krie­gen und bli­cken po­si­tiv in die Zu­kunft. Wenn wir das kön­nen, kön­nen das an­de­re auch.

Wenn es passt, kön­nen wir das je­der­zeit ma­chen. Wir wol­len, dass der Mit­tel­stand er­hal­ten bleibt.

Herr Stolz, dan­ke für das Ge­spräch.

In den fol­gen­den Jah­ren geht die Ex­pan­si­on wei­ter: Der Fall der Mau­er zwi­schen Ost- und West­deutsch­land er­öff­net völ­lig neue Mög­lich­kei­ten. Büt­zow, Küh­lungs­born, Rib­nitz-Dam­gar­ten, Barth und Grim­men: In Meck­len­burg-Vor­pom­mern ent­ste­hen in den Neun­zi­ger- und Nul­ler­jah­ren ei­ne Viel­zahl neu­er Stand­or­te.

2001 über­nimmt Mar­tin Stolz jun. die al­lei­ni­ge Un­ter­neh­mens­füh­rung – im glei­chen Jahr wird in Kap­peln ei­ne neue Fi­lia­le er­öff­net.

Bis heu­te gibt es im Nor­den von Deutsch­land gan­ze 33 Stand­or­te des Kauf­hau­ses Stolz.

FO­TOS: KAUF­HAUS STOLZ

Für Kauf­haus-In­ha­ber Mar­tin Stolz ist die Co­ro­na-Kri­se die größ­te Kri­se in der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te.

Emp­fang im neu­en vir­tu­el­len Kauf­haus. Mit die­ser Idee plant Mar­tin Stolz den di­gi­ta­len Be­frei­ungs­schlag. Wird Ihr vir­tu­el­les Kauf­haus nach der Kri­se wei­ter exis­tie­ren? Sie schaf­fen gera­de ein Stück di­gi­ta­le In­fra­struk­tur für Ihr Un­ter­neh­men. Kön­nen das an­de­re bald mit­nut­zen?

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