Si­cher­heits­mann: Wer­de be­spuckt und ge­schla­gen

San­dro Mühl­bau­er kon­trol­liert die Co­ro­na-Maß­nah­men in Su­per­märk­ten. Da­bei muss er ei­ni­ges ein­ste­cken.

Ostsee Zeitung - - VOR­DER­SEI­TE - Von No­ra Rein­hardt

San­dro Mühl­bau­er kon­trol­liert die Co­ro­na-Maß­nah­men in Su­per­märk­ten. Da­bei muss er ei­ni­ges ein­ste­cken. Als Si­cher­heits­mann ar­bei­tet er in ver­schie­de­nen Märk­ten in Stral­sund. We­gen des Co­ro­na­vi­rus gibt es stren­ge Re­geln beim Ein­kau­fen. Kun­den sol­len mög­lichst ein­zeln und nur mit Wa­gen in die Ge­schäf­te ge­hen.

Stral­sund. „Die Men­schen dort wa­ren nur be­lei­di­gend“, er­zählt San­dro Mühl­bau­er (28), der als Fach­kraft für Schutz und Si­cher­heit ar­bei­tet, jetzt in der Kri­se be­son­ders ge­for­dert ist. Als Si­cher­heits­mann wird er in ver­schie­de­nen Su­per­märk­ten in Stral­sund ein­ge­setzt. We­gen des Co­ro­na­vi­rus gibt es stren­ge Re­geln beim Ein­kau­fen. Kun­den sol­len mög­lichst ein­zeln und nur mit Ein­kaufs­wa­gen in die Ge­schäf­te ge­hen. Doch die­se Maß­nah­men durch­zu­set­zen ist nicht leicht.

Ei­ne Auf­ga­be von San­dro Mühl­bau­er ist es, freund­lich auf die Maß­nah­men hin­zu­wei­sen. Auf die Fra­ge „Kön­nen Sie sich bit­te ei­nen Ein­kaufs­wa­gen neh­men?“, kä­men dann Ant­wor­ten wie „Was willst du As­si denn von mir?“oder „Du hast doch ei­nen Vo­gel“. Manch­mal wer­de er so­gar an­ge­spuckt oder ge­schla­gen. Das ma­che ihn trau­rig und wü­tend.

San­dro Mühl­bau­er ar­bei­tet seit acht Jah­ren als Se­cu­ri­ty-Mann. Er weiß, dass die Co­ro­nak­ri­se bei vie­len Men­schen nicht nur die gu­ten Sei­ten zu Ta­ge bringt. Sei­ne Frau ist Bus­fah­re­rin. Bei­de sind dank­bar noch zu ar­bei­ten, set­zen sich aber auch täg­lich Ge­fah­ren aus, weil sie mit vie­len Men­schen in Kon­takt kom­men.

Als er ei­nen Kun­den frag­te, ob er sei­nen Korb des­in­fi­zie­ren dür­fe, ha­be die­ser ge­sagt: „Sie soll­ten sich erst­mal ih­re dum­me Fres­se des­in­fi­zie­ren“. San­dro Mühl­bau­er fragt sich, war­um Men­schen so ge­mein und fies sein kön­nen.

Oft ver­sucht er sich zu er­klä­ren: „Ich möch­te Leu­te da­vor be­wah­ren, sich zu in­fi­zie­ren. Ich ste­he doch nicht hier, um sie zu är­gern.“Doch auch bei dem zwei­fa­chen Fa­mi­li­en­va­ter ist es mit der Ge­duld ir­gend­wann vor­bei. Nach­dem ein Mann sei­nen Wa­gen im La­den hat ste­hen las­sen, hat Mühl­bau­er ihn freund­lich auf­ge­for­dert, den Wa­gen wie­der drau­ßen hin­zu­stel­len. Doch der Kun­de ha­be ge­ant­wor­tet: „Geh doch rein, kannst dir ´ne Mark ver­die­nen.“Als er ihm hin­ter­her ge­gan­gen ist, sei er an­ge­spuckt wor­den. Ein an­de­rer Mann schubs­te ihn, nach­dem er ihn bat, sich ei­nen Ein­kaufs­wa­gen zu neh­men. Als der Mann ver­such­te, Mühl­bau­er in den Bauch zu bo­xen, wehr­te er sich und drück­te ihn zu Bo­den. Trotz­dem ver­sucht Mühl­bau­er, Ver­ständ­nis zu ha­ben: „Die Leu­te ge­hen in Kurz­ar­beit, ma­chen Ho­me­of­fice oder wer­den ge­kün­digt. Ich kann ver­ste­hen, dass sie ge­frus­tet sind, aber bit­te lasst es nicht an mir aus.“

Von sei­nem Ar­beit­ge­ber fühlt er sich gut un­ter­stützt: „Wenn es zu schlimm ist, sol­len wir uns mel­den, dann schi­cken sie ei­nen zwei­ten Mann. Sie set­zen sich schon für ei­nen ein“, er­klärt Mühl­bau­er. Auch Fran­ko Tro­les, Ein­satz­lei­ter beim Stral­sun­der Wach- und Si­cher­heits­dienst, weiß, dass „sei­ne Jungs“, wie er sagt, viel ein­ste­cken müs­sen: „Ja es ist schon be­las­tend. Ei­ni­ge Leu­te ver­ste­hen den Maß­nah­men­ka­ta­log nicht. Da gibt es täg­lich Ge­walt­an­dro­hun­gen und Be­lei­di­gun­gen.“

Doch die Fir­ma SWSD aus Stral­sund ver­sucht, die Mit­ar­bei­ter zu schüt­zen. „Un­se­re Jungs ar­bei­ten oft zu zweit, da­durch wird der Ei­gen­schutz ge­währ­leis­tet. Au­ßer­dem gibt es zu­sätz­lich Ta­ges­strei­fen, die die La­ge kon­trol­lie­ren“, so Tro­les.

Auch die Pres­se­mit­ar­bei­te­rin von Re­al Jas­min Voigt­haus, wo Mühl­bau­er in Stral­sund mas­siv an­ge­gan­gen wur­de, be­dau­ert den Vor­fall und teilt mit, dass es über­wie­gend po­si­ti­ve Rück­mel­dun­gen auf die neu­en Re­ge­lun­gen ge­ge­ben ha­be. Die Si­cher­heits­leu­te sol­len hier grund­sätz­lich ei­nen zwei­ten Mann an die Sei­te be­kom­men und ein Han­dy, mit dem sie die Mit­ar­bei­ter im Ge­schäft kon­tak­tie­ren kön­nen.

Trotz al­lem: Es ge­be auch Licht­bli­cke in der gan­zen Si­tua­ti­on, meint Si­cher­heits­mann San­dro Mühl­bau­er. „Ei­ni­ge Kun­den sind auch lieb, brin­gen mir ei­nen Kaf­fee oder ei­ne Scho­ko­la­de mit oder ver­tei­di­gen mich, wenn je­mand aus­fal­lend wird“, dar­über freue er sich im­mer. Das sei es auch, was ihm ei­gent­lich Spaß an sei­nem Job macht. Die Nä­he zu den Men­schen und die Mög­lich­keit, ih­nen Si­cher­heit zu ge­ben.

Ei­ni­ge Kun­den sind auch lieb, brin­gen mir Kaf­fee oder ver­tei­di­gen mich. San­dro Mühl­bau­er Si­cher­heits­mann

FO­TO: RÖDEL

San­dro Mühl­bau­er ar­bei­tet als Si­cher­heits­mann vor Stral­sun­der Su­per­märk­ten und kon­trol­liert in der Co­ro­naK­ri­se die Ein­hal­tung der Maß­nah­men: „Man­che Men­schen sind nur be­lei­di­gend“, be­rich­tet er.

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