Lan­ge: SPD-Ost­be­auf­trag­ter ist „fal­sches Si­gnal“

Ostthüringer Zeitung (Bad Lobenstein) - - Erste Seite -

Ge­ra. Ent­ge­gen al­ler Wet­ten, so Si­mo­ne Lan­ge im OTZ-In­ter­view, wer­de sie ge­gen Nah­les ge­win­nen. Die SPD-Ba­sis wol­le nicht mehr, dass „der Bun­des­vor­stand ein­fach so ei­ne Per­so­nal­ent­schei­dung trifft“. In Zu­kunft müss­ten die SPD-Vor­sit­zen­den per Mit­glie­der­ent­scheid be­stimmt wer­den.

Am Zu­stand der SPD hat Lan­ge ei­ne Men­ge zu kri­ti­sie­ren. So sei es „ein fal­sches Si­gnal“ge­we­sen, dass die Par­tei­spit­ze mit dem säch­si­schen Wirt­schafts­mi­nis­ter Mar­tin Du­lig ei­nen ei­ge­nen Ost­be­auf­trag­ten be­nannt ha­be. Man müs­se sich um deut­sche Kri­sen­re­gio­nen küm­mern, „oh­ne nach Him­mels­rich­tun­gen zu un­ter­schei­den“.

Die SPD, meint Lan­ge, hät­te nicht er­neut in ei­ne gro­ße Ko­ali­ti­on ge­hen dür­fen. Da­mit ha­be man der AfD das Feld als größ­ter Op­po­si­ti­ons­par­tei über­las­sen. Der Ko­ali­ti­ons­ver­trag sei „frei von Re­for­men“. Mit der Uni­on könn­ten die So­zi­al­de­mo­kra­ten wich­ti­ge „so­zi­al- und um­welt­po­li­ti­sche Din­ge“nicht um­set­zen.

Lan­ge for­dert ei­ne Re­form der So­zi­al­ge­setz­ge­bung: Deutsch­land sei das Land in Eu­ro­pa mit dem höchs­ten Ri­si­ko, arm zu wer­den. Sank­tio­nen für Hart­zIV-Emp­fän­ger, die sich nicht an „sinn­lo­se“Re­geln hal­ten, will Lan­ge ab­schaf­fen, zu­dem sol­le es kei­ne Be­darfs­ge­mein­schaf­ten mehr ge­ben. Je­der Mensch ha­be „in­di­vi­du­ell ein Recht auf ei­ne ar­muts­fes­te Gr­und­aus­stat­tung.“ Die Ren­te müs­se oh­ne pri­va­te Zu­satz­ver­sor­gung aus­rei­chend sein. Lan­ge ent­schul­digt sich da­für, dass die SPD „bis heu­te Men­schen im Stich lässt“.

Ih­re so­zi­al­po­li­ti­schen Ver­spre­chen will Lan­ge durch die Er­hö­hung des Spit­zen­steu­er­sat­zes und der Ein­füh­rung der Ver­mö­gens­steu­er fi­nan­zie­ren. Wenn es ge­län­ge, so Lan­ge, den Men­schen wie­der das Ge­fühl zu ge­ben, si­cher le­ben zu kön­nen, dann „kön­nen wir so­gar noch mehr Flücht­lin­ge auf­neh­men“. In ei­ner so­li­da­ri­schen Ge­sell­schaft dür­fe man Rent­ner nicht ge­gen Flücht­lin­ge „aus­spie­len“. An­ge­la Mer­kel ha­be 2015 die Gren­ze „per Hand­schlag“ge­öff­net, jetzt müs­se sie end­lich den Kom­mu­nen die nö­ti­gen Mit­tel zur In­te­gra­ti­on zur Ver­fü­gung stel­len.

Die 41-jäh­ri­ge Lan­ge will die SPD wei­ter nach links füh­ren, auch um die Lin­ke „über­flüs­sig zu ma­chen“. Die der­zei­ti­ge SPDFüh­rung ma­che den „Rie­sen­feh­ler“, dass sie die Par­tei „nur über die Ko­ali­ti­on mit der Uni­on“de­fi­nie­re. Die SPD brau­che jetzt ein neu­es Grund­satz­pro­gramm.

Am kom­men­den Wo­che­n­en­de will die in Ru­dol­stadt ge­bo­re­ne Flens­bur­ger Ober­bür­ger­meis­te­rin Si­mo­ne Lan­ge zur neu­en SPD-Vor­sit­zen­den ge­wählt wer­den – in Kampf­ab­stim­mung ge­gen Andrea Nah­les.

Flens­burgs Ober­bür­ger­meis­te­rin Si­mo­ne Lan­ge. Foto: dpa

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